Crailsheim / Christine Hofmann Nach Ansicht eines Bonner Experten unterhält die Stadt Crailsheim zu viele Schulstandorte. Er setzt auf Zusammenlegung.

So still wie am Freitagnachmittag war es selten im Ratssaal des Crailsheimer Rathauses. Stadträte sowie Schulleiter, Stellvertreter und zahlreiche Lehrer der Crailsheimer Schulen lauschten in der Klausursitzung des Gemeinderats gebannt, was Wolf Krämer-Mandeau, Leiter der Projektgruppe Bildung und Region „Biregio“ aus Bonn zu sagen hatte.

Denn obwohl mit ruhiger Stimme vorgetragen, war es eine Nachricht mit Zündstoff, die der Experte nach genauer Analyse der bestehenden Schullandschaft mitzuteilen hatte: „Sie haben im Westen der Stadt eine große Gemeinschaftsschule, eine kleine Realschule und ein kleines Gymnasium. Im Osten der Stadt gibt es eine kleine Gemeinschaftsschule, eine große Realschule und ein großes Gymnasium. Meine Einschätzung: Sie leben etwas über Ihre Verhältnisse.“

Damit war die Richtung vorgegeben. Krämer-Mandeaus Vorschlag: Die beiden Gemeinschaftsschulen am Standort der Eichendorffschule zusammenfassen und ebenso die beiden Realschulen an einem Campus zusammenbringen. Auch die beiden Gymnasien sollten nicht in einem Wettbewerb stehen, sondern näher zusammenrücken: „Wenn sich beide Gymnasien so verhielten, als wären sie eines, hätten sie kein Raumproblem.“

Der Schrozberger Gemeinderat lehnt eine Abschaffung der Gebühren für das letzte Kindergartenjahr ab.

Den Anlass für die umfassende schulorganisatorische Untersuchung für alle Crailsheimer Schulen gab, wenn auch nicht beabsichtigt, die Leonhard-Sachs-­Schule (LSS). Der Gemeinderat hatte im Oktober 2017 die Generalsanierung und Erweiterung der Schule beschlossen – für insgesamt 25 Millionen Euro. Dieser Beschluss wurde ein knappes Jahr später ausgesetzt, da das Regierungspräsidium ebendiese schulorganisatorische Untersuchung forderte, bevor es Fördergelder in Aussicht stellen wollte.

Eichendorffschule wächst

Nun liegt also das Gutachten vor. Im Fall der Gemeinschaftsschule LSS kommt es zu dem Ergebnis, dass diese wegen sinkender Schülerzahlen zwar saniert, aber nicht erweitert werden müsse. Dagegen wachse die Gemeinschaftsschule Eichendorffschule in Richtung einer vollen Dreizügigkeit. Schon jetzt muss sie Räume in der benachbarten Käthe-Kollwitz-Schule mitnutzen.

Krämer-Mandeau: „Das erste Bauprojekt muss die Erweiterung der Eichendorffschule sein. Die Leonhard-Sachs-Schule generiert Räume durch Schrumpfen.“ Noch besser sei es, nur eine große Gemeinschaftsschule in der Stadt zu haben. Würde man beide Schulen im Sauerbrunnen zusammenführen, könnte das Gebäude der Käthe-Kollwitz-Schule mitgenutzt werden. Die Förderschule könnte dann, nach einer Übergangszeit in Containerklassen, in die sanierten Räume der Leonhard-­Sachs-Schule einziehen.

Das Bürgerbegehren für den Neubau eines Bads in der Kernstadt ist zulässig. Der Bürgerentscheid ist am 14. Juli.

Beide Realschulen sind nach Ansicht des Experten nicht für die Zukunft gewappnet: Die Realschule zur Flügelau (RZF) kommt baulich in die Jahre – es regnet bereits hinein – und die Realschule am Karlsberg (RAk) platzt aus allen Nähten. Die Stadt wird über kurz oder lang also in beide Schulen investieren müssen. Oder sie folgt Krämer-Mandeaus Vorschlag, der auch hier aus Kostengründen die Campus-­Lösung favorisiert: „Sanierung der RZF und Ausbau der RAK ist genauso teuer wie ein Neubau beider Schulen an einem Standort.“

Durch die Generalsanierung des Albert-Schweitzer-Gymnasiums werden inzwischen vermehrt Kinder am Lise-Meitner-Gymnasium angemeldet. „Die Schulen nähern sich mit ihren Schülerzahlen an“, stellt der Gutachter fest. Diesen Effekt kenne er aus anderen Städten, er reguliere sich von selbst, wenn der Umbau abgeschlossen sei. „Das LMG ist nicht für eine Dreizügigkeit ausgelegt und das ASG sollte vierzügig bleiben, sonst wird gerade eine Nummer zu groß saniert.“ Sollte die Regulierung nicht von allein gelingen, müssten Schulverwaltung oder Schulträger eingreifen.

Schätzungsweise 50 Millionen Euro muss die Stadt investieren, um all ihre Schulen ganztagsfähig und entsprechend der steigenden Schülerzahlen auszubauen. Denn es wird mehr Kinder geben, dafür sorgen die Baby-Boomer-Jahrgänge, die jetzt Eltern werden, und die zahlreichen Baugebiete.

Das Thema Schulentwicklung wird nach den Kommunalwahlen mit dem neuen Gemeinderat erneut diskutiert. Zuvor sollen die Schulen und das Schulamt angehört werden. Das Regierungspräsidium will den Prozess begleiten.

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50

Millionen Euro müsste die Stadt Crailsheim investieren, wenn sie sämtliche Schulen ganztagsfähig und den zu erwartenden Schülerzahlen entsprechend ausbauen würde.