Crailsheim Inklusiver Fußball an Hohenloher Schulen

Das Team der „Special Olympics“-AG hat beim gemeinsamen Fußballspielen viel Spaß. Bald darf die Truppe zu den nationalen „Special Olympics“ nach Kiel. Betreut werden die Schüler von Hans-Peter Spengler (links) und Stefanie Hoffmann (rechts).
Das Team der „Special Olympics“-AG hat beim gemeinsamen Fußballspielen viel Spaß. Bald darf die Truppe zu den nationalen „Special Olympics“ nach Kiel. Betreut werden die Schüler von Hans-Peter Spengler (links) und Stefanie Hoffmann (rechts). © Foto: Larissa Wörn
Crailsheim / Larissa Wörn 13.04.2018
Seit elf Jahren spielen die Fröbelschule Ellrichshausen und das Albert-Schweitzer-Gymnasium Crailsheim gemeinsam Fußball. Im Mai geht es zu den nationalen „Special Olympics“ nach Kiel.

Buntes Treiben herrscht jeden Donnerstagnachmittag, wenn sich Schüler der Fröbelschule und des Albert-Schweitzer-Gymnasiums zum gemeinsamen Fußballtraining treffen. In der „Special Olympics“-Arbeitsgemeinschaft bilden die Jugendlichen inklusive Fußballmannschaften. Das Projekt läuft seit elf Jahren unter dem inoffiziellen Motto: „Wir spielen Fußball, und das ehrlich.“

Hans-Peter Spengler, Lehrer am Albert-Schweitzer-Gymnasium, ist seit der Geburtsstunde als Trainer und Betreuer mit an Bord. Er selbst hat in seiner Freizeit schon immer gern gekickt. „Das aber nie gut“, gesteht er unter lautem Lachen. Auch seine Trainerkollegin Stefanie Hoffmann, die an der Fröbelschule lehrt, ist kein Ass am Ball. Wegen ihres Vaters war sie als Kind häufig auf dem Fußballplatz gestanden, jedoch nur um zuzusehen.

Es werden keine Profis gesucht

Auf das Projekt ist sie vor zwei Jahren aufmerksam geworden, als sie Begleitlehrerin für eine mehrtägige Ausfahrt zu einem Special-Olympics-Turnier war. Die Tage mit den Schülern haben ihr so viel Spaß bereitet, dass sie sich sofort als Trainerin meldete. Stefanie Hoffmann blickt zurück: „Zunächst war ich skeptisch, weil ich keine Ahnung vom Fußballspielen habe. Ich habe aber schnell bemerkt, dass das sportliche Verständnis zweitrangig ist.“

Auf dem Spielfeld werden nämlich keine Profis gesucht: Wer Spaß hat, darf mitmachen. Bei der Auswahl der Albert-Schweitzer-Schüler wird zudem auf den sozialen Aspekt geachtet. Es melden sich jährlich mehr Gymnasiasten als benötigt zur AG an. Ausgesucht werden diejenigen, die mit ihrer Persönlichkeit und ihren sozialen Kompetenzen am besten ins Projekt passen.

Die Gymnasiasten schwärmen vom Inklusionsprojekt. Sie würden schon nach wenigen Begegnungen beginnen, Teamkameraden der Fröbelschule unter ihre Fittiche zu nehmen. Spengler freut sich über das Engagement seiner Schüler: „Das Mitspielen geschieht auf rein freiwilliger Basis. Trotzdem oder gerade deswegen sind alle mit ganzem Herzen dabei.“

Auch die Fröbelschüler sind vom Fußballprojekt begeistert. Die Schule ist als Sonderpädagogisches Bildungszentrum mit dem Förderschwerpunkt für geistige Entwicklung anerkannt. Der Sport stellt einen optimalen Ausgleich zum Schulalltag dar. „Vor den anderen Schülern will sich jeder beweisen, die Motivation zu Leistungssteigerung ist deshalb sehr hoch. Das fördert wiederum das Selbstvertrauen meiner Schützlinge“, erklärt Hoffmann. Die Trainer sind sich einig: Das Projekt verändert jeden Teilnehmer positiv und nachhaltig.

Annäherung und Verständnis

„Wir haben zwar viele Erfolge, die sich in unserer regelmäßigen Teilnahme an den nationalen „Special Olympics“-Meisterschaften äußern, aber Platzierungen sind nicht das Wichtigste“, erzählt Spengler. Vielmehr kommt es auf gegenseitige Annäherung und Rücksichtnahme an. Die Schüler würden sich gegenseitig besser kennen- und verstehen lernen. Was im Alltag als außergewöhnlich betrachtet wird, erscheine nach einiger Zeit selbstverständlich. „Menschliche Grenzen überwinden und den eigenen Horizont erweitern: Das ist Inklusion“, fügt Hoffmann stolz hinzu.

Für alle geht es vom 14. bis 18. Mai zu den nationalen „Special Olympics“ nach Kiel. Dafür hat sich der Kader im Oktober 2017 bei einem Turnier in Hoffenheim qualifiziert. An der Ostsee spielen die Schüler in mehreren Mannschaften gegen meist erwachsene Inklusionskader. Das sei wegen der körperlichen Unterschiede schwierig, aber für die Trainer sei der schönste Moment des Projekts ohnehin der, in dem die Schüler einen gemeinsamen Stolz entwickeln und trotz einer Niederlage sichtlich Spaß haben.

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