Freundeskreis Ausstieg aus der Sucht

pm 02.01.2018
An wen wenden sich alkoholkranke Menschen, die in der sensiblen Zeit nach den Feiertagen Hilfe suchen?

Als Stephanie Both in einer Silvesternacht die Treppe hinunterstürzte, war sie total betrunken. In der Klinik überreichte ihr die Ärztin einen Brief für den Hausarzt mit den Worten: „Das nächste Mal ein Glas weniger.“ Sie nutzte die Scham als zündenden Moment und suchte Hilfe bei den Freundeskreisen für Suchtkrankenhilfe. Für Jürgen Koch war die Frage seiner sechsjährigen Enkeltochter, warum er immer nach Bier rieche, eine Ohrfeige. Noch am selben Tag rief er bei der Suchtberatung an und begann 14 Tage später mit einer Therapie. Conny Maier halfen die Ratschläge von Freundinnen zum Alkoholkonsum ihres damaligen Mannes nicht weiter. Ein Hinweis aus der Nachbarschaft brachte sie zu den Freundeskreisen und Menschen, die wussten, von was sie sprach. Sie beschloss, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und hörte auf, ihren Mann zu decken oder zu entschuldigen. Ein paar Wochen später war er bei der Entgiftung und dann in Langzeittherapie.

Schlüsselmomente

„Es gibt unzählige Gründe, weswegen Menschen aus allen Berufsgruppen und sozialen Schichten in eine Alkoholabhängigkeit rutschen“, sagt Rainer Breuninger, Geschäftsführer der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe, Landesverband Württemberg. „Und es braucht Erlebnisse, die den Betroffenen durch Mark und Bein gehen, um endlich vor der Macht des Alkohols zu kapitulieren und Hilfe zu suchen. Sogenannte Schlüsselerlebnisse eben.“ Besonders in den dunklen Wintertagen um Weihnachten und Neujahr besteht die Gefahr eines höheren Alkoholkonsums. Doch wer genug hat von seinem bisherigen Weg, für den gibt es die Chance zum Ausstieg.

Andy Beyer leitet den Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe in Crailsheim und weiß: „Wir alle haben solch ein Schlüsselerlebnis gebraucht, um zur Umkehr fähig zu werden – ob selbst suchtkrank oder Angehörige eines Suchtkranken.“

Info Hilfe bieten die Mitglieder des Freundeskreises Crailsheim unter Telefon 01 57 / 50 34 72 55 sowie an den Gruppenabenden ab 11. Januar jeden Donnerstag von 20 bis 21.30 im Gemeindehaus der Johanneskirche.