Existenz Bäckereien ziehen Preiserhöhungen in Betracht und fürchten um Existenz

Steigende Rohstoffpreise gehen auch an der Region nicht spurlos vorbei - schon bald könnte der Gang zum Bäcker kostspieliger werden.
Steigende Rohstoffpreise gehen auch an der Region nicht spurlos vorbei - schon bald könnte der Gang zum Bäcker kostspieliger werden. © Foto: Archiv
Region / MAXIMILIAN HAAG 18.09.2012
Die Diskussion um die Verwendung von Ackerflächen für Getreide, das später in Biogasanlagen statt "auf dem Teller" landet, erregt die Gemüter seit einigen Wochen - zudem steigen die Mehlpreise stetig an.

Auch die heimischen Bäcker bekommen den Druck zu spüren. Die Dürre in den USA, gestiegene Energiekosten und der steigende Getreidepreis wirken sich auf den Mehlpreis aus und könnten so auch die Brötchen in der Region teurer machen. Anders als Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, die unlängst verkündete, für eine deutliche Anhebung der Brotpreise gebe es bislang "keine wirkliche Rechtfertigung", sehen die Bäckermeister in der Region in den weiter steigenden Getreidepreisen durchaus eine Gefahr.

Der Preis für eine Tonne Brotweizen kletterte nach Angaben des Verbandes Deutscher Mühlen seit Dezember von rund 200 auf 270 Euro. Ein beliebter Mehllieferant der Bäckereien im Kreis, die Heimatsmühle, wirbt damit, dass sie seit mehr als 200 Jahren in Familienbesitz ist. "Wir vermahlen für unsere Markenmehle ausschließlich wertvolles und gesundes Qualitätsgetreide aus heimischen Anbau", so das Unternehmen von Franz Xaver Ladenburger, dem geschäftsführenden Gesellschafter. Zwar beziehen deutsche Mühlen etwa 95 Prozent des Brotgetreides aus Deutschland. Doch weil die internationalen Getreidemärkte maßgeblich den Preis für Weizen und Roggen bestimmten, schlägt sich die Verteuerung auch hierzulande nieder.

Die Heimatsmühle in Aalen vermahlt jährlich Getreide zu rund 40.000 Tonnen Mehl, Schrot und Kleie. Der Raum Hall und Crailsheim ist für das Unternehmen aus dem Aalener Norden ein wichtiger Markt. Franz Xaver Ladenburger, Jurist von Beruf, geht davon aus, dass der Mehlpreis noch nicht seinen höchsten Stand erreicht hat. Er betont, dass den Bäckern gar nichts anderes übrig bleibt, als die höheren Rohstoffpreise an die Kunden weiterzugeben. Nicht ausschließen kann diese Erhöhung auch Thomas Kronika, Inhaber der Bäckerei Eggenroter aus Ellwangen, der unter anderem eine Filiale in Crailsheim betreibt. Preissteigerungen von über 16 Prozent beim Einkauf von Mehl zwängen die Bäckerei zu Sortimentsstraffungen und bei anhaltender Preislage zu Preiserhöhungen. Ursachen für den steigenden Getreidepreis sieht der Bäcker, neben der anhaltenden Dürre in den USA, vor allem in der "politischen Weichenstellung".

Ähnliche Sorgen hat Branchenkollege Hans-Günther Mack, geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Handwerksbäckerei. Er beklagt die Nutzung von Ackerflächen für den Anbau von Energiepflanzen anstelle essbarer Getreidepflanzen. Besonders die Verwendung von Getreide für Biogasanlagen und zur Herstellung von Biokraftstoffen sieht er kritisch. "Steigende Getreidekosten lassen sich praktisch an der Tankstelle ablesen." Subventionen schafften hier eine Marktverschiebung, die in den kommenden Wochen und Monaten - zusammen mit den steigenden Mehl- und Getreidepreisen - Preissteigerungen von zwei bis vier Prozent für den Endkunden in der Bäckerei unumgänglich mache. Der Trend zu erneuerbaren Energien macht ihm Sorgen, vor allem im Zusammenhang mit den steigenden Stromkosten, angesichts des hohen Stromverbrauchs einer Bäckerei.

Sollte Marcus Ehrmann, Geschäftsführer der Helmut Ehrmann GmbH mit Filialen unter anderem in Bad Mergentheim, seine Preise im Frühjahr erhöhen müssen, sieht er noch ein weiteres Problem: "Viele Kunden kaufen ihr Brot und ihre Brötchen jetzt schon zu niedrigeren Preisen bei Discountern wie Aldi oder Lidl." Auch dadurch sieht er seine und die Existenz seiner sechs Filialen gefährdet: "Ich befürchte, dass in den nächsten zehn Jahren die ,kleineren Bäckereien leider aussterben werden."

Doch nicht nur im Backgewerbe ist mit Verteuerungen zu rechnen, auch Fleischveredelungsbetriebe werden die höheren Aufwendungen für Futtermittel nicht wegdrücken können, weiß Wolfgang Thierauch, Geschäftsführer der LBV Schrozberg, die neben 15 Bäckereien auch den Verkauf von Tierfuttermitteln unterhält. "Auch hier werden die gestiegenen Kosten weitergegeben werden müssen." Trotzdem betont er, dass erhöhte Getreidepreise nicht allein ausschlaggebend für den erwarteten Preisanstieg beim Endkunden seien, "auch gestiegene Personal- und Nebenkosten sind ein Faktor, den man bei der Bewertung mit einbeziehen muss."