Baugenossenschaft „Stehen für bezahlbaren Wohnraum“

Crailsheim / Andreas Harthan 11.10.2018
Im Jubiläumsjahr 2019 wird ein weiteres Millionenprojekt in Crailsheim realisiert. Vorstandsvorsitzender Münkle fordert Politiker auf, nicht nur an Großstädte zu denken.

Für Thomas Münkle ist es die soziale Frage der Gegenwart: der Wohnungsbau. Er muss es wissen, denn er ist Vorstandsvorsitzender der Crailsheimer Baugenossenschaft. Sie verzeichnet eine starke Nachfrage nach bezahlbaren Wohnungen, berichtete er bei der Mitgliederversammlung der Genossenschaft, die im nächsten Jahr 100 Jahre alt wird. Er hob hervor, dass es „Kernthema“ der Genossenschaft bleiben wird, preisgünstige Mietwohnungen bereitzustellen.

Solide und stabil

Münkle wörtlich: „Damit leisten wir einen entscheidenden Beitrag dafür, dass Crailsheim eine Stadt für alle bleibt.“ Er verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die durchschnittliche Miete in diesem Jahr über den gesamten Wohnungsbestand hinweg bei 5.30 Euro pro Quadratmeter liegt – und das, obwohl eine Mieterhöhung im vergangenen Jahr stattgefunden hat und trotz des 3,3 Millionen Euro Neubaus im Stadtteil Türkei. Bei der Baugenossenschaft stehe nicht die Rendite im Vordergrund, sondern die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum. Wobei Münkle am Dienstag in der Sport- und Festhalle in Ingersheim nicht vergaß, auf die guten Bilanzzahlen der Genossenschaft hinzuweisen. Solidität und Stabilität seien die Grundpfeiler der Geschäftspolitik in bisher 99 Jahren gewesen – „unabhängig von Politik und Parteien“.

Das, so Münkle, solle auch im 100. Jahr des Bestehens so bleiben. Um dem eigenen Anspruch, breiten Bevölkerungsschichten bezahlbaren Wohnraum anbieten zu können, gerecht zu werden, nimmt die Genossenschaft im nächsten Jahr ein weiteres Großprojekt in Angriff: Im Hammersbachweg wird ein Altbau (zwölf Wohnungen) aus den 1950er-Jahren abgerissen, und durch einen Neubau (17 Wohnungen) ersetzt. Der Baubeginn ist für März 2019 vorgesehen, die ersten Mieter sollen Ende 2020 einziehen (im vergangenen Jahr wurde im Stadtteil Türkei ein Neubauprojekt mit 43 Wohnungen realisiert).

Weil für Münkle die Bereitstellung von genügend Wohnraum die wichtigste soziale Frage der Jetztzeit ist, fordert er die Politiker zum Handeln auf. Deren Fokus dürfe nicht nur auf den Großstädten und Ballungsgebieten liegen. „Gerade die Städte in ländlichen Regionen müssen mehr in die Überlegungen für bezahlbaren Wohnraum einbezogen werden“, unterstrich er. Nach seiner Einschätzung könnten Städte wie Crailsheim Ballungsregionen „signifikant entlasten“, aber nur dann, wenn auch im ländlichen Raum die Rahmenbedingungen stimmen.

Dazu gehören für ihn bezahlbare Grundstücke, schnellere Genehmigungsverfahren, interessante Förderprogramme, gute Verkehrsanbindungen – und auch schnelles Internet. Der Vorstandsvorsitzende betonte: „für weitere Neubauprojekte hoffen wir auf ein Umdenken in der Wohnungspolitik, sowie auf die Unterstützung der Stadt Crailsheim – und damit auf Rahmenbedingungen, die gutes und bezahlbares Wohnen ermöglichen.“ Apropos Stadt: Zum ersten Mal seit vielen Jahren nahm kein Vertreter des Rathauses an der Versammlung teil, was auf Verwunderung und Kritik stieß.

„Hoher Bedarf“

Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Belzner hob ebenfalls hervor, dass Wohnungsnot nicht nur ein Problem in Großstädten ist. Auch in Crailsheim gebe es einen „hohen Bedarf“. Wie Münkle hob auch Belzner hervor, dass Baugenossenschaften umso erfolgreicher sein können, je günstiger ihr Umfeld ist. Da seien Bund und Land gefordert, aber auch die Kommunen. In Bezug auf Crailsheim denkt Belzner etwa an günstiges Bauland in den vielen Baugebieten, die die Stadt in jüngerer Zeit ausgewiesen hat. Er hat aber auch die vielen „veralteten“ Bebauungspläne in der Stadt im Blick, die verhinderten, was die Stadt zum Motto erhoben hat: Verdichtetes Bauen im Innern, um möglichst wenig neue Baugebiete auf der grünen Wiese ausweisen zu müssen.

Der Aufsichtsratsvorsitzende brachte auch die vom Gemeinderat vor einiger Zeit abgelehnte Erstellung eines Mietspiegels wieder ins Gespräch. Dieser trifft Aussagen zur ortsüblichen Miete. Die wiederum ist wichtig bei der Frage, ob es Zuschüsse für den Bau von Sozialwohnungen gibt. Fördergeld gibt’s, so Belzner, nur, wenn die Miete für solche Wohnungen ein Drittel unter der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt.

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