"Kinder und Jugendliche sind Versuchskaninchen"

Rät zu einem kritischen Umgang mit den Verdampfern: Herbert Obermann. Archivfoto: Ufuk Arslan
Rät zu einem kritischen Umgang mit den Verdampfern: Herbert Obermann. Archivfoto: Ufuk Arslan © Foto:  
SWP 05.09.2015
Herbert Obermann, Suchtbeauftragter des Landkreises Schwäbisch Hall, rät zu einem kritischen Umgang mit den "elektrischen" Rauchgeräten.

Warum können die E-Shishas eine Gefahr darstellen?

HERBERT OBERMANN: Hier zunächst ein Zitat der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler: "E-Zigaretten und E-Shishas sind alles andere als harmlos. Gerade die zum Teil kaum bekannten inhaltlichen Zusatzstoffe bergen große gesundheitliche Gefahren. Selbst krebserregende Inhaltsstoffe wurden in entsprechenden Produkten nachgewiesen."

Sind die Stoffe als Einstiegsdroge zu werten?

OBERMANN: Die aktuellen Daten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen, dass bunte, peppige E-Shishas und E-Zigaretten eine große Anziehungskraft auf Kinder und Jugendliche ausüben. E-Shishas werden insbesondere von sehr jungen Schülerinnen und Schülern, die zunächst Nichtraucher sind, benutzt. E-Zigaretten und E-Shishas sind mit ihren Aromen sehr attraktiv für Kinder und Jugendliche. Es besteht dann die Gefahr, dass die Hemmschwelle für den Umstieg auf nikotinhaltige Produkte für Jugendliche gesenkt wird. Diese können Jugendliche in eine Nikotinabhängigkeit bringen.

Warum sind E-Shishas für Jugendliche momentan so attraktiv?

OBERMANN: Kinder und Jugendliche sind in besonderem Maße offen für Trends und Moden. Dazu kommt eine entsprechend aufgemachte Vermarktung, die, wie gesagt, gezielt junge Menschen anspricht.

Gibt es schon Erkenntnisse zu Auswirkungen der E-Shisha auf den jugendlichen Organismus?

OBERMANN: Nein. Die Forschung liefert zur Zeit nur das, was über einzelne Inhaltsstoffe bisher bekannt war. Konkrete Ergebnisse über Auswirkungen bei Konsumenten liegen noch nicht vor. Das heißt, gerade Kinder und Jugendliche, bei denen der Organismus noch in der Entwicklung ist, sind Versuchskaninchen.

Sind die E-Shishas eine gesetzliche Grauzone oder ist der Konsum und Kauf gesetzlich geregelt?

OBERMANN: Bei E-Zigaretten und E-Shishas, bei denen sogenannte Liquids verdampfen, handelt es sich nicht um "Tabakwaren" im Sinne des Jugendschutzgesetzes. Insofern greifen die strikten Abgabe- und Rauchverbote des Gesetzes bislang nicht. Die Bundesregierung hat im April angekündigt, dass sie mit einer Novellierung des Jugendschutzgesetzes zu E-Zigaretten und E-Shishas die Abgabe und den Konsum von elektronischen Zigaretten und Shishas an Kinder und Jugendliche verbieten will. Es existieren bislang keine gesetzlichen Standards für die Bestandteile der Geräte, für die Reinheit und Konzentrationen der Inhaltsstoffe sowie für Warn- und Sicherheitshinweise auf den Verpackungen, sodass die im Handel erhältlichen Produkte von sehr unterschiedlicher Qualität sein können.

Was müssen Eltern und Jugendliche über E-Shishas und den Konsum wissen?

OBERMANN: Da kann man sich an die Einführung der Alkopops erinnern. Auch hier wurde ein neues Trendprodukt auf den Markt gebracht und lange Zeit von allen Verantwortlichen die Gefahr unterschätzt. Das Ergebnis: Bis es zu gesetzlichen Regelungen kam, wurde Minderjährigen der Zugang zu hochprozentigem Alkohol erleichtert, mit der Folge, dass Probleme mit Alkohol in dieser Altersgruppe früher als zuvor auftraten.

Eignen sich Jugendliche besonders gut, um (umstrittene) Produkte auf den Markt zu bringen?

OBERMANN: Eltern können auch Schulen unterstützen: Solange keine gesetzlichen Regelungen für E-Zigaretten und E-Shishas bestehen, ist Schulen und Jugendeinrichtungen zu empfehlen, über das Hausrecht das Rauchverbot für Zigaretten auch auf alle E-Produkte auszuweiten. Drogen wie Alkohol und Zigaretten sind an den Schulen verboten. Lebens- und Lernorte müssen ein geschützter Raum sein, in dem legale und illegale Drogen keinen Platz haben. Der Konsum von Suchtmitteln im Schulhaus, auf dem Schulgelände und in Jugendeinrichtungen darf nicht unterstützt werden. Es untergräbt die Glaubwürdigkeit der Suchtprävention, wenn Schulen den Konsum von Produkten erlauben, die das abhängig machende Nikotin enthalten können und die den Einstieg in den Tabakkonsum erleichtern können.

Die Fragen stelle Julia Vogelmann.

Blauer Dunst in einer Grauzone