Kunstbetrachtung „Tausende von Jahren im Himmel“

Das Grabmal von Kaspar Ziegler und Margaretha Kölerin hat ein ungewöhnliches, weil fast quadratisches Format. Die Platte mit der Nennung der Verstorbenen wurde später eingefügt.
Das Grabmal von Kaspar Ziegler und Margaretha Kölerin hat ein ungewöhnliches, weil fast quadratisches Format. Die Platte mit der Nennung der Verstorbenen wurde später eingefügt. © Foto: Helga Steiger
Crailsheim / Helga Steiger 17.11.2018
In der Gottesackerkapelle befinden sich bemerkenswerte Grabdenkmale. Das von Caspar Ziegler und Margaretha Kölerin beeindruckt durch aufwendige Gestaltung.

Die Gottesackerkapelle auf dem Ehrenfriedhof wurde in den Jahren 1579/80 errichtet. Bis dahin hatte der 1545 vor der Stadt angelegte Friedhof keine eigene Kapelle, was offenbar als Mangel empfunden wurde: Zahlreiche Crailsheimer stifteten zum Neubau teils große, teils kleine Summen, sodass die Errichtung der Kirche als Gemeinschaftswerk der Bürgerschaft betrachtet werden kann. Eine große Steintafel im Inneren nennt die wichtigsten Stifter in Form eines Reimgedichts. Offenbar wollte die begüterte Crailsheimer Bürgerschaft nicht vergessen werden. Viele setzten sich zusätzlich ein persönliches Denkmal mit einem meist runden Totenschild oder gar einem steinernen Grabmal.

Die Hauptstifter ließen sich – trotz Einführung der Reformation und trotz eines veränderten Verständnisses vom Kirchenraum – in der Kirche bestatten. Dabei gilt oft: Je hochrangiger die Person, umso näher wünschte sie sich eine Bestattung beim Hauptaltar im Chor.

Unüblich quadratisch

So finden sich noch heute Grabplatten im Fußboden des Chors der Kapelle. Einige wurden bei vorangehenden Restaurierungsmaßnahmen ausgebaut und an den Wänden aufgestellt. Besonders auffällig ist die Grabplatte für Kaspar Ziegler und seine Frau Margaretha Kölerin, seit 1988 an der Westwand. Entgegen der üblichen Form ist sie nicht längsrechteckig, sondern mit etwa 170 mal 160 Zentimetern Kantenlänge annähernd quadratisch. Ein schmaler Lorbeerkranz bildet ein großes, rundes Mittelfeld aus. In tiefem Relief sind dort die Wappen von Kaspar und Margarethe mit aufgesetzten Helmzierden eingearbeitet, für die Ziegler ein schreitender Löwe auf gespalte­nem Schild und für die Köler ein Dreiberg mit eingehauenem Beil. Neben den Wappen sind sich aufrollende Laubblätter kunstvoll arrangiert. Um den Lorbeerkranz findet sich ein Rahmen mit einem Rollwerkornament, das aufgelegte Alabasterleisten mit einer Inschrift einfasst. Der Anfang der Inschrift mit den Namen des Paares ist zwar verloren, doch bringt der erhaltene Teil die Verbundenheit des Ehepaars in Vergangenheit und Zukunft besonders innig zum Ausdruck. Harald Drös, der die Inschriften des ehemaligen Landkreises Crailsheim bearbeitet hat, übersetzt aus dem Lateinischen: „Die Gebeine beider (…) deckt dieser Stein. Dreimal neun Jahre habt ihr auf der Erde in gemeinsamer Ehe gelebt, lebt Tausende von Jahren im Himmel!“

Zwar spielerisch, aber dennoch deutlich sind die weiteren Hinweise auf den Tod und das Jüngste Gericht: In den Zwickeln zwischen rundem Mittelfeld und den Ecken der Platte tummeln sich geflügelte Putten, die beiden unteren mit Totenschädeln und Stundengläsern, die beiden oberen mit Posaunen.

Oben im runden Mittelfeld wurde offenbar nachträglich eine kleine Platte eingesetzt, auf der vermerkt ist, dass am 26. Februar 1588 Kaspar Ziegler und am 24. August 1588 seine Hausfrau Margaretha Kölerin starben. Zudem ist festgehalten, dass Kaspar Ziegler 27 Jahre in Crailsheim das Amt des Kastners versehen hat, das heißt, er hat für den Markgraf von Brandenburg-Ansbach Steuern und Naturalabgaben eingezogen und verwaltet. Zudem war er für die Rechtsprechung zuständig. Somit gehörte er zu den wichtigsten Personen in der Stadt.

Erst zehn, dann 100 Gulden

Zum Bau der Gottesackerkapelle hatte Kastner Ziegler zunächst zehn Gulden gestiftet. Für die Anschaffung der ersten beiden Glocken stifteten er und seine Frau sogar 100 Gulden. Die größere trug den Namen Kaspars, die kleinere jenen Margarethas als Stifterinschrift. Auf der eingangs erwähnten Stiftertafel der Kapelle ist festgehalten, dass Ziegler die Glocken für seine beiden Söhne Kaspar und Konrad gestiftet habe. Die beiden Glocken hingen bis 1903 auf dem Turm der Kapelle, dann wurden sie zur Anschaffung eines neuen Geläuts verkauft, „…weil das Geläute zu jämmerlich war…“, wie es in der Pfarrbeschreibung von 1905 heißt. So erinnert an den langjährigen markgräflichen Beamten und seine Ehefrau nach wie vor ihr ungewöhnliches Grabmal.

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