Sicherheit „Wellenbrecher haben sich bewährt“

Die Wellenbrecher am Engel-Zelt leisten gute Dienste. Die Sicherheitsleute haben ein leichteres Arbeiten als während des Volksfests im vergangenen Jahr. Dort drückten zu viele Volksfestgänger in der Warteschlange.
Die Wellenbrecher am Engel-Zelt leisten gute Dienste. Die Sicherheitsleute haben ein leichteres Arbeiten als während des Volksfests im vergangenen Jahr. Dort drückten zu viele Volksfestgänger in der Warteschlange. © Foto: Joachim Mayershofer
Crailsheim / JOACHIM MAYERSHOFER 22.09.2013
Binnen zehn Minuten verwandelt sich der Platz vor dem Engel-Zelt von einem dünn besiedelten Fleckchen Erde in die vollbepackte U-Bahn einer Metropole. Die Sicherheitsleute brauchen gute Nerven.

Am Samstag gegen 17.30 Uhr schlendern Volksfestbesucher noch gemütlich in und um das Engel-Zelt. Mit den Sicherheitsleuten am Eingang plaudert die blondgelockte Dirndl-Trägerin entspannt, beißt in ihre Bratwurst und kichert mit ihren Freundinnen, die am Eingang auf sie warten. Währenddessen bauen ein paar kräftige Männer mit wenigen Handgriffen Holzgeländer vor dem Zelt auf. Die mit Holzkreisen bedeckten Säulen, die den Nachmittag über als Stehtische dienen, werden in die so genannten Wellenbrecher integriert. Zwei Männer fixieren noch schnell zwei Schilder mit der Aufschrift „Ausgang“ und eines mit dem Wort „Eingang“ an der Front des Zelts. Die Szenerie hat wegen der vielen Trachten fast etwas von einer Feier in einem idyllischen Bergdorf. Wer vor 17.45 Uhr am Engel-Zelt ist, kommt dort ohne Probleme rein.

Keine zehn Minuten später ist das komplett anders. Hunderte Menschen drängen sich dicht an dicht. Jetzt beginnt für die Sicherheitsleute der Firma SDS – im und ums Zelt sind 40 Personen im Einsatz – die Phase, in der sie extrem starke Nerven brauchen. Dank der Wellenbrecher, die erstmals installiert sind, weil im vergangenen Jahr zu viele Besucher ins „Engel“ drückten, können sie aber deutlich entspannter arbeiten, berichtet SDS-Einsatzleiter Maik Wagner. Die Menschenmasse sei damit viel leichter zu kontrollieren. „Die Wellenbrecher haben sich bewährt“, sagt auch Christoph Jung, der Ordnungsamtsleiter der Stadt Crailsheim.

Dralle Dame will blank ziehen

Das ändert aber nichts daran, dass viele versuchen, abseits der geführten Warteschlange ins Zelt zu gelangen. Es gebe keine Ausrede, die er nicht schon gehört habe, sagt Wagner grinsend: Handy im Zelt vergessen, Frau ist schon drin, Kind ist allein rein. . . Es geht aber auch kreativer. „Wie viele Töchter der Festwirt hätte, ist wirklich Wahnsinn“, erklärt ein Kollege von Wagner lachend. Auch Geld bekomme man mitunter von den Feierwütigen offeriert. Und das Angebot, dass eine dralle Dame blank ziehen will, weil der charmante Augenaufschlag nicht wirkt, komme ebenfalls vor. Das alles verbiete sich aber, da man dem Auftraggeber gegenüber ja loyal sein will und alle Personen gleich behandeln wolle.

So müssen Kinder unter sechs Jahren zum Beispiel das Zelt verlassen, weil es zu voll und deshalb zu gefährlich sei – selbst wenn die Eltern dabei sind, greift diese Regelung. Wer ein bestimmtes farbiges Bändchen ums Handegelenk hat, darf als VIP den kurzen Weg ins Zelt nutzen. Für alle anderen gilt: Anstehen, auch wenn man das Zelt nur kurz verlässt und wieder hinein will. Gäste, die Tische reserviert haben, diese aber bis 18 Uhr nicht eingenommen haben, müssen sich ebenfalls einreihen, was zu einigen Diskussionen am Eingang führt. Die Sicherheitsleute weisen stets freundlich den Weg, auch wenn einige Gäste verbal ausfällig werden und zu provozieren versuchen. „Ich kann Sie nicht reinlassen, es tut mir leid.“ Eine Ansage übers Megafon oder ein lauter Schrei hilft, um die große Masse zu bändigen. Meistens verhielten sich die Wartenden aber „lammfromm“, berichtet ein Sicherheitsmann. „Schließlich wollen sie ja ins Zelt und sich von ihrer guten Seite präsentieren.“ Nur bei einzelnen Unbelehrbaren müsse man handgreiflich werden.

Deutlich voller als am Freitag

Gegen 18.45 Uhr wird der Zugang erstmals für längere Zeit gestoppt, am Freitag war dies gut 45 Minuten später der Fall. „Der Samstag war schon der Haupttag, das hat man auch gemerkt“, erklärt Wagner. Zwischen 18.45 und 21 Uhr brauchen die Besucher gutes Stehfleisch und Geduld. Nur im „Trippelgang“, wie es der Sicherheitsexperte beschreibt, geht’s vorwärts. Später dürfen die Besucher wieder kleingrüppchenweise ins Zelt. Immer abwechselnd links und rechts, damit die Gäste im Zelt auf beiden Seiten gleichmäßig verteilt sind „Es war deutlich voller als am Freitag, aber der Pulk hat sich auch schneller aufgelöst“, sagt Wagner, der eine zufriedene Bilanz des Volksfests zieht.

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