Heilbronn Angeklagter gibt sexuelle Nötigung zu

Heilbronn / CARSTEN FRIESE 20.11.2014
Zu 18 Monaten auf Bewährung ist ein Mitarbeiter eines Seniorenheims verurteilt worden. Er hatte zwei Putzfrauen sexuell genötigt.

"Wir machen hier keine Spaßveranstaltung, es geht um zwei Verbrechen. Und am Ende geht es auch um die Frage, ob man Ihnen bei einer Verurteilung eine günstige Prognose stellen kann." Mit deutlichen Worten hat Hans-Georg Eckert als Vertreter der Staatsanwaltschaft vor dem Heilbronner Amtsgericht bei einem Angeklagten eine drastische Kehrtwende herbeigeführt. Wegen sexueller Nötigung zweier Frauen in einem Seniorenheim im östlichen Landkreis Heilbronn war ein technischer Mitarbeiter der Einrichtung angeklagt.

Er soll im Lauf des Jahres 2013 zwei Putzfrauen festgehalten, sie an den Brüsten und im Genitalbereich angefasst und versucht haben, sie zu küssen. "Stell' dich nicht so an", soll er zu einer der Frauen gesagt haben. Mit selbstbewusstem Auftritt stritt der 53-Jährige zunächst alles ab. Die Vorwürfe stimmten "überhaupt nicht". Wie er sich die detaillierten Schilderungen erklärt, die auch zu einem Aktenvermerk der Geschäftsleitung - mehr aber nicht - führten? "Keine Ahnung", war die Antwort. Vielleicht sei eine der Frauen "verschnupft" gewesen, da sie nach der Probezeit nicht weiterarbeiten durfte. Er könne doch nicht zugeben, "was ich nicht gemacht habe".

Es folgte die Warnung des Staatsanwalts. Nach einer Pause samt Diskussion mit seinem Verteidiger waren die Beteuerungen des Angeklagten Schall und Rauch. Über den Anwalt räumte er die Tatvorwürfe kurz und knapp ein. Nachfragen beantwortete er nicht mehr.

Ein Opfer saß da bereits als Zeugin im Gerichtssaal. Zum Tatgeschehen musste die zierliche 54-Jährige nun nicht mehr aussagen. Aber: Ziemliche psychische Probleme habe sie nach dem Übergriff gehabt. Über Monate war sie in psychologischer Behandlung. Die Strafanzeige, zu der ihr die Opferorganisation Weißer Ring geraten habe, sei "wie eine Befreiung" gewesen. Krampfhaft vermied der Angeklagte einen Blickkontakt. Eine Entschuldigung brachte er nicht zustande.

"Sie sind ziemlich massiv vorgegangen", stufte Richter Friedrich Hiller die Taten ein. Das dürre Geständnis wertete das Gericht als strafmildernd. Zu 18 Monaten Haftstrafe auf Bewährung verurteilte es den nicht vorbestraften, verheirateten Mann. 1800 Euro Schmerzensgeld muss er an die Frau zahlen.

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