Crailsheim Ausstellung: An der Front ein Pazifist geworden

Crailsheim / RALF SNURAWA 04.10.2016
Nicht nur Bilder von Otto Albrecht und seiner Tochter Gisela Hennig-Albrecht sind in Crailsheim zu sehen.

Bei der Eröffnung am Freitag wies Museumsleiterin Friederike Lindner darauf hin, dass „archivalische Splitter“ die Bilder von Albrecht und seiner Tochter ergänzen würden. Die Bilder selbst umfassen die eigene Familie, natürlich Landschaften und Dörfer in Hohenlohe und zumeist Auftragsporträts wie für den Zahnarzt Zolk.

Daneben sind zahlreiche Dokumente zu sehen: meist Briefe von und an Würdenträger, Schulzeugnisse der Kinder Albrechts oder amtliche Dokumente – Ergebnis der Recherchearbeit von Hans-Ulrich Sanke aus Gerabronn. Die Vorsitzende des Arbeitskreises „Weiße Rose“, Ursula Mroßko, wies darauf hin, dass man neben Biografischem zu Otto Albrecht auch eine zeitgeschichtliche Einordnung vorgenommen habe: zum Oberamt Gerabronn, zu dem Albrechts Wohnort Amlishagen gehörte, zur politischen Entwicklung im Spiegel der Reichstagswahlen oder und zum Netzwerk der Gestapo.

Nach der Denunzierung durch einen Hitlerjungen und nach der Verhaftung durch die Gestapo wurde Otto Albrecht ins KZ Dachau, dann ins KZ Sachsenhausen gebracht, wo er im Februar 1943 starb. Seine ins Frauen-KZ Ravensbrück gebrachte Frau Emma wurde im November 1943 wieder entlassen. Tochter Gisela wurde von der Gestapo überwacht.

HT-Redakteur Harald Zigan beleuchtete in einem kurzen Vortrag Albrechts Leben, vor allem, wie ihn der Erste Weltkrieg an der Front in Russland geprägt hatte. Zum Pazifisten geworden, machte er aus seiner Abneigung gegen den Krieg nie einen Hehl. Er sei, obwohl lange Zeit kolportiert, nie ein Kommunist gewesen, unterstrich Zigan, sondern eben einer, der „in unmenschlicher Zeit Menschlichkeit gezeigt“ hätte. Das sei ihm zum Verhängnis geworden. Es sei deshalb wichtig, dem Menschen Otto Albrecht mit einer Ausstellung wie dieser ein Denkmal zu setzen. Ursula Mroßko merkte an, dass das Schicksal der Familie Albrecht Ansporn sei, sich für Demokratie einzusetzen, besonders in Zeiten, in denen es Menschen wagen, ein Unwort wie „Umvolkung“ wieder auszusprechen.