Lehrerin wollte die 29-jährige Neu-Crailsheimerin Katharina Färber bereits als Grundschülerin werden. Vor allem ihre kleine Schwester litt darunter. Denn sie musste den „Unterricht“ über sich ergehen lassen. Gefestigt wurde dieser Berufswunsch durch eine Musiklehrerin in der dritten Klasse. „Sie hat mich sehr geprägt und beeindruckt. Zu ihr habe ich aufgesehen, und ich wollte werden wie sie. Einen Plan B hatte ich nie“, sagt Katharina Färber, die aus Wemding stammt.

Diese Lehrerin war es auch, die das musikalische Talent förderte, ihr Hauptrollen in Musicalprojekten gab, sie zum Geigenunterricht animierte und ihr das Klavierspielen beibrachte. Im Leistungskurs Musik am Gymnasium musste sie sich schließlich für ein Instrument entscheiden. Besagte Lehrerin riet ihr: „Mach das mit Gesang.“ Der darauf folgende Gesangsunterricht war für die Hobbysängerin ein seltsamer Gedanke, war Singen für sie doch das normalste der Welt in allen Lebenslagen. Doch die Erleuchtung kam in der ersten Unterrichtsstunde. „Es war eine Offenbarung, was man mit der Stimme alles machen kann, dass man sie durch Technik kontrollieren und lenken kann“, erinnert sie sich an den Entschluss, ihren Fokus fortan auf den Gesang zu setzen.

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Tel Aviv

Sie kam durch Zufall auf die Bühne

Studiert hat sie schließlich klassischen Gesang an der Musikhochschule in Karlsruhe. Ihren alten Traum ließ sie derweil jedoch nicht los, weshalb sie Deutsch als zweites Fach dazu wählte, um nach dem Studium tatsächlich unterrichten zu können. Auf die Bühne kam sie aber eher durch einen Zufall. Ein Pianist aus ihrem Semester suchte eine Sängerin für einen Auftritt und sprach die Studentin an.

„Bis dahin hatte ich Pop und Rock nur unter der Dusche gesungen“, sagt sie lachend. Dennoch gab sie nach und absolvierte den Auftritt, und das Duo wurde just am gleichen Tag für eine Hochzeit gebucht. Von da an war die Nebenkarriere als Pop-Sängerin ein Selbstläufer, und es folgten nicht nur viele weitere Auftritte, sondern auch das Bewusstsein, dass ihre Stimme in diesem Genre noch Schulung benötigt. Sie absolvierte zusätzlichen Gesangsunterricht, von dem sie heute sagt: „Das hatte auch Effekte auf meinen klassischen Gesang. Mein ,Range’ hat sich dadurch erweitert.“

Berlin/Stuttgart

Musikkarriere kam nie in Frage

Doch eine Herausforderung war nicht nur der Gesang an sich, sondern auch das Anpassen der Lieder an ein Duo – bestehend aus einer Sängerin und einem Klavierspieler. Entstanden sind so zahlreiche Balladen- oder Jazzversionen bekannter Songs. „The Story“ von Brandy Carlisle ist der Song, den Katharina Färber nennt, wenn sie nach ihrem liebsten Arrangement gefragt wird.

„Das Lied hat eine Wahnsinns ,Range’, es ist sehr schwer. Wir haben schwer und viel damit gearbeitet“, erklärt sie. Sich nach diesen erfolgreichen Erfahrungen auf der Bühne ganz der Musik zu widmen und ihren Lebensunterhalt durch Singen zu verdienen, kam für die Lehrerin aber nie in Frage. „Dazu bin ich zu bodenständig. Ich brauche einen geregelten Weg“, sagt sie.

Dazu kommt, dass sie es genießt, Kindern und Jugendlichen etwas beizubringen und sich mit ihnen an Fortschritten und Erfolgen zu freuen. „So stolz wie ich auf die Erfolge meiner Schüler bin, könnte ich auf meine eigenen nie sein. Da bin ich eine echte Ballett-Mutti“, scherzt Katharina Färber.

Seit dem Beginn des Schuljahres hat sie einen vollen Lehrauftrag am Lise-Meitner-Gymnasium und ist deshalb vor sieben Monaten in die Horaffenstadt gezogen. Durch die Umstellung und die neue berufliche Herausforderung steht die Musik in der Freizeit gerade auf Pause, doch Katharina Färber wünscht sich auch hier Gelegenheiten, wieder auf die Bühne zu gehen und zu singen.

„Ich bin nicht abgeneigt etwas zu machen, wollte aber erst einmal hier ankommen“, sagt sie. Heimisch fühlt sie sich bereits, auch weil sie viele junge Kollegen hat, die das Schicksal, neu in der Stadt zu sein, teilen. Am Ende sagt Färber: „Ich kann mir Crailsheim wirklich langfristig vorstellen.“

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