Aus der Tiefe der Handtasche

"Eure Mütter" halten zusammen. Die Instrumente - zwei E-Gitarren und ein Bass - auch.
"Eure Mütter" halten zusammen. Die Instrumente - zwei E-Gitarren und ein Bass - auch.
JOCHEN HÖNESS 11.09.2012

Macht er das gerade wirklich? Thomas Martins nimmt die weiße Handtasche der jungen Frau aus Reihe eins, studiert genüsslich deren Inhalt, greift das Handy heraus und lässt es in seinem Schritt verschwinden, findet dann einen Lippenstift, dreht ihn auf, beißt ab und rammt das Stück schließlich in einen Holzpfosten des Globe Theaters. Ungläubiges Staunen bei den einen, schallendes Gelächter bei den anderen.

Thomas Martins und sein Bruder Volker bilden das Chaos-Theater Oropax aus Freiburg. Sie sind Teil der dritten "Mütternacht SpezHall" im Globe Theater, ein Erfolgs-Comedyformat des Komiker-Trios Eure Mütter alias Andreas Kraus, Matthias Weinmann und Donato Svezia. Die drei Stuttgarter laden auf ihrer Mütternacht-Tour mehr oder weniger bekannte Spaßmacher ein und teilen mit diesen die Bühne.

Das Prinzip ist denkbar einfach - und erfolgreich. Das Haller Theater ist am Freitagabend ausverkauft, die Zuschauer sind begeistert ob der anarchischen Vorstellung des Freiburger Duos, an deren Ende Thomas Martins eine Flasche Wein mit einer Bohrmaschine entkorkt und binnen Sekunden in einem Zug leert. War das wirklich echter Wein? Man ist geneigt, es anzunehmen.

Zuvor erklärt der Berliner Stand-up-Comedian Nils Heinrich, dass den neuen Flughafen seiner Heimatstadt mal besser Walter Ulbricht geplant hätte. "Der wäre über Nacht hochgezogen worden, mit der Ansage: ,Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu errichten!"

Danach sind die "Mighty Mates" dran: vier Jungs, die eine kurzweilige Percussion-Einlage bieten. Sie sind "Muttis Liebling", bekommen bei der "Mütternacht" also den Slot für aufstrebende Talente.

Über dieses Stadium ist Christoph Sieber längst hinaus. Der schwäbische Kabarettist mit eigener Show im SWR-Fernsehen setzt einen fulminanten Schlussakkord, indem er wie sein Gesinnungsgenosse Christoph Sonntag früher (da war alles besser) mit heute (da ist alles kompliziert) vergleicht: Heute singt Xavier Naidoo, "der Stimmbruch Gottes", sein Lied "Dieser Weg wird kein leichter sein". Früher hieß das: "Das Wandern ist des Müllers Lust".

Zwischen all dem treten Eure Mütter als spaßige Moderatoren auf, singen über "Billige Reize" und den "Typ, der bei der Gema die Titel eintippt". Der ist übrigens "ein ganz blöder Penner". Und damit es den Zuschauern auch in der Pause nicht langweilig wird, bekommen sie Zettel und Stift in die Hand gedrückt, verbunden mit der Bitte, ihren Wunschkandidaten für das Amt des US-Präsidenten zu notieren. Am meisten Zustimmung findet nach der Pause der Vorschlag einer Erzieherin: MacGyver. Aber nur ganz knapp vor Hermann-Josef Pelgrim.

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