Westgartshausen „Wie eine neue Pfarrstelle“

Inga Keller ist seit Dezember 2016 Pfarrerin in Westgartshausen. Seit Juli ist sie auch für Goldbach zuständig.
Inga Keller ist seit Dezember 2016 Pfarrerin in Westgartshausen. Seit Juli ist sie auch für Goldbach zuständig. © Foto: Guido Seyerle
Westgartshausen / Johannes Ihle 22.08.2018
Die Kirchengemeinden Goldbach und Westgartshausen arbeiten seit Juli Hand in Hand. Pfarrerin Inga Keller spürt die Mehrarbeit

Zwei Kirchengemeinden, ein Pfarramt: Die Gemeinden Goldbach und Westgartshausen wurden Anfang Juli zusammengelegt. Das ist eines der Ergebnisse des Pfarrplans 2018, der im Zeitraum von 2013 bis 2018 im Kirchenbezirk Crailsheim die Streichung einer ganzen Stelle vorsah. Unter anderem wurde die Goldbacher 50-Prozent-Stelle gestrichen, die Pfarrerin Ursula Arend-Nonnenmann besetzt hat. Sie ging im Juni in den Ruhestand. Seitdem leitet Inga Keller, Pfarrerin in Westgartshausen, die Geschicke beider Kirchengemeinden in einer 100-Prozent-Stelle. Rund 1400 Kirchenmitglieder zählen beide Gemeinden zusammen.

Pfarrsitz in Westgartshausen

„Die Präsenz hat sich verändert“, sagt Keller über die neue Situation in den Gemeinden. „Ich muss an zwei Orten sein. Es gibt neue Arbeitswege, sowohl zu Fuß als auch digital im Büro.“ Ihren Pfarrsitz hat sie weiterhin in Westgartshausen. Im Dezember ist sie seit zwei Jahren dort. Das Pfarrhaus in Goldbach ist derzeit keine Option, denn dort wohnt eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien. Arend-Nonnenmann hat bereits zu ihrer aktiven Zeit mit ihrem Mann, Schuldekan Hans-Jürgen Nonnenmann, in Crailsheim gewohnt.

Dass Keller mehr arbeiten muss, spürt sie schon. „Das ist wie eine neue Pfarrstelle; das erste Jahr ist das schlimmste“, sagt sie und lacht. Man müsse neue Strukturen schaffen, sowohl für die Gemeinden im Einzelnen als auch gemeinsame. „Wo bringe ich was unter? Der Verwaltungsakt ist uneinsichtiger und schwieriger, als ich dachte.“

Nach wie vor sind Goldbach und Westgartshausen in zwei Kirchengemeinden aufgeteilt. Das heißt: Jede hat einen Kirchengemeinderat, es gibt zwei Kirchenpfleger, zwei Mesner, vieles bleibt beim Alten. Doch die Geschäftsführung beider Gemeinden wird zusammengefasst.

„Bei der Umsetzung gibt es relativ wenig Vorgaben von der Landeskirche“, sagt Keller. Klar, gebe es eine neue Geschäftsordnung oder gemeinsame Kirchengemeinderatssitzungen, in denen die Belange beider besprochen werden. Doch am Ende müsse jede Kirche selbst entscheiden, was in ihrer Gemeinde passiert.

Die große Sorge der Kirchgänger, dass an einem Ort keine Gottesdienste mehr stattfinden, ist unbegründet. „Die Gottesdienste laufen weiter an beiden Orten“, sagt Keller. Ändern wird sich, dass es vermehrt gemeinsame Gottesdienste geben wird. Einmal im Monat ist bisher angedacht. „Aber die gab es auch schon teilweise vor der Zusammenlegung.“ Im jährlichen Wechsel finden diese Gottesdienste in Goldbach beziehungsweise in Westgartshausen statt.

Synergieeffekte nutzen

Neue Strukturen könnte es auch in der Kinder- und Jugendarbeit geben. „Die Kinderkirchmitarbeiter treffen sich schon zur gemeinsamen Planung“, sagt die Pfarrerin. Der Austausch laufe gut: „Wir machen das so, ihr so, lasst es uns gemeinsam machen.“ Auch die Stimmung sei gut. Der Konfirmandenunterricht läuft bereits seit einigen Jahren zusammen.

Die Seniorenarbeit sei auf einem guten Weg, doch wolle man alte Strukturen hier nicht zwingend aufreißen. „Die Senioren aus Westgartshausen gehen seit Jahren nach Crailsheim. Das muss man ja dann auch nicht trennen.“

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