Crailsheim Auf neuer Fahrbahn so schnell wie nie

Crailsheim / Julia Vogelmann 17.09.2018
Beim 46. Draislaufrad-Rennen traten in diesem Jahr rund 70 Fahrer gegeneinander an. Die Sieger vom letzten Jahr konnten ihren Titel verteidigen.

Es ist ein Bild, das man nicht alle Tage sieht, wenn die Drais-Laufradfahrer vom Rathaus aus sich gemeinsam aufmachen zur Startlinie in der Bahnhofsstraße. Gemütlich gondeln die Fahrer nebeneinander her, halten ein Schwätzchen, wünschen sich einen Platz ganz vorne. Nur Minuten später aber treten sie in harte Konkurrenz zueinander, verausgaben sich völlig, um den Sieg davonzutragen, oder zumindest einen Platz unter den Besten zu erreichen. So war es auch in diesem Jahr: die Stimmung war erneut bestens, als sich viele Fahrer und einige Fahrerinnen an der Startlinie einfanden.

Aus dem Zug aufs Rad

Der erste war Torben Schäfer. Ganz allein rollte er an und zwar nicht aus der Innenstadt, sondern vom ZOB. Dort hatte sich der junge Mann vorher mit seinen Eltern getroffen, die ihm Laufrad und Startnummer brachten und ihm sein Gepäck abnahmen. Schäfer kam nämlich direkt vom Zug aus Frankfurt. Die Bahn hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht und das Vorhaben, bereits gestern in Crailsheim einzutreffen, vereitelt. Deshalb blieb ihm nichts anderes übrig, als sich während der Bahnfahrt in weißes Hemd und schwarze Hose zu werfen und vor dem Aussteigen schnell noch die Turnschuhe zu schnüren. „Im Sommer war ich kurz zu Besuch, um eine Proberunde zu drehen und den Sattel zu richten“, erzählt er von seiner kurzen Vorbereitung auf das Rennen. Zum zweiten Mal nahm er am Sonntag teil, auf einem Laufrad, das sein Kumpel Lars Wenzelburger bei sich in der Garage gefunden hat. „Ich war leider nur Drittletzter im vergangenen Jahr. Lars muss mir noch ein paar Tricks zeigen“, berichtete Schäfer schmunzelnd und mit Blick auf den erfolgreicheren Freund.

Schäfer war also nicht unter den zehn, die aus der ersten Reihe starten durften. Als der Countdown heruntergezählt war und der Startpfiff ertönte, war es diese Gruppe, die von Anfang an das Tempo vorgab und unter den Anfeuerungsrufen der Zuschauer am Straßenrand die Wilhelmstraße förmlich hinaufflog. Das Rennen war in diesem Jahr noch schneller als in den vergangenen Jahren, weil die Gartenstraße einen neuen Fahrbahnbelag hat. „In dieser Straße gab’s bislang Stellen, wo man vorsichtiger fahren musste. Jetzt kann man es dort einfach rollen lassen“, freute sich die Frauen-Drittplatzierte Sandra Rollbühler. Wie bei vielen ihrer Mitstreiter auf den vorderen Plätzen war auf ihrer Stirn kaum ein Schweißtropfen zu sehen, woran leicht zu erkennen war, wer übers Jahr regelmäßig trainiert hat.

Eine dieser Trainingsgruppen wurde von Moderator Arno Ferchow Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer empfohlen. Der erzählte bei der Siegerehrung, dass die Terminfülle über die Volksfesttage ihn von einer Teilnahme in diesem Jahr abgehalten hat. Zwar konnte er sich zu keiner Zusage für das Rennen 2019 durchringen, doch absagen wollte er auch nicht. Er ist wohl doch zu sehr Sportler, um diese Herausforderung ignorieren zu können. Die Crailsheimer dürfen also gespannt sein, ob aus dem bekennenden Läufer irgendwann einmal ein Laufradler wird. Wenn ja, kommt’s zum Duell mit Ex-Bürgermeister Herbert Holl, der ein begeisterter Radler ist, und auch gestern wieder dabei war. Übrigens bestens trainiert: Er ist im Sommer mehr als sechs Wochen lang durch Frankreich geradelt.

Einzigartiges Rennen

Für die Teilnehmer von Sonntag ging es nach dem Rennen traditionell zum Weißwurstfrühstück auf den Schweinemarktplatz, wo das Geschehen nachbesprochen wurde. Erst danach ging es unter die Dusche und auf den Festplatz. Für Sandra Rollbühler hieß es dagegen „Mittagsschlaf“, sie hatte nämlich in der Nacht vor dem Rennen Nachtdienst.

Rechtzeitig aufstehen

Während die Sieger des Rennens, Julian Ferchow und Kathrin Lehnert, ihre Pokale entgegennahmen, staunten in der Bahnhofstraße noch einige Zuschauer über das rasante Rennen, und mit hoffnungsfrohem Blick Richtung Innenstadt ertönte aus den Reihen der Zuspätgekommenen: „Die kommen doch hoffentlich ein zweites Mal hier vorbei.“ Das taten sie nicht, sondern der Festzug rollte langsam heran. Also nahmen sich einige Spätaufsteher vor, im nächsten Jahr rechtzeitig zu kommen, wenn es wieder heißt: „Achtung, fertig, und los!“ – und ein Rennen startet, das es weltweit kein zweites Mal gibt.

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