Crailsheim Auf dem Weg in die Zukunft

Die Referenten und Mitglieder der Schulgemeinschaft der Crailsheimer Waldorfschule bei der öffentlichen Anhörung im HT-Forum. Foto: Ute Schäfer
Die Referenten und Mitglieder der Schulgemeinschaft der Crailsheimer Waldorfschule bei der öffentlichen Anhörung im HT-Forum. Foto: Ute Schäfer
Crailsheim / UTE SCHÄFER 24.03.2014
Die Pionierklasse der Waldorfschule kommt im kommenden Schuljahr in die Oberstufe. Wie die ausgestaltet werden soll, wird derzeit geplant - auch auf einer öffentlichen Anhörung im HT-Forum.

Die Schulanmeldungen nähern sich, kein Wunder, dass sich vor allem die privaten Schulen derzeit der Öffentlichkeit präsentieren. So auch die Crailsheimer Waldorfschule, die seit acht Jahren existiert und pro Jahr um eine Jahrgangsstufe wächst. Die Pionierklasse der Waldorfschule kommt nun in die Neunte, ist also in der Oberstufe angekommen.

Um die Ausgestaltung dieser Oberstufe geht es in der Crailsheimer Schule derzeit, und eines ist schon klar: Es gibt einen neuen Lehrer, Christian Pauli, und ein völlig neues Konzept.

Bei der öffentlichen Anhörung - im HT-Forum waren das dreieinhalb Stunden Frontalunterricht - hat sich die Schule Themen vorgenommen, die in Arbeitskreisen als wichtig erachtet wurden. Dazu wurden Experten gehört, moderiert von Markus Stettner-Ruff, Berater der Crailsheimer Waldorfschule.

Eine der Experten war zum Beispiel Gwendolin Altenhöfer, Bestatterin und Visionssuchebegleiterin aus Schwäbisch Hall. Sie stellte den Zuhörern vor, wie mit den Schülern der Übergang in die Oberstufe - und damit sozusagen der Übergang vom Kind zum Jugendlichen - rituell gestaltet werden kann. Die Kinder könnten, wenn sie dies wünschten, allein eine Nacht im Freien verbringen, während die Eltern am Lagerfeuer warteten, sagte Altenhöfer. Nächstes Thema: die Ausgestaltung der Prüfungsklasse - das offizielle Curriculum der Waldorfschule geht nur bis Klasse 12. Die 13. Klasse ist als Prüfungsvorbereitung zum Abitur gedacht. Denn wie kommt man zum Abschluss? Dies ist eine Frage, die Wilhelm Volz als Vater umtrieb. Martin Simons stellte hier das Lernkonzept der Schule Anne-Sophie in Künzelsau - selbstbestimmt und in Lernhäusern - vor. Ähnlich gehen auch die Schüler von Dieter Markert im Freiburger "Methodos" vor. Dies ist ein Verein, der von Schülern zur Abiturvorbereitung gegründet wurde. Die Schüler organisieren hier alles: sie stellen die Lehrer ein (und feuern sie wieder), trommeln Geld zusammen und sind für alles verantwortlich. Fast alle schaffen das Abitur in zwei Jahren, sagte Markert. Eigenständiges Lernen soll es auch in der Crailsheimer Waldorfschule geben, wenngleich die Prüfungsvorbereitung flexibel gehandhabt werden müsse, sagte Matthias Ziegler, ein weiterer Vater, wobei sich die Schule einig ist, den Klassenverband bis zum Schluss nicht auflösen zu wollen.

Eine weitere Crailsheimer Idee zur neuen Oberstufe erklärte der Crailsheimer Waldorfgeschäftsführer Wolfgang Hermann-Kautter: Lehrer, Schüler und Eltern sollen ein Unternehmen gründen, "mit Budget". Sie leiten dadurch ihre Oberstufe sozusagen selber. Eine starke Ausrichtung auf den Beruf zeigt auch die Waldorfschule in Kirchheim/Teck. Hier berichtete Schulleiter Knut Dikomey, dessen Schule in den letzten Klassen Betriebspraktika anbietet, und zwar so viele, dass die Schüler erst in der 13. Klasse die Fachhochschulreife erreichen. "Wer das Abitur machen will, geht bei uns in die nahe gelegene Waldorfschule nach Nürtingen."

So könnte das auch in Crailsheim laufen, denn hier sagt der neue Lehrer Pauli: "Der Weg in die Zukunft muss nicht in jedem Fall ein Abitur sein - aber er kann."

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