Schnell noch die Frequenz im Autoradio eingestellt, dann kann’s losgehen. Doch technisch ist das für manche gar nicht so einfach. Vor allem nicht, wenn sie sonst kein Radio im Auto hören. Doch Hilfe ist zur Stelle, es gibt ja die freundlichen Platzanweiser – wie im Kino.

Und tatsächlich ist das Bild nicht weit hergeholt: Wir befinden uns auf dem Volksfestplatz, auf dem hinteren Teil, wo derzeit ein Autokino aufgebaut ist. Hier wird ein „Drive-in“-Gottesdienst gefeiert, mit Mindestabstand und garantiert ohne Tröpfcheninfektion.

60 Autos oder mehr

Bestimmt 60 Autos oder mehr sind gekommen. Sie parken im Bogen um die Leinwand und um Dekanin Friederike Wagner (evangelische Landeskirche), Pfarrer Franz-Josef Konarkowski (katholische Kirche) und um Pastor Holger Meyer (evangelisch-methodistische Kirche). Für die Musik zuständig sind die katholische Kirchenmusikerin Jacinta Pereira, die auch die Vorsängerin gibt, begleitet von Pfarrer Dominik Gablowski, Ellrichshausen.

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Kreis Hall

Denn das ist die eine Besonderheit des Gottesdienstes: Es darf gesungen werden, wenn auch im Auto und bei geschlossenen Fenstern. Doch die meisten Gottesdienstbesucher lassen die Fenster ein Stück weit offen und so weht über den weiten Volksfestplatz schon beim ersten Lied fast so etwas wie ein Gottesdienstgefühl – „Danke, für diesen guten Morgen!“ klingt Jacinta Pereiras Stimme aus dem Autoradio und viele singen mit.

Kreativ in der Corona-Krise

Ein Gottesdienst in den eigenen vier Auto-Wänden und doch gemeinsam vereint: Dies ist die zweite Besonderheit der Veranstaltung, die zeigt, dass die Corona-Krise viel Kreativität weckt und Möglichkeiten öffnet, die man sich zuvor nicht hat vorstellen können. Doch man mag es kaum glauben, aber ein Gottesdienst in den eigenen vier Auto-Wänden hat etwas.

Pfarrer Konarkowski spricht es in der Predigt an. Einer seiner geistlichen Lehrer habe ihm einmal diesen Rat gegeben: „Wenn du ein schwieriges Gespräch führen musst, lade den Gesprächspartner auf eine Autofahrt ein.“ Denn im Auto, erklärte er, könne man sich nicht ausweichen. Man könne aber doch den Blickkontakt meiden und auf die Straße sehen, wenn es um schwierige Fragen und schwierige Antworten geht.
Und eine schwierige Frage sei: „Betest Du noch?“ Das Gebet sei eines der intimsten, privatesten Dinge, die man in der Kirche und auch sonst tun könne. Und im Auto auf dem Volksfestplatz hat nun jeder die Gelegenheit, diese Frage zu beantworten – für sich und doch in Gemeinschaft. „Amen“, sagen die drei Pfarrer.
Und „Amen“ hupen die Gottesdienstbesucher, wie sie es schon in der Antwort des Begrüßungsvotums geübt haben – huphup! „Großartig“, sagt Konarkowski, und dann stellen sich die drei Pfarrer an die Ausfahrt des Platzes, so wie sie zu Beginn an der Einfahrt gestanden haben. Sie wünschen den Gottesdienstbesuchern einen schönen Sonntag und winken den Autos zum Abschied nach.