Verkehr S-Bahn: Abgeordneter lässt nicht locker

Crailsheim / Andreas Harthan 16.01.2018
Dr. Friedrich Bullinger (FDP) fordert die rasche Verlängerung der S-Bahn von Nürnberg bis nach Crailsheim und fordert Verkehrsminister Hermann (Grüne) auf, sich um das Thema zu kümmern.

Der FDP-Landtagsabgeordnete ist lange genug in der Politik, um zu wissen, dass manchmal lange gebohrt werden muss, bis ein dickes Brett durch ist. Dennoch scheut sich Dr. Friedrich Bullinger nicht, immer wieder mal ein solches Brett in die Hand zu nehmen. Etwa die Verlängerung der S-Bahn von Dombühl nach Crailsheim. Der Parlamentarier, von dessen Wohnort Reubach es ein Katzensprung bis zur Landesgrenze ist, kennt sich im württembergisch-bayerischen Grenzland bestens aus – und will nicht akzeptieren, dass die S-Bahn aus Nürnberg so kurz vor Baden-Württemberg endet.

Also war er natürlich dabei, als vor wenigen Wochen die Verlängerung der S-Bahn von Ansbach nach Dombühl gefeiert worden ist, und sogar der bayerische Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann angereist war. Bullinger nutzte die Gelegenheit, um Herrmann mit seinem Wunsch zu befassen. Der bayerische Minister, sagt zumindest Bullinger, habe Kooperationsbereitschaft signalisiert, aber gleichzeitig betont, dass nun die Landesregierung in Stuttgart am Zug sei. Das sieht auch Bullinger so. In einer Pressemitteilung fordert er nun Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und die Grünen-Landtagsabgeordnete Jutta Niemann (Mitglied im Verkehrsausschuss) aus Schwäbisch Hall auf, sich Gedanken darüber zu machen, wie die Lücke zwischen Dombühl und Crailsheim geschlossen werden kann. Nach Berechnung von Bullinger geht es um 18 Minuten Fahrtzeit.

Bestätigt in seiner Haltung, dass es letztendlich um den politischen Willen geht, sieht sich Bullinger von einem Vorfall, der sich kurz vor Weihnachten zugetragen hat und den er als „äußerst interessant“ einstuft. Damals fiel ein Regionalzug auf der Strecke Stuttgart–Nürnberg aus. Auf kurzem Dienstweg wurde veranlasst, dass die aus Nürnberg kommende S-Bahn nach Crailsheim weiterfuhr, um die Fahrgäste, die nach Nürnberg wollten, einzusammeln. „Das hat einwandfrei funktioniert“, freute sich auch der Feuchtwanger Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Stümpfig. Auch er geht davon aus, dass dieser Lückenschluss rasch realisiert werden kann.

Tausende Pendler

Nach Einschätzung von Ekkehard Schwarz, dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung im Landkreis Ansbach, pendeln rund 4000 Beschäftigte im bayerisch-­württembergischen Grenzgebiet. Dass Crailsheim als bedeutender Wirtschaftsstandort auch vielen Menschen aus dem angrenzenden Bayern Arbeit bietet, ist nichts Neues. Deshalb, so Bullinger, stehe außer Frage, dass eine Verlängerung der S-Bahn von Dombühl über Schnelldorf nach Crailsheim Sinn macht, weil in dieser Region viele Menschen hin- und herpendeln.

Der Abgeordnete Bullinger hat Erfahrung im Bohren von dicken Brettern. Dass sich bei der Verlängerung der S-Bahn nach Crailsheim so wenig tut, nervt ihn dann doch. In einem Brief an den Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, der auch Vizepräsident des Städtetages ist, schreibt Bullinger: „Ich glaubte immer, der weiß-blaue und der schwarz-gelbe Schlagbaum an der Landesgrenze bestünden nicht mehr – dies ist offensichtlich nicht so.“

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