Crailsheim S-Bahn-Verlängerung: „Verkehrlich nicht sinnvoll“

Crailsheim / Jens Sitarek 18.05.2018
Die Bayerische Eisenbahngesellschaft und das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr erteilen der S-Bahn-Verlängerung von Dombühl nach Crailsheim eine Absage.

Das Ergebnis lässt sich sehen, aber mehr als einen symbolischen Wert haben die mehr als 2500 Unterschriften für die S-Bahn-Verlängerung von Dombühl nach Crailsheim, die FDP-Kreisvorsitzender Stephen Brauer in einer überparteilichen Aktion mit dem Crailsheimer Ortsverband gesammelt hat, wohl vorerst nicht.

Der FDP-Landtagsabgeordnete ­Dr. Friedrich Bullinger übergab die Listen anlässlich einer Plenarsitzung am 9. Mai dem baden-­württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann. Neben weiteren Abgeordneten aus der Region, darunter die grüne Landtagsabgeordnete Jutta Niemann, waren auch Brauer und der Crailsheimer Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer, der das Projekt ebenfalls unterstützt, in Stuttgart dabei.

Und was sagte Hermann? Er versprach, sich der Sache verstärkt anzunehmen und mit Vertretern der bayerischen Staatsregierung zeitnah über die Modalitäten einer Realisierung des Vorhabens zu sprechen. So steht es in einer Presseerklärung von Bullinger. Der FDP-Mann verwies gegenüber dem Verkehrsminister auf den einstimmig gefassten Beschluss des Verkehrsausschusses des Bayerischen Landtags, der eine wohlwollende Prüfung der S-Bahn-Verlängerung vorsieht.

Wer sich mit dem Thema beschäftigt, erfährt schnell, dass die Federführung bei dem Land mit dem größeren Teilstück liegt. Von den 90 Kilometern zwischen Nürnberg und Crailsheim liegen 80 in Bayern und zehn in Baden-Württemberg. Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr in Bayern ist die Bayerische Eisenbahngesellschaft, kurz BEG, eine hundertprozentige Tochter des Freistaats.

Nachfrage bei der BEG. Antwort: „Eine Verlängerung der Nürnberger S-Bahnlinie S4 von Dombühl nach Crailsheim ist derzeit nicht Gegenstand der länderübergreifenden Planungen zwischen Baden-Württemberg und Bayern.“ Und: „Insgesamt ist der verkehrliche Nutzen der S-Bahn-Verlängerung im Verhältnis zu den Kosten zu gering.“ Das sind die Sätze, die sofort hängenbleiben.

„Systematische Busanschlüsse“

Die Begründung der BEG zieht sich über mehrere Absätze hin und geht bis ins Detail. Sie beginnt beim Fahrplanwechsel am 9. Dezember vergangenen Jahres und damit der S-Bahn-Verlängerung von Ansbach nach Dombühl. Das Betriebskonzept sei „deutlich ausgeweitet“ worden und sehe eine alternierende Bedienung der Stationen Leutershausen-Wieders­bach und Dombühl durch jeweils zweistündlich verkehrende RE-Züge von Nürnberg über Crailsheim nach Stuttgart und die ebenfalls zweistündlich verkehrende Nürnberger S-Bahn vor. RE steht für Regional-Express. An beiden Stationen bestünden „systematische Busanschlüsse ins Umland“.

In einem nächsten Schritt werde mit dem neuen Wettbewerbsnetz „Netz 3a: RE Nürnberg – Stuttgart“ ab 12/2019 das zweistündliche Expressangebot zwischen Nürnberg und Crailsheim um zwei Abendzüge nach 22 Uhr ausgeweitet, schreibt die Eisenbahngesellschaft weiter. Zusätzlich zum zweistündlichen RE Nürnberg – Stuttgart würden in der Zwischenstunde die IC-Züge Nürnberg – Stuttgart – Karlsruhe sowie während der Hauptverkehrszeit am Morgen und am Nachmittag zwischen Crailsheim und Ansbach einzelne Züge für den Berufsverkehr verkehren.

140 000 Kilometer pro Jahr mehr

Darüber hinaus müssten für eine Verlängerung von acht täglichen Zugpaaren der S-Bahn zwischen Dombühl und Crailsheim circa 140.000 Zugkilometer (bayerischer Anteil: 80.000) zusätzlich bestellt werden, „deren verkehrlicher Nutzen sich ohne Fahrplanänderungen auf baden-württembergischer Seite weitgehend nur auf den Binnenverkehr von und nach Crailsheim sowie eine bessere Anbindung Schnelldorfs beschränken würde“. Zudem müsse die Beschaffung einer weiteren S-Bahn geprüft werden.

Problem Barrierefreiheit

Und dann ist da ja noch die Barrierefreiheit: In Dombühl und Schnelldorf müssten die Bahnsteige auf 76 Zentimeter erhöht werden, heißt es, und der Bahnhof in Crailsheim müsste wie der in Dombühl ausgebaut werden. Und wenn die S-Bahnen nicht mehr in Dombühl, sondern in Crailsheim, wendeten, „könnten vom Bund verlorene Investitionskosten geltend gemacht werden“.

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft ist dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr untergeordnet. Davor war sie beim Innenministerium angedockt. Die BEG-Antwort war allerdings nicht mit dem Ministerium abgestimmt, wie eine erneute Nachfrage bestätigt. Diese Abstimmung gab es später – in die andere Richtung: „Das bayerische Verkehrsministerium teilt die fachliche Einschätzung der BEG. Eine Verlängerung der S-Bahn von Nürnberg bis Crailsheim ist demnach verkehrlich nicht sinnvoll. Eine detaillierte Begründung dieser Bewertung ist Ihnen ja schon vonseiten der BEG übersandt worden.“

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