Crailsheim Altes Stück erstrahlt in neuem Glanz

Crailsheim / Christine Hofmann 11.07.2018

Alles, was irdisch ist, muss endlich vergehn, Musica bleibet in Ewigkeit bestehen“, so lautet der Wahlspruch der Vereinsfahne des Sängerbunds Eintracht Ingersheim, die 1967 – zum 75. Bestehen des Vereins – feierlich geweiht wurde. Doch die Jahre sind nicht spurlos an der großen Fahne vorübergegangen. Das Tuch war brüchig geworden und verdreckt, die Stickereien hatten sich teilweise gelöst. Von der einstigen Pracht war nicht mehr viel übrig geblieben.

Nach einigen Diskussionen entschlossen sich die Sänger, die Fahne restaurieren zu lassen. „Es gibt nicht mehr viele, die so etwas können“, berichtet Dieter Loch, zweiter Vorsitzender des Männergesangvereins. Die Kunststickerei und Fahnenfabrik Carl Neff in Biberach nahm sich der Fahne an. „Wir haben die Stickereien abgetrennt und ausgebessert und auf ein neues Tuch aufgenäht“, erklärt Inhaber Hermann Manall, der die rundum erneuerte Vereinsfahne kürzlich während einer Chorprobe zurück nach Ingersheim brachte.

Fünf Lagen Stoff wurden verarbeitet, die Fahne, die eine goldgelbe und eine dunkelblaue Seite hat, hat ein ordentliches Gewicht. „Da ist schon was zum Heben da“, bestätigt Dieter Loch, und der Fahnenexperte Manall entgegnet: „Reparieren ist eine Sache – aber tragen möchte ich sie nicht.“

Eine Fahne sei ein wichtiges Symbol, erläutert Manall. „Sie zeigt an: Wir sind eine Gemeinschaft. Unter dem Dach der Fahne finden sich alle zusammen.“ Er bedauert, dass das Hissen von Fahnen durch die Erfahrungen der deutschen Geschichte nicht mehr gern gesehen wird. „Bei der Weltmeisterschaft 2006 gab es einen Wandel: Plötzlich war es wieder opportun, eine Deutschlandfahne zu schwenken. Das erleben wir jetzt auch wieder.“

Prächtig restauriert

Die Sänger aus Ingersheim zeigen ihre Vereinsfahne mit Stolz – vor allem jetzt natürlich, da sie so prächtig restauriert ist. „Die Fahne ist bei Sängerfesten im Einsatz, bei Jahresfeiern und bei Beerdigungen von Sangesbrüdern“, berichtet der zweite Vorsitzende. „Sie wird über dem Grab geschwenkt.“

Die frisch reparierte Vereinsfahne, auf der die Ingersheimer Kirche abgebildet ist, wurde, nachdem jeder Sänger sie einmal aus der Nähe bewundert hatte, sogleich mit einem Ständchen willkommen geheißen. Die Sänger der Chorgemeinschaft Altenmünster-Ingersheim stimmten unter der Leitung von Dirigentin Katharina Hayer das Bundeslied „Brüder reicht die Hand zum Bunde“ an – mehrstimmig und voller Inbrunst gesungen. Ralph Maile, Vorsitzender des Sängerbunds Altenmünster, gratulierte anschließend im Namen des Partnerchors: In unserer schnelllebigen Zeit ist es wichtig, Traditionen hochzuhalten“, sagte er. „Wie man sieht, kann man auch Altes in neuem Glanz erstrahlen lassen.“

Neue Fahne zum 75. Jubiläum

Der Sängerbund Eintracht Ingersheim wurde im Jahr 1892 gegründet. Ein Höhepunkt im Vereinsleben war die Fahnenweihe 1905, die mit 25 Gastvereinen, die auf geschmückten Festwagen zur Weihe fuhren, groß gefeiert wurde.

Die erste Fahne wurde unter großen Mühen über den Zweiten Weltkrieg gerettet, heißt es in einer Festschrift aus dem Jahr 1967. In diesem Jahr, der Männerchor bestand genau 75 Jahre, wurde eine neue Fahne angeschafft.

Seit 1962 singt der Ingersheimer Männerchor bei Veranstaltungen gemeinsam mit dem Männerchor Sängerbund Altenmünster. Diese Kooperation besteht bis heute. Dirigentin beider Chöre ist Katharina Hayer. hof

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