Kirche „Total gepackt“ von Agrarthemen

Landesbauernpfarrerin Gabriele Walcher-Quast vor der Heimvolkshochschule in Hohebuch. Die 57-Jährige ist die Nachfolgerin von Pfarrer Dr. Jörg Dinger, der im Herbst 2016 nach acht Jahren verabschiedet wurde und auf die Pfarrstelle Öhringen-West wechselte.
Landesbauernpfarrerin Gabriele Walcher-Quast vor der Heimvolkshochschule in Hohebuch. Die 57-Jährige ist die Nachfolgerin von Pfarrer Dr. Jörg Dinger, der im Herbst 2016 nach acht Jahren verabschiedet wurde und auf die Pfarrstelle Öhringen-West wechselte. © Foto: Bettina Lober
Bettina Lober 08.01.2018

Man braucht drei Jahre, bis man richtig angekommen ist“, sagt Gabriele Walcher-­Quast – und beschreibt damit ihre Erfahrungen in Sachen Neuanfang. „Anfangs kommen die Dinge einfach auf einen zu“, erklärt sie. Im zweiten Jahr wiederhole sich einiges, und ab dem dritten Jahr könne man „eher gestalten“. Seit gut vier Monaten ist die 57-Jährige nun Landesbauernpfarrerin der Evangelischen Landeskirche. Mit dem auf zehn Jahre befristeten Amt ist auch die Leitung der ländlichen Heimvolkshochschule Hohebuch verbunden. Klar, dass die Theologin noch mitten in der Einarbeitung ist.

Mit der Tagung der Bezirksbauernpfarrer im Herbst und der Betreuung der Kursjubiläen hat sich Walcher-Quast gleich in die Arbeit gestürzt. Gerade die Vorbereitung jener Jubiläen, bei denen sich Absolventen der Hohebucher Grundkurse zur Persönlichkeitsbildung nach Jahrzehnten wiedertreffen, habe ihr auch die Veränderungen in der Landwirtschaft erneut vor Augen geführt. Die Frage „Wachsen oder weichen?“ treibe die Bauern seit Jahrzehnten um.

Als Landesbauernpfarrerin begleitet Walcher-Quast die Entwicklungen der Landwirtschaft, vor allem die Landwirtsfamilien. Diese können nämlich unter Druck geraten, müssen sich mit allerhand Zweifeln auseinandersetzen. „Wichtig ist ein Dialog der Landwirtschaft auf Augenhöhe auch mit anderen gesellschaftlichen Akteuren“, erklärt Walcher-Quast. Denn: Ob Klima, biologische Vielfalt, Energie, Boden, Gentechnik, Ernähung, Ethik – „Landwirtschaft hat mit so vielen Zukunftsthemen zu tun“. Für viele Landwirte und deren Familien stelle sich die Frage: Wie damit umgehen?

Hohebuch, der Sitz des Evangelischen Bauernwerks und der ländlichen Heimvolkshochschule, sei ihr seit jeher ein Begriff gewesen, erzählt die 57-Jährige. Auch ihr Vater habe einst einen Grundkurs in Hohebuch absolviert. Sie selbst schlage mit der neuen Aufgabe auch einen Bogen – nicht nur thematisch, sondern auch geografisch, weil sie ihr Ausbildungsvikariat in Schrozberg absolviert hat.

Wie komplex die Landwirtschaft und wie wichtig ihre Vielfalt ist, dies sei ihr während des Studiensemesters erneut klar geworden. Zur Vorbereitung auf ihre neue Aufgabe streifte Gabriele Walcher-Quast im vergangenen Jahr an der Universität Hohenheim durch die Hörsäle. „Agrarwissenschaft hat mich total gepackt. Ich habe Vorlesungen über Graslandwissenschaften oder Technik der Tierhaltung gehört“, schwärmt sie. Demnach habe das Semester auch einige ihrer „alten Interessen“ wie Biologie und Chemie neu geweckt. Aus Hohenheim nehme sie jedenfalls viele Impulse mit.

Zwischen Seelsorge und Diskurs

Als Landesbauernpfarrerin arbeitet sie nun in dem Feld zwischen Seelsorge und Diskurs, Theologie und Agrarwirtschaft. Gabriele Walcher-Quast gestaltet unter anderem Gottesdienste, hält Vorträge, sie entwickelt Materialien für Erntebittgottesdienste. Übrigens: Wenn alles klappt, soll der ZDF-Gottesdienst im Herbst aus Hohenlohe kommen, sagt Gabriele Walcher-Quast. Das notwendige Kameratraining habe sie jedenfalls bereits absolviert.

Was also die Einarbeitung betrifft, da halte sie es ganz so, wie es einer ihrer früheren Chefs einmal formulierte: „Bei der Arbeit lernen wir uns kennen“, zitiert ihn Walcher-Quast. Das sei wohl ihr Wesenszug. Und darin ähnele sie auch ihrem Mann Uwe Quast, der Pfarrer in Wasseralfingen ist: „Wir sind ein bisschen exzessive Schaffer“, meint sie lächelnd.

Von der oberschwäbischen Bauerntochter zur Landesbauernpfarrerin

Gabriele Walcher-Quast ist 57 Jahre alt. Sie wurde im oberschwäbischen Unterbalzheim geboren und ist in einer Landwirts- und Metzgerfamilie aufgewachsen. Früh engagierte sie sich in der Kinderkirch- und Jugendarbeit ihrer Gemeinde. Ihr Theologiestudium führte sie nach Tübingen, Kiel und Heidelberg. Ihr Ausbildungsvikariat absolvierte sie in Schrozberg, das Pfarrvikariat in Grüntal (Dekanat Freudenstadt) und Ersingen (Dekanat Biberach). Während der Elternzeit – die Theologin hat drei Kinder, die heute 26, 24 und 21 Jahre alt sind – machte sie mehrere Praktika und Fortbildungen. 2001 trat sie die Stelle der Industrie- und Sozialpfarrerin an der evangelischen Akademie Bad Boll an. Im Februar 2010 wurde Gabriele Walcher-Quast geschäftsführende Pfarrerin der Kirchengemeinde Herbrechtingen. Bis zu ihrem Dienstantritt Anfang September 2017 als Landesbauernpfarrerin und Leiterin der Heimvolkshochschule Hohebuch hat sie sich in einem Kontaktsemester mit Theologie- und Agrarthemen befasst.

Ihr Mann Uwe Quast ist ebenfalls Pfarrer und leitet seit eineinhalb Jahren die evangelische Kirchengemeinde Wasseralfingen-Hüttlingen. Die Quasts wohnen in Wasseralfingen. In ihrer Freizeit geht Gabriele Walcher-Quast mit ihrem Hund spazieren, wandert „in erreichbaren Gefilden“ und schmökert auch mal gerne in Krimis. blo