Heilbronn "Kommen Sie in meinen Kurs"

Zwei Experten im Gespräch: Professor Lars Feld ist einer der fünf Wirtschaftsweisen, Dr. Marc Beise leitet bei der Süddeutschen Zeitung das Ressort Wirtschaft. Für die IHK führte er das Abendgespräch.
Zwei Experten im Gespräch: Professor Lars Feld ist einer der fünf Wirtschaftsweisen, Dr. Marc Beise leitet bei der Süddeutschen Zeitung das Ressort Wirtschaft. Für die IHK führte er das Abendgespräch. © Foto: Marius Stephan
Heilbronn / MARIUS STEPHAN 15.11.2014
Mit dem Jahresgutachten hatten die fünf Wirtschaftsweisen die Bundesregierung kritisiert. Diese reagierte ungehalten: von "Wirtschaftstheologie" war die Rede. Professor Lars Feld sprach dazu in Heilbronn.

Auf Einladung der IHK Heilbronn-Franken und der Südwestbank sprach der "Shootingstar unter den Wirtschaftsweisen", Professor Lars Feld, im Haus der Wirtschaft in Heilbronn nur zwei Tage nach Übergabe des Jahresgutachtens an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nach Kritik aus Regierungskreisen und bissigen Kommentaren in der Presse zum Sinn oder Unsinn des Sachverständigenrats, zeigte sich Feld sichtlich betrübt über die Art und Weise, mit der die Arbeit der fünf Professoren abgekanzelt wurde.

"Hinter den Berechnungen stecken sehr komplizierte Modelle", eröffnete Feld seinen Vortrag. Das Publikum möge am Ende selbst entscheiden, ob er und seine Kollegen "theologie- oder evidenzbasierte wirtschaftspolitische Beratung" betreiben. Feld bekräftigt die Einschätzungen trotz aller Kritik. Die Prognose der Wirtschaftsweisen fiele zurecht ein wenig schlechter aus als ähnliche Modelle. Die größten Problemfaktoren seien der Mindestlohn und die Rente mit 63. Die Weichenstellungen der großen Koalition haben zum Abkühlen der Konjunktur beigetragen", heißt es auch in dem 400-Seiten-starken Papier.

Als Problemstaaten im Bereich Wirtschaft gelten in der Bevölkerung vor allem Griechenland oder Spanien. Die Wirtschaftsweisen sehen die Lage von Frankreich und Italien jedoch wesentlich kritischer. Spanien und die anderen "Programmstaaten" befänden sich auf einem guten Weg. Die Reformen greifen, die Wettbewerbsfähigkeit steigt. In Frankreich und Italien sehe er vor allem Reformunwilligkeit. "Man sagt, ein sozialistischer französischer Präsident hat zwei Amtsperioden: Die ersten zwei Jahre braucht er, bis er merkt, dass seine Vorstellungen nicht verwirklicht werden können. Die nächsten zwei Jahre reformiert er. Hollande macht gar nichts", glaubt Feld. Anlass zur Sorge gibt besonders die Antwort des Wirtschaftsweisen auf die Frage, was Deutschland denn tun kann, wenn die reformunwillgen Staaten die Zusammenarbeit verweigern: "Ich kann Ihnen da im Moment nichts anbieten. Die Mitgliedstaaten bleiben in ihrer Haushaltspolitik autonom, trotz Stabilitäts- und Wachstumspakt."

Die Äußerungen aus der Politik betrachtet Feld in ihrer Schärfe als unhöflich. Wirtschaftsminister Siegmar Gabriel hatte den Jahresbericht als "Wirtschaftstheologie" betitelt, SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi warf dem Papier schwere methodische Mängel vor. Merkel sagte bei der Übergabe in Berlin, dass es ja schwer nachzuvollziehen sei, dass ein Gesetz, welches noch nicht in Kraft ist, die Konjunktur bremse. "Ich hätte ihr da auch ins Wort fallen können: Ja, dann kommen Sie mal in meinen Kurs", scherzt Feld.

Natürlich trage die Politik letztlich die Verantwortung und das Risiko. "Ich kann daher verstehen, dass die Vorschläge nicht umgesetzt werden. Ich würde mir allerdings wünschen, dass uns zugehört wird", betont Feld.

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel