Kreis Hall „Tieren geht es heute deutlich besser“

Den Puten, wie den Rindern und Schweinen, schadet die Hitze nicht, sagen Fachleute. Viel mehr Sorgen bereitet die sich abzeichnende Futterknappheit.
Den Puten, wie den Rindern und Schweinen, schadet die Hitze nicht, sagen Fachleute. Viel mehr Sorgen bereitet die sich abzeichnende Futterknappheit. © Foto: Birgit Trinkle
Kreis Hall / Birgit Trinkle 14.08.2018
Hitze gilt in der Tierhaltung als unproblematisch, solange frische Luft in die Ställe gebracht und  ausreichend Trinkwasser zur Verfügung gestellt wird.

Bis zum 23. August dauern die Hundstage noch an – theoretisch wird’s in keiner anderen Zeitspanne in Europa so heiß. Praktisch gibt der Hochsommer heuer alles, dem gerecht zu werden. Die Hunde-Wendung bezieht sich auf eine längst nicht mehr aktuelle Sternenkonstellation, aber wer Haustiere hat, weiß, dass bei Temperaturen über 30 Grad kaum ein Hund freiwillig den Schatten verlässt. Wie geht es nun aber in dieser Bruthitze den Schweinen, Puten, Kühen, Kälbern? Und was kommt auf die Landwirte zu, wenn es nicht sehr bald sehr viel regnet?

Tiemo Hofmann vom Landwirtschaftsamt und Dr. Werner Schreiber vom Veterinäramt des Landkreises geben Entwarnung: Unabhängig von den Haltungsbedingungen passten sich auch Tiere bei sehr hohen Temperaturen „mit einem Rückgang der biologischen Leistungsfähigkeit“ an; das trage zum Wohlbefinden bei. Vor allem werde dem Problem mit Technik begegnet. So haben moderne Rinderlaufställe überwiegend offene Seiten; mobile Vorhänge werden komplett geöffnet, damit der Wind den Luftaustausch im Stall fördert. Ähnliches gibt es bei Putenställen: Große Lüfter sorgen für Luftbewegung in den Offenställen. Die Temperatur in klimatisierten Ställen wird durch hoch technisierte Lüftungseinrichtungen reguliert, die Frischluft dabei teilweise aus kühleren Gebäudeteilen angesaugt – dann ist’s drinnen kühler als draußen. Nach der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung muss in solchen Fällen eine Alarmanlage vorhanden sein, die dem Landwirt etwa bei Stromausfall sofort den Ausfall der Lüftung meldet. Zusätzlich sind Ersatzvorrichtungen gesetzlich vorgeschrieben. In vielen Ställen werden Tiere oder Laufgänge mittlerweile mit Wasser besprüht; dadurch kommt es ebenfalls zu einer Temperaturabsenkung.

Luft, Schatten, Wasser

Weidehaltungen sind dann problematischer, wenn Schatten fehlt. Deshalb sind in der Tierhaltung  Schutzhütten oder Baumgruppen als Unterstand vorgeschrieben. Wird das alles auch umgesetzt? Schreiber sagt, das Veterinäramt kontrolliere ganzjährig „risikoorientiert“; dieser Tage werde also darauf geachet, dass die technischen Einrichtungen zur Temperaturregulation funktionieren und den Tieren ausreichend Wasser zur Verfügung steht.

In Uraltställen könnten sehr wohl Probleme entstehen, so Helmut Bleher, Geschäftsführer des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems:  „Der Strukturwandel hat diese Haltungen aber in den letzten Jahrzehnten abgeschafft.“ Die Gegenwart mit ihren großräumigen Ställen und all der Technik habe nichts mehr zu tun mit den „alten, engen und niedrigeren, oft noch feuchten Ställen der Vergangenheit in Anbindeställen“, erklärt er, warum es den Tieren  heute besser geht. „Das heutige Stallklima ist deutlich angenehmer als die Situation an der frischen Luft.“

Sorgen der Tierhalter

In der Crailsheimer Chronik von 1893 findet sich die Katastrophenmeldung: „In der Landwirtschaft herrscht Futternot.“ Heute ist das keine existenzielle Bedrohung mehr. Zudem kann derzeit in der Region noch nicht von Futterknappheit gesprochen werden, wie Bleher sagt. Wohl aber von einer „annähernd dramatisch zu nennenden Trockenheit“, die von Landstrich zu Landstrich unterschiedlich ausfalle. Er freue sich deshalb sehr an Hilfsangeboten von Landwirten, die offenbar bereit und in der Lage sind, Mais abzugeben.

Wenn die Trockenheit anhalte und keine weiteren Schnitte auf Äcker und Wiesen aufwachsen, könne es bedrohlich werden, so Bleher. Der bundesweit diskutierte Mangel an Viehfutter sei in jedem Fall Thema im Landkreis. „Sicher wird dieses Jahr ein guter Teil Futter fehlen. Bei uns ist es aber bei Weitem nicht so dramatisch wie im Osten oder Norden Deutschlands.“ Dort fehle nun im zweiten Jahr in Folge Futter. Rinderbestände würden entsprechend abgebaut, was 2019 zu einer Verknappung von Rindfleisch führen könne. „Anhaltende Dürre lässt die Nachfrage nach Kälbern deutlich sinken“, meldete der Ansbacher Kälbermarkt bereits Anfang August.

Bei Schweinen und Geflügel sei von den Getreideäckern bis zu ein Drittel weniger Ertrag zu erwarten, und Futter müsse teuer eingekauft werden: Aufgrund des globalen Marktzusammenhangs stiegen die Preise im Fleischbereich aber kaum. „Unsere Erzeuger tun sich schwer, bei steigenden Futterkosten wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Letzlich litten die tierhaltenden Betriebe am meisten unter der Trockenheit. Es wird Zeit, dass es regnet.

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