Crailsheim Beispielhaftes "Haus K" in Crailsheim - Architektur-Buch würdigt Entwurf von Jörg Schust

MATHIAS BARTELS 27.11.2014
Ein Architekt gilt im griechischen Wortsinn als "Anführer der Bauleute". Die Kernkompetenz geht allerdings weit übers Bauen hinaus. Schön, wenn derlei Leistungen gewürdigt werden - wie bei Jörg Schust.

Schon zweimal ist der Crailsheimer Architekt Jörg Schust in den letzten Jahren mit einem Preis beim landkreisweiten Wettbewerb "Beispielhaftes Bauen" bedacht worden - vor acht Jahren mit dem Umbau des früheren Forstamts in der Goldbacher Straße, zuletzt 2013 mit dem "Haus K" in Crailsheim. Mit gerade diesem Einfamilienhaus der Familie Kothen "An den Hecken" würdigt jetzt die Architektur-Kritikerin Bettina Rühm den 46-Jährigen in ihrem neu erschienenen Buch "Vorbildliche Grundrisse". Herausgegeben wurde es von der Deutschen Verlags-Anstalt. Die Autorin stellt darin 35 aktuelle Wohnhäuser für Singles, Paare und Familien vor.

"Linear und doch eine runde Sache" hat sie den Beitrag über Jörg Schust und "sein" Haus betitelt. Besonders hebt sie Schusts planerische Leistung hervor, die Tiefe des schwierigen, trapezförmigen Grundstücks optimal zu nutzen. So sei ein Ensemble entstanden, "das sich harmonisch ins Straßenbild einfügt".

Im Gespräch des HT mit dem in Satteldorf groß gewordenen Architekten wird schnell klar, welche Rolle er seinem Berufsstand zumisst: "Ein Haus zu bauen, ist immer gut, weil so echte Werte geschaffen werden. Die Frage ist nur, wie mit dem zur Verfügung stehenden Geld umgegangen wird: Wird Durchschnittliches gebaut oder etwas wirklich Ansprechendes?" Seiner Ansicht nach - und er spricht da durchaus für seine Kollegen mit - hat ein Architekt alle Bereiche des Hausbaus abzudecken: "Gestaltung, Kosten, Termine - und natürlich die Bauabwicklung." Bauen sieht Jörg Schust als ganzheitliches Gesamtkonzept. Zugleich baut er auf wertige Materialien, die prima altern und lange gut aussehen.

Das "Haus von der Stange" sorgt laut Schust meist auch für eine Lösung von der Stange - es ist in der Regel ein Haus ohne eigene Handschrift und individuelle Note mit vielfach wiederholten Lösungen bei planerischem Minimalaufwand. Dabei sei der Architekt beim Honorar doch an die Bausumme gebunden - lediglich die Stars der Szene vereinbaren ihre Bezahlung frei. Aus freier Ideenfindung heraus entstehe dagegen zum Beispiel eine Lösung wie "Haus K". Jörg Schust: "Das können die Kollegen genauso, weshalb ein Architekt immer eine gute Wahl ist." Jörg Schust hat in Stuttgart Architektur studiert und nach Abschluss seines Studiums in drei Stuttgarter Büros gearbeitet. Seit 2006 ist er in Crailsheim selbstständig.

Info Bettina Rühm: Vorbildliche Grundrisse, DVA, 49,99 Euro, ISBN 978-3-421-03958-3.