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Crailsheim
Crailsheim / Christine Hofmann  Uhr
Bei Unfällen mit Lastwagen rücken die Spezialisten von Roll Truck-Service aus, um das Fahrzeug von der Straße zu holen. Im März gibt es stets besonders viele Einsätze.

Der Anblick ist meist verheerend: mehrere Autos, die ineinander verkeilt sind, Ladung, die auf der Autobahn verteilt ist oder ein Lastwagen, der eine Böschung hinabgestürzt ist. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt Ronny Pflug, Geschäftsführer von Roll Truck-Service in Crailsheim. „Und es gibt kein Problem, das wir nicht lösen können.“ Seine Firma unterhält einen 24-Stunden-Lkw-Notdienst und wird immer dann gerufen, wenn bei einem Unfall ein „normaler“ Abschleppwagen keine Chance hat.

Der Ablauf ist bei jedem Unfall gleich: Erst kommt die Rettung – Polizei, Feuerwehr und Notarzt machen ihren Job – , dann folgt die Bergung. Letztere ist je nach Größe und Gewicht des verunglückten Fahrzeugs ein Fall für Spezialisten. Wenn Lastwagen von 3,5 Tonnen Gewicht und mehr abgeschleppt werden müssen, umgekippt oder von der Fahrbahn abgekommen sind, rückt das Roll-Truck-Service-Team an. „Wir decken einen großen Radius ab, denn solche Bergungen kann nicht jeder“, sagt Pflug.

Der Lkw-Notdienst ist rund um die Uhr in Bereitschaft, an 365 Tagen im Jahr, natürlich auch an Feiertagen und bei Wind und Wetter. Man könnte fast sagen: Je schlechter das Wetter ist, desto häufiger werden die Experten angefordert. Denn bei Schnee und Eisglätte häufen sich die Unfälle auf den Straßen und Autobahnen. „Nachts sind unsere Mitarbeiter oft noch vor dem Räumdienst unterwegs“, erzählt Pflug. „Einmal haben wir sogar schon den Streuwagen vom Winterdienst aus dem Graben gezogen.“

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Von Einsatz zu Einsatz

Der März ist in diesem Geschäft der „Horrormonat“. Pflug: „Da sind unsere vier Pannenfahrzeuge und die zwei Bergefahrzeuge fast pausenlos im Einsatz. Die Mechaniker hetzen von Einsatz zu Einsatz.“ Viele Verkehrsteilnehmer hätten Schwierigkeiten mit der Umstellung von einer Jahreszeit zur nächsten: So wie am Übergang vom Herbst zum Winter regelmäßig Fahrer von glatten Straßen überrascht würden, rechneten viele nicht damit, dass es auch am Frühlingsanfang noch winterliche Straßenverhältnisse geben kann.

Im Winter schützt warme Kleidung das Bergungsteam zumindest etwas vor der Kälte. „Problematisch sind immer die Finger“, verrät Fabian Pätzold, einer von 15 Bereitschaftsmonteuren von Roll Truck-Service. Denn viele Handgriffe ließen sich nicht mit dicken Handschuhen ausführen. Eine Woche am Stück haben die Monteure Rufbereitschaft.

Sie sind stets die Ersten, die ausrücken, wenn sie von der Polizei angefordert werden, um nach einem Unfall aufzuräumen. „Als Erstes checken wir ab, was benötigt wird“, sagt Pätzold. Ein umgestürzter Lkw beispielsweise kann im beladenen Zustand nicht aufgestellt werden. Er muss zunächst entladen werden. Das geschieht – je nach Ladung – in Handarbeit oder mit einem Stapler. Dann wird meist ein Autokran benötigt, der den verunglückten Koloss wieder auf die Reifen stellt. Die Monteure ordern vom Unfallort aus die Maschinen und Geräte an, die sie für die Bergung brauchen.

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Reparatur in der Werkstatt

„Unser Plus ist, dass wir alles dahaben: Ersatz-Lkw, Abschlepp-­Fahrzeuge, Maschinen und geschultes Personal. Wir sind auf alles vorbereitet“, sagt Geschäftsführer Pflug. Fabian Pätzold nickt: „Wir haben bisher alle geborgen.“ Die Unfall-Lkw werden zur Werkstatt nach Crailsheim gebracht, die von 6 bis 22 Uhr besetzt ist, und, wenn möglich, wieder fahrtüchtig gemacht.

Sicherheit hat bei Einsätzen höchste Priorität. „Ziel ist, die Straße so schnell wie möglich wieder freizuräumen, denn am Stauende kommt es oft zu Folgeunfällen“, so Pflug. Da seine Mitarbeiter an gefährlichen Orten arbeiten, tragen sie Sicherheitskleidung der höchsten Klasse. Technische Pannen beheben sie, wenn es geht, vor Ort. Doch dafür müssten sie erst einmal zum Unfallort gelangen, erinnert Pflug: „Es ist wichtig, dass die Autofahrer eine Rettungsgasse frei halten – und zwar nicht nur fürs Blaulicht, sondern auch für die Gelblicht-Fahrzeuge.“

Auch Lkw-Reifen wechseln die Monteure auf dem Standstreifen der Autobahn. „Allerdings nur auf der rechten Fahrzeugseite“, gibt Fabian Pätzold zu bedenken. „Auf der linken Seite wechseln wir Reifen nur dann, wenn ein Pfeilwagen den Verkehr abhält.“ Andernfalls kommt der Abschleppwagen zum Einsatz und zieht den Lkw auf das Betriebsgelände.

Am Schluss muss die Fahrbahn gründlich gereinigt werden. Und da kein Tröpfchen Öl auf der Straße bleiben darf, wird sie am Ende mit einer Ölspur-Maschine professionell gereinigt. Auch das ist ein Job, der spezieller Maschinen und Fachwissen bedarf. „Wir gehen erst, wenn kein Krümel mehr auf der Straße liegt. Sonst ist nämlich der nächste Unfall schon vorprogrammiert“, sagt Ronny Pflug. Und dann geht es meist auch gleich schon zum nächsten Einsatz weiter.

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Verkehrsunfälle in Deutschland

Allein im Oktober 2018 kamen 311 Menschen bei Verkehrsunfällen auf deutschen Straßen ums Leben. Nach Angaben des statistischen Bundesamts ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahresmonat damit um 11,9 Prozent gestiegen. Die Zahl der Verletzten verringerte sich um 0,3 Prozent auf 34 900.

Insgesamt nahm die Polizei 233 214 Unfälle im Straßenverkehr auf. Dies bedeutet einen Anstieg um 0,6 Prozent gegenüber Oktober 2017.