Der sensationelle Lauf der Hakro Merlins Crailsheim in der Basketball-Bundesliga geht weiter. Am Sonntgabend haben die Zauberer den amtierenden deutschen Pokalsieger Alba Berlin mit 91:82 geschlagen. Dabei ließen sie sich auch von einem Zehn-Punkte-Rückstand (54:64) drei Minuten vor Ende des dritten Viertels nicht entmutigen. „Wenn Alba mit zehn Punkten führt, dann spielen sie das normal auch nach Hause“, sagte Ingo Enskat, der sportliche Leiter der Merlins. Es war der fünfte Sieg der Zauberer in Folge. Die letzte Niederlage kassierten sie am 27. Januar – in Berlin (82:98). In der Tabelle zog Crailsheim auf Platz 3 und an den Albatrossen vorbei. Diese haben allerdings zwei BBL-Spiele weniger absolviert. Nach dem Sieg gegen Bamberg (73:69) feierten die Merlins in dieser Saison schon den zweiten Sieg gegen eines der drei großen B’s. Und am 15. April kommen die Bayern noch ins Tollhaus Arena Hohenlohe.

Die Albatrosse hatten einen sehr anstrengenden Trip hinter sich. Nachdem die Hauptstädter am Mittwoch zu Hause in der Europa-League gegen den FC Barcelona 80:84 verloren hatten, ging es am Donnerstag zum Auswärtsspiel zu Baskonia Vitoria in Spanien, das am Freitagabend auf dem Programm stand. Alba kassierte dort eine bitte 72:73-Niederlage, nachdem sie eine 17-Punkte-Führung verspielt hatten. Am Samstagnachmittag ging es per Charterflieger dann direkt nach Schwäbisch Hall. In Ilshofen spielten die Berliner am Sonntagabend in der Bundesliga gegen die Hakro Merlins Crailsheim. Nach der Partie flog der Alba-Tross per Privatflieger endlich wieder zurück nach Berlin.

Wie müde die Berliner waren, zeigte sich bei Trainer Alejandro Garcia Reneses auf der Pressekonferenz. „Glückwunsch an Crailsheim. Sie haben sehr gut gespielt. Wir haben zu oft Fehler gemacht und ohne Intensität gespielt.“ Mehr hatte der erfahrene Coach (unter anderem Silbermedaillengewinner mit Spanien bei den Olympischen Spielen in Peking 2008) nicht mitzuteilen.

Alba Berlin hat in Ilshofen einen schweren Stand

Sein Gegenüber Tuomas Iisalo erklärte, dass es für Alba eine schwierige Situation gewesen sei. „Ich habe sehr großen Respekt vor Alba und Coach Aito. Wir hatten sieben Tage, um uns vorzubereiten, und sie drei Spiele in diesem Zeitraum.“ Gleichzeitig betonte er aber auch, dass seine Mannschaft in dieser Woche gut gearbeitet habe und sagte: „Wenn du diese Chance bekommst, dann musst du sie nutzen. Das haben wir heute gemacht, durch unsere Verteidigung. Das zweite Viertel war das einzige schlechte von uns. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft. Die tolle Stimmung in der Halle bringt uns Energie.“

Dabei musste Iisalo erneut auf Jan Span verzichten, bei dem sich nach dem Spiel in Hamburg wieder der Rücken gemeldet hatte. Der langzeitverletzte Topscorer Javontae Hawkins (Schulter) fehlte auch noch. Dafür war Jeremy Morgans Knöchelverletzung aus dem Hamburg-Spiel doch nicht so schlimm, er stand in der Startformation und sorgte gerade in der Phase, in der Berlin auf zehn Punkte davongezogen war, für die nötige Energie, und war ein entscheidender Faktor für die Wende. Er ackerte um jeden Ball, sei es bei Blocks, Steals oder Rebounds, traf dazu entscheidende Würfe. Am Ende kam er wie seine Kollegen Sebastian Herrera und Quincy Ford auf 15 Punkte.

Übertroffen wurden sie nur von DeWayne Russell, der 22 Punkte und zwölf Assists für sich notieren konnte und am Ende des Spiels erneut mit MVP-Sprechchören gefeiert wurde. Dazu kam als fünfter Merlin, der zweistellig punktete, Aaron Jones. Der Center mit dem Wuschelkopf verbuchte zudem neun Rebounds und sagenhafte fünf Steals. Alleine in der zweiten Halbzeit klauten die Merlins den Gegnern neunmal den Ball. Die Defensive war der Schlüssel zum Erfolg.

