Gericht Das Amtsgericht Crailsheim zieht um

Crailsheim / CHRISTINE HOFMANN 19.11.2016
Rückkehr an alte Wirkungsstätte: Das Amtsgericht Crailsheim verlegt seinen Standort ins Schloss. 800 Umzugskartons wurden gepackt.

Die Aussicht auf den Diebs­turm werde ich vermissen“, sagt Anton Schiele und blickt ein letztes Mal aus dem Fenster seines Büros im oberen Stock des Amtsgerichts Crailsheim in der Schillerstraße 1. Im Büro des Amtsgerichtsdirektors stehen schon einige gepackte Umzugskartons. Auf dem Schreibtisch, dem Besprechungstisch und sämtlichen Stühlen kleben rote Aufkleber, damit die Möbelpacker, die später das Mobiliar und die Kisten abholen werden, wissen, wo sie sie hinbringen sollen.

Schlossplatz 1 lautet die neue Adresse, unter der das Amtsgericht ab Montag zu finden ist. Es ist keine unbekannte Adresse: Bevor das Gericht in den Achtzigerjahren in die Schillerstraße zog, war es schon einmal im Schloss beheimatet. „In meiner Referendarzeit habe ich das Gebäude noch kennengelernt. Ich hatte damals sogar schon eine Verhandlung im großen Sitzungssaal“, erzählt Schiele.

Sitzungssaal ist eine Baustelle

Bald werden er und die übrigen Richter des Amtsgerichts wieder in den drei Sälen im zweiten Obergeschoss im Schloss Recht sprechen. Die nächste Verhandlung steht in der übernächsten Woche an. Bis dahin haben die Handwerker noch einiges zu tun: Der große Sitzungssaal ist momentan noch eine Baustelle. Mittendrin stehen der neue Richtertisch und die Tische für Zeugen, Staatsanwaltschaft und Verteidigung, die bereits angeliefert wurden. Türen, Beleuchtung und Teile der Wandverkleidung fehlen noch. Seit das Landratsamt die unteren Stockwerke im September 2015 räumte, wurde hier für die 30 Mitarbeiter des Amtsgerichts umgebaut und renoviert. Noch sind die Arbeiten nicht abgeschlossen. Immerhin sind die Büros schon fertig, der Umzug konnte also planmäßig beginnen.

Als Erstes wurden am Donnerstag die drei Tresore vom alten ins neue Gebäude gebracht. „Das war ein Schwertransport“, berichtet Schiele. Am gestrigen Freitag haben die Mitarbeiter unter der Aufsicht von Verwaltungsleiter Thomas Herderich, der für die Umzugsorganisation zuständig ist, sämtliche Akten und das Büromaterial in Umzugskartons verpackt. Am kommenden Montag wird ausgepackt. Da bleibt das Amtsgericht geschlossen. Auch am Dienstag wird der Betrieb voraussichtlich nur eingeschränkt möglich sein.

„Alle freuen sich auf die Arbeit im Schloss“, berichtet Richterin Ute Hermann. Im neuen Amtsgericht gibt es ein Sicherheitskonzept. Der öffentliche Bereich und die Büros der Mitarbeiter sind strikt getrennt. „Künftig kann nicht mehr jeder ohne zu fragen in jedes Büro laufen.“ Auch ist das Gebäude nun durch einen Aufzug barrierefrei, und es gibt eine behindertengerechte Toilette. Im alten Gebäude musste, wer nicht selbst laufen konnte, über viele Treppenstufen in den Gerichtssaal getragen werden.

Die neuen Büros sind hell und freundlich. Im Keller gibt es eine Gewahrsamszelle für Angeklagte oder Zeugen, die in Haft sind. Die gab es im alten Gebäude zwar auch, sie durfte aus Brandschutzgründen aber seit Jahren nicht mehr genutzt werden. Und schließlich ist es natürlich angenehmer, sich in einem frisch renovierten Haus aufzuhalten, als in einem, das sichtbar in die Jahre gekommen ist. Das alte Amtsgericht wurde bei einer Befragung unter Juristen vor einigen Jahren gar als hässlichstes Amtsgericht im Land gewählt.

Nach dem Auszug des Gerichts wird das benachbarte Finanzamt die frei gewordenen Räume übernehmen. Beide Gebäude, sowohl das an der Schillerstraße als auch das am Schlossplatz, gehören dem Land Baden-Württemberg.

„Der Umzug ins neue Gebäude ist längst überfällig“, ist Direktor Anton Schiele überzeugt. An den Blick aus seinem neuen Bürofenster wird er sich schnell gewöhnen. Künftig schaut er über die Dächer der Innenstadt.

800

Umzugskartons haben die Mitarbeiter des Amtsgerichts am Freitag gepackt. Am Montag werden sie alle wieder ausräumen und ihre neuen Büros einrichten.

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