Streik Apotheker im Raum Crailsheim haben am Mittwoch gestreikt

Crailsheim / MAXIMILIAN HAAG 13.09.2012
In vielen Apotheken im Land sind Kunden am Mittwoch nur durch die Notdienstklappe bedient worden. Crailsheimer Apotheker beteiligten sich am Streik.

Zum Warnstreik aufgerufen hatte der Landesapothekerverband Baden-Württemberg, um die Forderung nach einem höheren Honorar für Apotheker zu unterstreichen. Auch in Rheinland-Pfalz und dem Saarland beteiligte sich der Berufsstand an dem Streik.

Den streikenden Apothekern geht es vor allem um deren Honorar von 8,10 Euro, das sie pro Arzneimittel, das auf Rezept abgegeben wird, verdienen. Dabei sind sie allerdings verpflichtet, den Krankenkassen für jede abgegebene Packung einen Rabatt von 2,05 Euro zu gewähren. Während die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen in den letzten Jahren gestiegen sind und Tariflöhne und Preise an die steigende Inflationsrate angepasst wurden, blieb das Apothekerhonorar seit 2004 unberührt, informiert ein Handzettel, der gestern in den am Streik beteiligten Apotheken auslag. Zwar hat die Politik eine Erhöhung von 25 Cent vorgeschlagen, für eine Deckung der neuen Kosten reiche das aber bei Weitem nicht, heißt es auf den Zetteln.

"Mir geht es hauptsächlich um eine gerechtere Verteilung der Kosten und des Verdienstes", klagt Herbert Hauptmann, Inhaber der Jagst-Apotheke. Der Zwangsrabatt für die Krankenkassen sei längst überholt. Er sieht vor allem die Kassen in der Pflicht. "Wir werden von denen regelrecht schikaniert." Von deren Gewinnsteigerungen sei bei den Apotheken nichts zu spüren. Auch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf Arzneimittel stünde in keinem Verhältnis zu den ermäßigten Steuern auf andere Güter. Bei steigenden Kosten für Personal und Medikamente sei eine Anpassung des Anteils der Apotheken nur fair, fügt seine Tochter Anne, ebenfalls Apothekerin, hinzu. Mit dem Streik wolle man jetzt ein Signal setzen und die Kunden - "die einzigen Verbündeten" - auf das Dilemma hinweisen. Diese zeigten gestern überwiegend Verständnis für die ungewöhnlichen Umstände, berichtet Myriam Haut von der Ritter Apotheke, wo man den Kunden mittels Absperrband ein mögliches Zukunftsszenario visualisierte: Weniger Raum, längere Wartezeiten und ein eingeschränkter Service.

Doch zunächst will man sich in Crailsheims Apotheken gegen Kürzungen und Umsatzeinbußen wehren. So gibt sich Apothekenbetreiber Hauptmann kämpferisch: "Wer nichts tut, hat schon verloren."