Widerstand Beim Tag der Weißen Rose in Crailsheim standen "stille Helden" im Mittelpunkt

Oberbürgermeister Rudolf Michl (links), Stadtarchivar Folker Förtsch und Ursula Mroßko, Vorsitzender des Vereins "Arbeitskreis Weiße Rose", freuen sich am Tag der Weißen Rose in Crailsheim über den Besuch von Barbara Schieb (2.v.r.) von der Berliner Gedenkstätte "Stille Helden". Foto: Andreas Harthan
Oberbürgermeister Rudolf Michl (links), Stadtarchivar Folker Förtsch und Ursula Mroßko, Vorsitzender des Vereins "Arbeitskreis Weiße Rose", freuen sich am Tag der Weißen Rose in Crailsheim über den Besuch von Barbara Schieb (2.v.r.) von der Berliner Gedenkstätte "Stille Helden". Foto: Andreas Harthan
Crailsheim / ANDREAS HARTHAN 26.09.2012
Die Geschwister Scholl und Graf von Stauffenberg sind die landauf, landab bekannten Gesichter des Widerstands gegen das Nazi-Regime. Doch Widerstand leisteten viel mehr Deutsche.

Für diese "stillen Helden", wie sie die Wissenschaft inzwischen nennt, interessieren sich immer mehr Historiker. Die "stillen Helden" leisteten wie die Studenten um die Scholls oder die Männer um Stauffenberg Widerstand, indem sie von den Nazis Verfolgte, hauptsächlich untergetauchte Juden, versteckten oder ihnen zur Flucht ins Ausland verhalfen.

Die Lebensgeschichten dieser Helden, die um ihre Taten kein großes Aufheben gemacht, oft gar nie über sie geredet haben, erforscht die Gedenkstätte "Stille Helden". Barbara Schieb, wissenschaftliche Mitarbeiterin dieser Einrichtung in Berlin, berichtete am Sonntag beim Tag der Weißen Rose in Crailsheim von der Arbeit der Gedenkstätte. Schieb und ihre Mitarbeiterinnen haben mittlerweile fast 700 Biografien von "stillen Helden" erforscht und stellen die Lebensläufe in der Gedenkstätte in Berlin vor. (www.gedenkstaette-stille-helden.de).

Mit dem Tag der Weißen Rose in Crailsheim wird dem in Ingersheim geborenen Widerstandskämpfer Hans Scholl gedacht. Er wäre in diesem Jahr 94 Jahre alt geworden, hätten ihn die Nazis nicht 1943 in München ermordet.

Einer dieser "stillen Helden" war der in Crailsheim geborene Kurt Schneider. Der in München tätige Psychiatrie-Professor rettete 1945 eine jüdische Kollegin vor der Deportation, indem er sie in einer geschlossenen Abteilung seiner Klinik versteckte. Seine Lebensgeschichte hat der Crailsheimer Stadtarchivar Folker Förtsch recherchiert (das HT berichtete am Samstag).

Unbestritten ist, dass es während des Dritten Reiches eine stattliche Zahl von Menschen gab, die Juden, die wegen der drohenden Deportation untergetaucht waren, in irgendeiner Form halfen. Wahr ist aber auch, betonte die Rednerin am Sonntagabend im Rathaussaal, dass die Deutschen nicht Schlange standen, um den Juden zu helfen, sondern dass diese sich oft mühsam ihre Helfer suchen mussten. Die Männer und Frauen, die Hilfe leisteten, sind für Oberbürgermeister Rudolf Michl "eindrucksvoller Teil des Widerstandes". Sie sorgten dafür, dass etwa 5000 deutsche Juden mit dem Leben davonkamen. Hingegen fielen Millionen von Juden dem Massenmord der Nazis zum Opfer, eine laut Barbara Schieb "in ihrer Dimension bis heute nicht zu fassende Tatsache".

Der vom Crailsheimer Verein "Arbeitskreis Weiße Rose" organisierte Tag der Weißen Rose wird seit dem Jahr 2000 begangen. Oberbürgermeister Michl bedankte sich am Sonntag bei der Vorsitzenden Ursula Mroßko für das "stete Engagement" des Vereins.

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