Crailsheim Auf dem Einrad quer über die Alpen

Crailsheim / Birgit Trinkle 15.08.2018
Martin und Jule Hermann aus Rüddern fahren ab Samstag in sechs Tagen von Obersdorf nach Meran und sammeln dabei Aufmerksamkeit und Spenden für die DKMS.

Die Alpen lassen sich, wie die Geschichte gezeigt hat, mit Elefanten und mit Eseln überqueren, zu Fuß natürlich und mit allerlei menschengemachten Fahrzeugen. Wer immer sich aufmacht, diese gigantische Felsbarriere zu überwinden, versucht in der Regel, es sich so leicht wie möglich zu machen. Vater und Tochter Hermann aus Rüddern weichen von diesem Schema ab. Sie wählen das Einrad als Transportmittel, und das macht’s einfach nur schwieriger und anstrengender, gefährlicher außerdem.

Die älteste Tochter hat mit dem Einradfahren begonnen. Da gab Papa Martin Hermann noch den Chauffeur. Irgendwann kamen auch die Kleinen auf den Geschmack. Hermann lacht, wenn er sich daran erinnert, dass seine Kleine, Jule, mit vier Jahren Einrad fahren konnte, fürs kleine Kinderfahrrad aber noch Stützräder brauchte. Das war vor elf Jahren und ungefähr zu der Zeit, als sich der Rüdderner zum einen überlegte, dass er nicht blöder ist als seine Kinder, zum anderen, dass die mit dem Warten aufs Trainingsende verbrachte Zeit sehr viel sinnvoller genutzt werden konnte: nämlich mit der aktiven Teilnahme. Vor elf Jahren schaffte er sich auch das erste eigene Einrad an, und der Rest ist Familiengeschichte. Es gab Stürze, es gab Phasen akuter Unlust, vor allem aber die Erkenntnis: Einradfahren ist richtig klasse.

Die Familie hat vor 14 Jahren die heimische Landwirtschaft auf den Nebenerwerb umgestellt; es gibt zwar noch immer viel zu tun  – einen Namen gemacht haben sich Hermanns vor allem mit dem alljährlichen Spargelfest am Himmelfahrtstag –, aber grundsätzlich bleibt mehr freie Zeit. Die Hermanns nahmen in den vergangenen Jahren an einer Europa- und an zwei Weltmeisterschaften teil, in San Sebastian und Brixen, die Unicons genannt werden, natürlich sportliche Wettkämpfe sind, vor allem aber ein Treffen Gleichgesinnter. Im vergangenen Jahr war eine Zugspitzentour eine Art Offenbarung: Das hat dem heute 52-Jährigen so viel Spaß gemacht, dass er sich daran machte, ein noch viel größeres Projekt dieser Art zu planen. So entstand die Idee der Alpenüberquerung.

Für den guten Zweck

Einfach so losradeln, ein so anspruchsvolles Vorhaben nicht mit einem Ziel, einem höheren Zweck zu verbinden, „das wäre doch schade“, erklärt er, warum er diese Tour nutzen will, um für die DKMS in Tübingen zu werben. Martin und Mareike Hermann haben sich bereits vor 20 Jahren als potenzielle Stammzellenspender registrieren lassen und nutzen seither jede Gelegenheit, Menschen zu helfen, die an Blutkrebs erkrankt sind: „Ich will mich nicht erst einsetzen, wenn ich betroffen bin; so vielen Menschen fällt das erst dann ein, wenn sie selbst Hilfe benötigen.“  Spenden gehen direkt an die DKMS.

Training an der Jagst

So macht er sich also am Samstag auf den Weg; Tochter Jule begleitet ihn, außerdem zwei Freunde aus Ingolstadt. Mareike Hermann, die das Einradfahren nach einer Verletzung aufgegeben hat, fährt mit dem Wohnmobil die einzelnen Stationen an, auf dass ihre Alpenradler am Etappenziel ein warmes Essen und ein weiches Bett vorfinden. Hermann hat sich für den Europäischen Fernwanderweg 5 entschieden, einen der ältesten überhaupt; die Pässe werden von alters her genutzt, um von Süddeutschland nach Norditalien zu kommen. Fünf Bergketten liegen auf dem Weg, „mit fast 7000 Höhenmetern bergauf“, sagt Hermann; da werde nicht nur gefahren, sondern auch „gegangen, geschoben, getragen, geklettert, geschwitzt, gezweifelt, gestürzt, aber auch wieder aufgestanden“. Unteres Mädeljoch, Allgäuer, Lechtaler und Ötztaler Alpen bis hin zum Timmelsjoch: Das klingt nach Erschöpfungszuständen. Trainiert habe man eigentlich zu wenig, sagt er. Ein Übungstag war die Jagsttaltour von Kirchberg nach Langenburg, bei der auch die neuen Trinkblasen getestet wurden, die auf dem Rücken getragen werden. Bange ist Vater und Tochter nicht. Zum einen bewegen sie sich viel. Zum anderen freuen sie sich vor allem auf die gemeinsame Zeit.

Vater und Tochter berichten

Wer die Familie Hermann auf ihrer Tour über die Alpen zumindest im Geiste begleiten will, findet den Internet-Blog des Vaters unter www.einradteam.rueddern.de, die Tochter berichtet auf Instagram: alpencross_dkms. Informationen über die Registrierung für eine Knochenmarkspende gibt es unter dkms.de.

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