Draisrad Anja Höll startet für schwangere Cousine - Sven Macher erneut Laufrad-Sieger

Crailsheim / WOLFGANG RUPP 17.09.2012
Einmal und nie wieder, das ist für Anja Höll aus Stimpfach hundertprozentig klar. Sie war beim Drais-Laufradrennen am Volksfestsonntag für ihre schwangere Cousine Anke Tonet eingesprungen.

Eigentlich hätte die Einzelhandelskauffrau nach dem Zieldurchgang strahlen müssen, schließlich hat sie in der Frauenwertung den dritten Platz belegt und erhielt nachher von Oberbürgermeister Rudolf Michl einen Pokal überreicht. Dabei hieß ihre Devise vor dem Start dieses 40. Rennens: " Einfach nur ankommen." Ihre Cousine, die Sporttherapeutin Anke Tonet, hat schon ein Dutzend Mal an diesem Wettbewerb auf hölzernen Gefährten teilgenommen, mit einer Pause im Jahr 2008. Kurz vor dem Volksfest wurde ihr erstes Kind Maya geboren. Und weil sie in sechs Wochen ihre zweites Kind erwartet, wurde ihr von Angehörigen und Freunden dringend ans Herz gelegt, in diesem Jahr nicht zu starten. "Sonst hätte ich möglicherweise am Krankenhaus abbiegen müssen."

Also erklärte sich Anja Höll bereit, als Schwangerschaftsvertretung, wie auf einem Schild zu lesen war, an diesem Jubiläumsrennen teilzunehmen. Freilich hat sie sich darauf vorbereitet und ist sogar den Berg von Stimpfach nach Hörbühl hochgefahren. "Und jedes Mal hat mir danach der Hintern wehgetan", erinnert sie sich gar nicht gerne an ihre Trainingseinheiten. Und trotzdem ging sie am Sonntagvormittag zusammen mit 64 weiteren Teilnehmern hochmotiviert an den Start.

Und wie war das Rennen? "Verflucht anstrengend", sagt sie nach der Zieldurchfahrt noch völlig außer Atem, "aber das Publikum war fantastisch." Trotzdem soll dieser erste Einsatz auch der letzte sein. "Im nächsten Jahr ist meine Cousine jedenfalls nicht mehr schwanger", weshalb sie auch keinen wirklichen Grund sieht, sich nochmals so zu plagen. Die Anstrengung stand zwar auch dem Sieger ins Gesicht geschrieben, doch kaum war er über der Ziellinie, konnte er auch schon wieder strahlen. Sven Macher schaffte die Strecke in sagenhaften sieben Minuten und 15 Minuten und distanzierte die Konkurrenz deutlich. Und dennoch waren der Zweite, Jannis Wagner, und Dritte, Kirchbergs Bürgermeister Stefan Ohr, überglücklich über diesen Erfolg, wie sie mit Jubelschreien deutlich zum Ausdruck brachten. Bei den Frauen siegte in gewohnter Weise Theresa Kett vor ihrer Schwester Verena und der Schwangerschaftsvertreterin Anja Höll.

Ob Oberbürgermeister Rudolf Michl im nächsten Jahr wohl auch mitfahren wird? Jedenfalls erschien er zur Siegerehrung mit einem Kinderlaufrad unter dem Arm. Doch das war nicht sein Trainingsgerät, sondern vielmehr der symbolische Gutschein für Dirk Beyermann von der TSV-Leichtathletikabteilung für die Anschaffung eines weiteren Laufrades. Und wahrscheinlich hätte der Oberbürgermeister auch gar keine Zeit für das Laufrad-Rennen, schließlich muss er bei der Bürgerwache mitmarschieren.