Crailsheim/Wallhausen „Wir sind keine Hobby-Soldaten“

Crailsheim/Wallhausen / Birgit Trinkle 20.11.2018
Wallhausens Kämmerer Jürgen Rosenäcker ist Landeskommandant der rund 2500 Mitglieder unterschiedlichster Bürgerwehren und fast jedes Wochenende unterwegs.

Die Wallhausener kennen ihren Oberamtsrat Jürgen Rosenäcker, 48, seit geraumer Zeit als Mitglied ihrer Verwaltung. Im allmählich zu Ende gehenden Jubiläumsjahr 875 Jahre Wallhausen galt eine Erinnerung der Zeit vor 25 Jahren, als die Gemeinde mit Peter Dietz an der Verwaltungsspitze das 850-Jährige feierte, und dem jungen Inspektorenanwärter, der längst Kämmerer ist, ein ordentlicher Teil der Organisation zugetraut wurde.

Auch als Ehrenamtler hatte und hat Rosenäcker Verdienste. Im Feuerwehrmusikzug Wallhausen war er ebenso engagiert wie bei der Volkshochschule Wallhausen, die er sieben Jahre geleitet hat. In vielen Vereinen ist er Mitglied, doch sein Herzblut investiert er in die Bürgerwache Crailsheim und generell in die Bürgerwehren im Land.

Er kann einige Momente nennen, die zu den schönsten seines Lebens zählen und die mehr als alles andere seine Faszination für diese Uniform und das, wofür sie steht, ausmachen. Mit „Preußens Gloria“ durchs Brandenburger Tor zu marschieren, zählt dazu: Bis heute kriegt er eine Gänsehaut, wenn er sich daran erinnert.

Die meisten Bürgerwehren sind im 19. Jahrhundert entstanden, als die Bürger waffenpflichtig und für die Verteidigung ihrer Stadt verantwortlich waren. Auch in Crailsheim wurde der Feuer-, Wach- und Sicherheitsdienst auf die Bürgerwache übertragen. Seither fühlt sich die „Kompanie“ der Repräsentation verpflichtet. „In erster Linie wird hier eine Tradition bewahrt“, sagt Rosenäcker und spricht von Brauchtum, das die Stadt reicher macht.

„Wir sind keine Hobbysoldaten, Militärisches wird nicht verherrlicht“, wehrt er sich gegen gelegentlich laut werdende Vorwürfe und verweist auf Festzüge und Feierlichkeiten, die ohne die Bürgerwache ärmer wären. Fast jede Bürgerwehr habe eigene Rituale, darin etwa, wie der Säbel präsentiert wird. Genau diese Eigenheiten gelte es zu erhalten.

Ihn selbst hat die Faszination Bürgerwache früh gepackt. Er macht sie an Franz Stangl fest, ein Freund der Eltern, der unter der Woche als uniformierter Justizbeamter unterwegs war, am Wochenende als Hauptmann der Bürgerwache. „Zu ihm hab ich aufgeschaut“, erinnert sich Rosenäcker an den kleinen Bub, der er mal war. Stangl sei eine beeindruckende Persönlichkeit und ihm ein Vorbild gewesen. 1981, gerade elf Jahre alt, stand er beim Landestreffen der Bürgerwehren in Crailsheim am Straßenrand, als über 2000 Mitglieder im bunten Rock durch die Stadt marschierten. Seither war er nie wieder passiver Zuschauer – die Bürgerwache ist längst unverzichtbarer Teil seines Lebens.

Wechsel in den Musikzug

Bereits im Folgejahr zog er im Fanfarenzug mit der Landsknechtstrommel, die fast größer war als er selbst, beim Volksfest-Umzug mit. Er erinnert sich voller Dankbarkeit an Erich Preu­ninger, Crailsheims Marktmeister und Schellenbaumträger der Bürgerwache. Außerdem an Oskar Skupin, den damaligen Fanfarenzugleiter – noch so eine Persönlichkeit, der er vieles verdankt. Später wechselte er in den Musikzug. Hier ließ er sich zunächst als Schlagzeuger ausbilden. Später lernte er beim ehrenamtlichen Musikmeister Winfried Class das Posaunenspiel, das ihm bis heute viel Freude macht.

Ehestifterin Bürgerwache

Seine Frau hat er im Musikzug kennengelernt. Generell, sagt er, entstünden immer wieder glückliche Verbindungen im gemeinsamen Musizieren. Würden nicht auch Ehefrau und Tochter mitmachen bei der Bürgerwache, sein zeitraubendes Engagement wäre ihm in dieser Form nicht möglich. Allein das Amt als Landeskommandant und Oberst im Landesverband Historischer Bürgerwehren und Stadtgarden Württemberg-Hohenzollern führt ihn zu ungezählten Versammlungen.

Seit 1990 ist Jürgen Rosenäcker im Vorstand der Bürgerwache, seit 2006 ihr Vorsitzender, und in dieser Funktion hat er viele Reisen zu den Partnerstädten und generell in alle Welt organisiert. Unvergessen ist unter anderem der Auftritt vor Schwedens Königin Silvia. Vereinshomepage, digitales Archiv, Fahnen- und Standartenrestaurierung, Festschriften, Anschaffung einer Salutkanone, ein neuer Schellenbaum und die Gründung einer Jugendgruppe sind nur einige der Aufgaben, die er sich in diesen Jahren aufgeladen hat. Als zentralen Auftrag sieht er es, den Verein über das Angebot der musikalischen Ausbildung in die Zukunft zu führen – die Bürgerwache, findet er, hat es nicht verdient, in Nacht und Schlaf zu versinken.

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