Zauberer verteidigen clever und stark

Die Merlins agierten vor allem im dritten und vierten Viertel in der Verteidigung richtig clever. Obwohl Russell, Morgan, Herrera, Stuckey und Ford mit vier Fouls belastet waren, durften sie das Spiel zu Ende bringen. Und: Trafen die Berliner vor der Pause 14 von 14 Freiwürfen, durften sie in den zweiten 20 Minuten nur noch sechsmal an die Linie.

„Es ist ein ausgeglichenes Spiel bislang, ein Duell auf Augenhöhe, wie man so schön sagt. Ich glaube, dass wir auch in der zweiten Halbzeit ein abwechslungsreiches Spiel sehen werden“, erklärte Ingo Ensakt in der Pause. Doch das Spiel drohte im dritten Viertel auf die Seite von Berlin zu kippen. Alba führte dort bei noch drei Minuten auf der Uhr plötzlich mit zehn Punkten (54:64). In der Arena begann es zu brodeln, auch weil die Schiedsrichter aus Sicht vieler Merlins-Fans etliche zweifelhafte Entscheidungen trafen. Das schien die Zauberer auf dem Feld aber nur zu beflügeln. Sie kämpften sich nach einem Dreier von Quincy Ford auf 65:66 heran. „Defense, Defense“, schallte es von den Rängen. Mit 65:67 ging es ins letzte Viertel.

Merlins schlagen den Favoriten

Sebastian Herrera traf einen Dreier, Jeremy Morgan durfte nach einem unsportlichen Foul von Martin Hermannsson an die Freiwurflinie, und dazu gab es noch Ballbesitz für Crailsheim beim Stand von 69:67. Quincy Ford erhöhte mit Freiwürfen auf 71:67, Jones machte das 73:67. Die Arena tobte! Berlins Trainer Alejandro Garcia Reneses nahm die Auszeit bei noch sieben Minuten auf der Uhr. „Go, fight, win“, riefen die Merlins-Supporters. Erst nach mehr als vier Minuten im Schlussviertel punkteten die Berliner wieder (73:69). Jeremy Morgan antwortete aber mit einem Dreier (76:69). Russell erhöhte auf 78:69 und per Dreier sogar auf 81:69. Beim Stand von 81:71 und noch 3:40 Minuten auf der Uhr nahm Berlin die nächste Auszeit.

Mit 85:76 ging es in die letzten zwei Minuten, mit 87:78 in die letzten 60 Sekunden. Genüsslich versenkte Aaron Jones den krachenden Dunk zum 89:80. Keinen hielt es jetzt mehr auf den Sitzen. Quincy Ford machte mit zwei Freiwürfen den Deckel drauf (91:80), Alba Topscorer Martin Hermannsson (22 Punkte) blieb es vorbehalten, das Spiel mit zwei Freiwürfen zu beenden. Mit 91:82 schlugen die Hakro Merlins Crailsheim den großen Favoriten aus Berlin.

So spielten sie


Crailsheim – Berlin

91:82

Crailsheim: Russell (22 Punkte, 12 Assists), Morgan (15, 3 von 9 Dreier, 3 Assists, 2 Steals, 1 Block), Ford (15, 3 Assists, 3 Rebounds, 3 Steals), Herrera (15, 4 Rebounds), Jones (13, 9 Rebounds, 5 Steals, 2 Blocks), Bleck (6), Stuckey (3), Kovacevic (2)

Berlin: Hermannsson (22 Punkte, 2 von 4 Dreier, 9 Assists), Giffey (14), Eriksson (9, 5 Assists), Nnoko (9), Cavanaugh (8), Sikma (6, 8 Rebounds, 5 Assists), Thiemann (6), Mattisseck (3), Siva (3), Ogbe (2), Delow

Viertel:22:21, 21:26, 22:20, 26:15
Rebounds: 32:30
Assists: 25:23
Turnover: 11:15
Dreier: 9/26 : 7/22
Freiwürfe: 22/23 : 19/20