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Crailsheim
Crailsheim / JULIA VOGELMANN  Uhr
Lange Jahre lag das BayWa-Gebäude am Güterbahnhof in Crailsheim brach. An diesem Wochenende erlebt es seine Premiere als kultureller Treffpunkt. Der Verein Adieu Tristesse lädt dazu ein.

Schon seit fast zwei Jahren versucht Crailsheims jüngster Kulturverein Adieu Tristesse das Gebäude als Bühne für kulturelle Veranstaltungen nutzen zu dürfen - ganz nach dem Vorbild vieler Metropolen, die ihre leer stehenden Fabrikgebäude schon längst als ideale Veranstaltungsorte entdeckt haben. Doch erst mit dem Erwerb des Gebäudetrakts durch die Firma Linke wurde möglich, wovon Harald Haas und seine Mitstreiter von Adieu Tristesse schon lange träumen. "Anfangs wussten wir gar nicht, dass die BayWa das Gebäude tatsächlich verkauft hat, aber die Buschtrommel hier in Crailsheim funktioniert immer noch gut, und so hatten wir durch persönlichen Kontakt Herrn Linke ganz schnell auf unserer Seite", freut sich Haas immer noch über den aufgegangenen Plan.

Sich auf diese Seite zu schlagen fiel Ralph Linke, Geschäftsführer des Autohauses, nach eigenem Bekunden auch nicht schwer: "Die Mitglieder des Vereins und ich sind zusammen durch das Gebäude gegangen, und alle waren begeistert vom Flair. Ich finde es gut, wenn so etwas gemacht wird. Ich bin für alles Regionale, weil meine Wurzeln einfach hier in Crailsheim sind, und ich finde, es ist die Aufgabe des Mittelstands, sich in dieser Richtung auch zu engagieren."

Seit zwei Wochen wird in dem alten Gemäuer geputzt, geplant und gewerkelt, damit zum Konzert der Band "RasgaRasga" und zum Filmnachmittag alles steht. Da eine der Bedingungen für die Nutzung die Einhaltung sämtlicher Sicherheitsvorkehrungen ist, hat der Verein bei der Stadt die entsprechenden Anträge beim Bau- und Ordnungsamt gestellt. Jetzt müssen Notausgänge gekennzeichnet werden, die Eingänge und Rampen müssen begehbar gemacht werden, und der Zugang zum Bahngelände und den Gleisen muss abgesperrt werden. Natürlich braucht es für eine Veranstaltung wie ein Konzert auch Toiletten, die der Verein vom Lichterfest in Goldbach bekommt. Die mobile Bühne stellt die Stadt zur Verfügung.

Sina Stuber freut sich: "Das ging jetzt alles echt schnell, innerhalb von zwei Wochen, mehr oder weniger als Hauruck-Aktion. Aber bei uns passiert immer unter Hochdruck ganz schnell ganz viel." Besonders freut sich der Verein über die Unterstützung von allen Seiten. Nicht nur, dass die Stadt hinter dem Vorhaben steht, auch der Verzicht der Firma Linke auf Entgelt für die Nutzung kommt dem eng gesetzten Budget von unter 2000 Euro für die Veranstaltung sehr entgegen.

Doch vor dem Wochenende ist noch viel zu tun. Sina Stuber prophezeit: "Am Freitag und Samstag müssen wir wohl alle ran." Dann soll nämlich extra für die Veranstaltung ein Barbereich eingerichtet werden, dazu gibt es gemütliche Sofaecken, ein Tischkicker ist geplant, eine Tanzfläche und natürlich die Bühne für die Band. Die hat übrigens noch nicht gesehen, wo sie am Samstagabend spielen darf, doch Sina Stuber verrät: "Als wir ihnen erzählt haben, wo sie spielen dürfen, waren sie total begeistert. Die sind echt gespannt!" Auch Kuchen backen müssen die Mitglieder noch, denn das Kuchenbüfett zum Filmnachmittag bestreitet der Verein auch selbst.

Wie es dann mit dem Gebäude weitergeht, wird sich nach dem Veranstaltungswochenende klären, sagt Ralph Linke: "Inwiefern wir oder der Verein das Gebäude danach nutzen, wird man sehen, wenn wir wissen, wie es gelaufen ist." Bis tatsächlich entschieden ist, was auf dem Gelände passiert, kann noch einige Zeit vergehen. Langfristig plant die Firma Linke jedoch eine Erweiterung auf dem Elektrauto-Sektor. Ralph Linke dazu: "Wir wollen in diese Richtung etwas verwirklichen, aber der Bebauungsplan ist ziemlich eng. Wir sind auch mit der Stadt im Gespräch, wie das in das Konzept grüner Bahnhof integriert werden könnte."

Doch zuerst steht auf dem bestehendem Werksgelände eine Werkstatterweiterung an, weshalb das BayWa-Gelände in nächster Zeit als Parkplatz für die Angestellten genutzt wird. Und vielleicht eben als Veranstaltungsort wie jetzt am Wochenende. Crailsheim könnte das gebrauchen.