Obersontheim "Man lässt immer ein Stück zurück"

Nach sieben Jahren Pfarrdienst in der Kirchengemeinde Untersontheim ziehen Pfarrer Thomas Ranz und seine Frau Ingrid im Oktober nach Bitzfeld im Kirchenbezirk Weinsberg. Das Bild zeigt sie vor der Untersontheimer Kirche. Foto: Christ
Nach sieben Jahren Pfarrdienst in der Kirchengemeinde Untersontheim ziehen Pfarrer Thomas Ranz und seine Frau Ingrid im Oktober nach Bitzfeld im Kirchenbezirk Weinsberg. Das Bild zeigt sie vor der Untersontheimer Kirche. Foto: Christ
Obersontheim / MICHAELA CHRIST 22.09.2012
Der evangelische Oberkirchenrat empfiehlt seinen Pfarrern, etwa alle acht bis zehn Jahre die Stelle zu wechseln. Daran hält sich Pfarrer Thomas Ranz in Untersontheim. Am Sonntag wird er feierlich verabschiedet.

"Man lässt immer ein Stück zurück", sagt Pfarrer Thomas Ranz, während er vom Pfarrhaus zur Kirche "Zu allen Heiligen" in Untersontheim geht. Ein Weg, der ihm mehr als vertraut ist. Der Kirchenschlüssel findet den Weg ins Schlüsselloch der neu restaurieren Kirchentüre wie von allein.

Doch wird er bald nicht mehr von der Hand des schlanken, groß gewachsenen Pastors geführt. Den Händen mit den auffallend langen Fingernägeln an der rechten und den kurz geschnittenen an der linken. Hände eines Gitarrenspielers. Die hier viel musiziert, gebetet, Gottesdienst gefeiert haben.

Der Weggang von Pfarrer Ranz aus der Kirchengemeinde Untersontheim ist fester Bestandteil des Weges evangelischer Pfarrer. "Im Ruhestand blicken wir alle auf mindestens drei bis vier Stellen zurück", erzählt der 54-Jährige. Veränderungen, die dem Wohle beider Seiten dienen sollen. Denn ein Pfarrer einer Dorfgemeinde sei immer Generalist, ein Mensch, der in seinen Aufgaben nicht einzig auf ein Gebiet festgelegt ist, sondern auf viele. Im Falle der Pfarrer als christliche Wegbegleiter ihrer Gemeinde von der Taufe bis ins Grab. In dieser Vielfalt müssen sie Schwerpunkte setzen. Schwerpunkte, die menschlich, wie sie sind, nach persönlichen Begabungen ausfallen.

Pfarrer Ranz muss nicht lange überlegen. Er weiß, dass ihn die Jugendarbeit fasziniert. Selbst Pfarrerskind, haben ihn neben dem Elternhaus vor allem der Jugendkreis, geleitet von Schülern der Evangelischen Missionsschule Unterweißach, geprägt. An Ernst Wütherich, in den 80er-Jahren Jugendreferent in Gaildorf, hat er besonders nachhaltige Erinnerungen. Auch privat fand der damals 17-Jährige dort, was ihn zeitlebens glücklich macht: seine Frau Ingrid (52). Noch während Ranz Theologiestudiums in Tübingen haben die beiden geheiratet. Drei mittlerweile erwachsene Kinder runden das Glück der Pfarrersfamilie ab. Immer wieder erzählt Ranz von Ten Sing. Auch das ist Jugendarbeit. Zudem Musik, die er liebt, die er neben Bluesrock zum Entspannen und Revitalisieren gerne hört. Die Begegnung mit Jugendlichen aus dem Jugendchor und dem norwegischen Partnerchor Heggen Gospel gaben ihm viel - viel an Erfahrung, an Erlebnis, an der Freude Gottes.

Ein anderes Faible des Pfarrers gilt den Kasualien, den kirchlichen Amtshandlungen. Im Tauf- oder Traugespräch, beim Konfirmandenunterricht oder Begegnungen anlässlich einer Beerdigung, sei er als Pfarrer wirklich nah bei den Menschen, er könne im Gottesdienst lebendige Hilfe und Wegweiser in Christi Namen sein. Diese Nähe zu den Menschen prägt seine Pfarrerslaufbahn: Seine erste Pfarrstelle in Ruppertshofen war ländlich, Untersontheim ist es und auch seine neue Pfarrei in Bitzfeld bei Weinsberg ist keine Stadtpfarrei.

"Das passt. Weil wir sind, wie wir sind. Eben Landeier", sagt er vergnügt und wirft seiner Frau einen skeptischen Blick zu. Doch die lacht, aus vollem Herzen, und nickt. "Ich wusste, als ich ihn kennenlernte, dass ein Leben mit ihm das Leben einer Pfarrfrau sein wird."

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