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Crailsheim / Sebastian Unbehauen  Uhr
Die Rekultivierung des stillgelegten Gipsbruchs in Triensbach sorgt für Ärger: Es wurde höher aufgeschüttet als genehmigt. Die Stadt Crailsheim fordert einen Rückbau.

Jahrelang hat die Satteldorfer Firma Knauf in Triensbach Gips abgebaut – die erste entsprechende Genehmigung des Landratsamts datiert aus dem Jahr 1990. 1998, 2000 und 2006 wurden Erweiterungen des Abbaugebiets genehmigt. Dabei ging es nicht nur um den Abbau selbst, sondern auch um die spätere Wiederauffüllung und Rekultivierung. Und: „Über diese öffentlich-rechtliche Genehmigung hi­nausgehend wurden privatrechtliche Verträge abgeschlossen“, schreibt die Crailsheimer Verwaltung in ihrer Sitzungsvorlage für die Stadträte. Die Stadt habe unter anderem „Verträge zur Wiederherstellung von durch den Abbau entfernten Wegen abgeschlossen“.

Nach dem Abbau füllte die Firma Leonhard Weiss den Gipsbruch mit Erdaushub. Von 2015 an gab es von Firmenseite neue Rekultivierungspläne, die mehrfach geändert wurden. Problematisch: Das Niveau des Geländes sollte deutlich über dem ursprünglichen liegen, die zu ersetzenden Wege sollten nicht entsprechend den vertraglichen Regeln angelegt werden. 2017 fand, so schreibt die Crailsheimer Verwaltung, ein Ortstermin mit Vertretern der Stadt, des Landratsamts und der beteiligten Firmen statt: „Im Zuge dieses Termins wurde erläutert, dass die Firmen in einem Teilbereich des Geländes eine weitere Aufschüttung planen, deutlich über die ohnehin schon nicht genehmigten Maße der Rekultivierungsplanung hinaus. Dies wurde seitens der Stadt abgelehnt.“

Mehrere Kontrollen

Danach habe die Untere Baurechtsbehörde der Stadt bei Kontrollen festgestellt, dass weiter aufgeschüttet wurde. So bat das Landratsamt Ende 2018 zu einem weiteren Ortstermin. Die Firma Knauf wurde aufgefordert, einen Einmessplan vorzulegen, auf dem das Ursprungsgelände und das heutige Gelände dargestellt sind. „Dieser Plan liegt nunmehr vor und belegt, dass deutlich über das genehmigte Maß aufgeschüttet wurde“, so die Stadt.

Bürgermeister Wackler weiß offenbar mehr über den Bölgentaler Steinbruch, darf aber dem Rat nichts verraten.

Das Landratsamt hat die Stadt vor diesem Hintergrund um eine Stellungnahme gebeten, ob sie einer Änderungsgenehmigung auf Grundlage der heutigen Höhen zustimmen kann – will heißen: ob der jetzige Zustand im Nachhi­nein legalisiert werden soll. Die Verwaltung gab die Frage ans Stadtparlament weiter – in der Sitzung des Bau- und Sozialausschusses sowie in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Beide Male gab es große Mehrheiten für den Beschlussvorschlag, dass sich die Stadt gegenüber dem Landratsamt für einen Rückbau der aufgeschütteten Flächen auf das ursprüngliche Gelände ausspricht.

Norbert Berg (AWV) und der CDU-Fraktionsvorsitzende Gerhard Neidlein wunderten sich im Bauausschuss, dass der Gemeinderat hier zurate gezogen wurde. Der Rat sei in einem Genehmigungsverfahren nach Bundesimmisionsschutzgesetz zu diesem Zeitpunkt schlicht nicht gefragt, sagte Berg. Um mehr als um ein Meinungsbild könne es nicht gehen. Bürgermeister Jörg Steuler antwortete: „So ist es. Es geht uns um ein Meinungsbild.“

Ortschaftsrat einig

Im Ausschuss wies der Triensbacher CDU-Stadtrat Jan Zucker darauf hin, dass der Ortschaftsrat sich einstimmig für den Be­schluss­antrag – und damit den Rückbau – ausgesprochen hatte. Selbiges verkündete Ortsvorsteher Friedrich Burkhardt in der Gemeinderatssitzung.

Uwe Berger (CDU) sprach von einem „bemerkenswerten Vorgang“. Jeder private Bauherr, der sich nicht an Genehmigungen halte, bekomme größte Probleme: „Da ist die Frage erlaubt, was behördenintern schiefgegangen ist, dass man auf die Meldungen von der Ortschaft Triensbach nicht reagiert hat.“ Man könne den Vorgang jedenfalls nicht im Nachhi­nein legalisieren.

Rückendeckung vom Rat

Wolfgang Ansel (SPD) war derselben Meinung: „Ich bin gerne bereit, der Verwaltung Rückendeckung zu geben. Wir sollten da­rauf bestehen, dass die Dinge so eingehalten werden wie genehmigt.“ Die Beschränkungen hätten nämlich durchaus einen Zweck gehabt. „Die Meinung der Verwaltung ist eindeutig, dass wir dieses Spiel nicht mehr mitmachen wollen“, betonte Steuler.

Die Frage der Genehmigungsfähigkeit entscheide sich nach dem Vorliegen der Crailsheimer Stellungnahme, so das Landratsamt auf HT-Nachfrage. Und weiter: „Sofern das erforderliche Einvernehmen verweigert wird, kann eine Genehmigung für die Änderung der Rekultivierungsplanung nicht in Aussicht gestellt werden und es muss der genehmigte Zustand hergestellt werden.“

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