Wie geht Gemeinschaftsschule? Diese Frage stand im Zentrum des Aktionstags der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit der Landesvorsitzenden Doro Moritz am Dienstagnachmittag in der Eichendorffschule. Sechs Jahre nach Einführung der neuen Schulart als Wahlangebot für die Kommunen und die Eltern in Baden-Württemberg haben sich die vier Gemeinschaftsschulen (GMS) des Altkreises Crailsheim – GMS Rot am See, Eichendorffschule und Leonhard-Sachs-Schule in Crailsheim und Wilhelm-Sandberger-Schule in Frankenhardt-Honhardt – vorgestellt und ihre Arbeitsweise dargelegt.

315 öffentliche und private Gemeinschaftsschulen gibt es aktuell im Land, und doch ist die Schulform nach wie vor in der Diskussion. Die Veranstaltung in Crailsheim sollte deshalb auch ein klares Bekenntnis zu einer Schulart ablegen, über die, wie Doro Moritz feststellte, „sehr viele reden und die nur sehr wenige kennen“. Den Beweis dafür, dass die Gemeinschaftsschulen sich gut etabliert hätten, lieferten, so Moritz, die Ergebnisse der Mittlere-Reife-Prüfung.

Gute Resultate

Im vergangenen Schuljahr haben die GMS-Starterklassen bei den Prüfungen gut abgeschnitten: Im Durchschnitt waren die GMS-Schüler in den Hauptfächern Deutsch und Englisch nur ein Zehntel schlechter als die Realschüler, in Mathe betrug der Unterschied zwei Zehntel. Gemeinschaftsschüler, die auf erweitertem Niveau lernten, wechselten ohne Prüfung in die Oberstufe. „Man darf nicht vergessen, dass deutlich mehr Schüler mit einer Hauptschulempfehlung aus der Grundschule die Mittlere Reife gemacht haben“, sagte die GEW-Landesvorsitzende. „47 Prozent kommen mit einer Hauptschulempfehlung und gehen mit der Mittleren Reife.“

Die Erfolgsgeschichten der Schulen und besonders der Schüler sei in erster Linie den Lehrkräften und Schulleitungen zu verdanken, die unter beträchtlichem Arbeitseinsatz die Gemeinschaftsschulen aufgebaut haben. Auch die Schulträger hätten Anteil an diesem Erfolg, schließlich steckten sie erhebliche finanzielle Mittel in den Schulbau und die Ausstattung.

Es sei wichtig, dass Eltern dem Lernen in der GMS Vertrauen schenkten, obwohl sie aushalten müssten, dass ihr Kind anders lernt, als sie selbst es erlebt hätten und sie darüber hinaus die Diskreditierung der Gemeinschaftsschule aushalten müssten. Moritz: „Das Ergebnis gibt ihnen recht. Mich beeindrucken die starken Schülerpersönlichkeiten, die selbstbewusst, motiviert und zielgerichtet ihr Lernen gestalten. Das ist es, was unsere Gesellschaft und unsere Arbeitswelt braucht.“

Komplexe Aufgaben

Kritiker bemängeln oft, dass die neue Schulart in Bezug auf personelle und finanzielle Ressourcen gegenüber den Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien im Land bevorzugt werde. Die GEW-Landesvorsitzende hält die Unterstützung jedoch für gerechtfertigt. Gleichbehandlung bedeute für sie, dass jede Schulart das bekomme, was sie brauche, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Moritz: „Keine Schulart hat so komplexe Aufgaben wie die Gemeinschaftsschule: Ganztag, Inklusion, individuelles Lernen auf unterschiedlichen Niveaus, Vorbereitung auf alle allgemeinbildenden Abschlüsse.“ Dafür bräuchten sie professionelle Begleitung bei ihrer Schul- und Unterrichtsentwicklung und die Schulträger an ihrer Seite.

Dies wurde auch in der Podiumsdiskussion deutlich, in der sich Schüler und Elternvertreter sowie Lehrer und Rektoren der vier Gemeinschaftsschulen lobenden und tadelnden Aussagen stellten, die Gemeinschaftsschüler in einer Umfrage über ihre Schule getroffen hatten. Bei allen Vorzügen von gegenseitiger Unterstützung über Lernfreude bis hin zur Persönlichkeitsstärkung klang mehrfach an, das der verbindliche Nachmittagsunterricht flexibler geregelt werden sollte. Dieses Thema sollte Doro Moritz mit nach Stuttgart nehmen.

Lehrer und Schüler gaben am Aktionstag praxisnahe Einblicke in den Unterricht – von gemeinsamem Lernen und Lernplanarbeit über das Coaching bis hin zur Organisation der Stundenpläne. Dabei wurde deutlich, dass jede Gemeinschaftsschule ihre eigene Ausprägung hat. „Es wurden Konzepte entwickelt, die zur jeweiligen Schule passen“, so Schulamtsdirektorin Bettina Hey vom staatlichen Schulamt Künzelsau: „Die Gemeinschaftsschule ist eine gute Antwort auf die Heterogenität unserer Gesellschaft.“

Am Ende des Nachmittags, der viel Wissenswertes rund um die neue Schulart vermittelte, waren sich Kommunalpolitiker, Pädagogen und Eltern einig: „So geht Gemeinschaftsschule!“

Förderung der Eigenverantwortung


Die ersten Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg gingen im Schuljahr 2012/13 an den Start. 2013/14 wurde Rot am See GMS, ein Jahr später folgten die Eichendorffschule, die Leonhard-Sachs-Schule (beide Crailsheim) und die Wilhelm-Sandberger-Schule in Frankenhardt-Honhardt.

Die verbindliche Ganztagsschule bietet Standards der Hauptschule, der Realschule und des Gymnasiums an. Sie fördert die Eigenverantwortung der Schüler und stärkt die Kinder. hof