Regen wie den, der in der Nacht zum 30. Mai 2016 unter anderem Braunsbach verwüstete, hält kein Netz aus. Aber auch bei normalem Starkregen ist das Kanalnetz der Stadt oft überlastet. Diese Bemerkung hat Gerhard Schacht, Leiter des Ressorts Bauen und Verkehr, vorausgeschickt, als er dem Bau- und Sozialausschuss erklärte, warum erneut 1,2 Millionen Euro in den Bereich Abwasser – konkret in Überwachungssysteme für Regenüberlaufbecken und Pumpwerke – investiert werden müssen.

Zur Erinnerung: Das gesamte Anlagevermögen der Stadt im Bereich Kanäle und Kläranlagen beläuft sich auf 47,2 Millionen Euro – ein Riesenvermögen mithin, das als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge unverzichtbar, aber eben auch weitgehend unsichtbar ist, sprich von der Öffentlichkeit nur wahrgenommen wird, wenn etwas nicht funktioniert.

Flaschenhals Heldenmühle

Schacht stellte dem Gremium detailliert das Kanalnetz vor, das mit 7825 Kanalschächten auf einer Länge von fast 300 Kilometern 2330 Hektar entwässert und das überwiegend in einem Mischwassersystem; die systematische Trennung von Schmutz- und Regenwasser gibt es vor allem in jüngeren Neubaugebieten. Wenn es also stärker regnet, kann das Regenwasser nicht komplett abgeleitet werden; die Hauptkläranlage Heldenmühle wirkt hier wie ein Flaschenhals, der maximal 700 Liter in der Sekunde aufnehmen kann. Aus diesem Grund gibt es die Regenüberlaufbecken, in denen nach einem Starkregen der erste Schmutz gesammelt und gespeichert wird. Regnet es aber länger, laufen die Becken über und entwässern über Entlastungskanäle in Vorfluter, sprich in der Regel in die Jagst. Das geschieht mittlerweile zehn bis 30 Mal im Jahr. Die Eigenkontrollverordnung verlangt nun zwingend, dass Dauer des Einstaus sowie die Entlastungsdauer und -häufigkeit erfasst und dokumentiert werden. Schacht: „Sämtliche Regenbecken müssen bis Ende 2024 nachgerüstet werden.“ Crailsheim habe lediglich in einigen Becken Erfassungssysteme, und diese seien veraltet.

Digitalisierung

Rund 900.000 Euro sollen nun ausgegeben werden, um in den 35 Regenbecken und Regenüberläufen die Daten übers Internet direkt ins Prozessleitsystem der Hauptkläranlage übertragen zu können. Konkret wird in eine Nachrüstung der Mess- und Übertragungstechnik mit Sensoren und sogenannten Datenloggern investiert; bei den wenigen vorhandenen Steuerungen fehlt die Hardware. Gerhard Schacht erklärte, wie künftig die Ergebnisse eingesehen und entsprechend analysiert werden können. Abgerufen werden die Daten über Tablet und I-Phone.

In gleicher Weise sollen die derzeit 25 Pumpwerke überwacht werden, zusätzlich werden hier noch die Störmeldungen ans System der Hauptkläranlage geschaltet: Damit kann die Reaktionszeit bei einer Störung deutlich verkürzt werden. Derzeit, so Schacht, gibt es bei einem Störfall nur eine Sprachnachricht an die Bereitschaft. Die Investitionen in die Pumpwerke belaufen sich auf rund 300.000 Euro.

Roland Klie (SPD) fragte nach dem Zustand der im Schnitt 30 Jahre alten Becken. Gerhard Schacht verwies auf „laufende Überprüfungen“ sowie die im Technischen Ausschuss immer wieder in Auftrag gegebenen Unterhaltungsmaßnahmen. Sebastian Klunker (AWV) erinnerte da­ran, dass es sich um einen Landes-Erlass handelt und fragte, ob dann auch eine Landesförderung zu erwarten sei. Hier war die Antwort, dass für einen Zuschuss die Crailsheimer Abwassergebühr von 1,74 Euro pro Kubikmeter zu niedrig sei – das Umland sei mit über 3 Euro deutlich teurer.

Die gesamte Summe von 1,2 Millionen Euro wird über einen Zeitraum von drei Jahren finanziert, auch das Projekt selbst soll bis 2023 abgeschlossen sein.