Die umstrittenen Pläne für fünf Windräder mitten im Burgbergwald bei Crailsheim, die vermutlich schon im nächsten Jahr mit ihrer Höhe von jeweils 230 Metern sogar noch den Aussichtsturm auf dem „Fränkischen Rigi“ weit überragen, lassen auch die Liberalen nicht kalt.

Der FDP-Landtagsabgeordnete Stephen Brauer aus Crailsheim fädelte einen Auftritt seines Kollegen Andreas Glück im Gasthaus Fundis in Saurach ein, wo sich der umwelt- und energiepolitische Sprecher der FDP-Fraktion kritisch, aber nicht polemisch mit der Energiewende und speziell mit den Windmühlen in Baden-Württemberg auseinandersetzte.

„Kein vernünftiges Verhältnis“

Stephen Brauer machte keinen Hehl daraus, was er von den Rotoren der Firma Wind Energien aus Kirchheim/Teck an diesem Standort hält – nämlich denkbar wenig: „Gegen den Neubau der Engel-Brauerei Fach in diesem Gebiet gab es sofort großen Widerstand – ein regionaler Grünzug sei ein großes Hindernis für dieses Projekt.“

Über eine Brauerei an dieser Stelle könne man unterschiedlicher Meinung sein: „Mir fehlt aber jegliches Verständnis dafür, wenn dann nur wenige Hundert Meter weiter offenbar völlig problemlos einige Hektar Wald für die Windräder abgeholzt werden“, sagte Stephen Brauer.

„Völlig daneben“ sind auch für seinen Parteifreund Andreas Glück (43) solche Kahlschläge im Zeichen der Windkraft: „Das steht in keinem vernünftigen Verhältnis zueinander.“ Der FDP-Parlamentarier bezeichnete es als „klimapolitischen Schmu“, wertvolle Wälder für Windmühlen abzuholzen.

Der gelernte Chirurg aus Münsingen (er hat seit dem Jahr 2011 Sitz und Stimme im Landtag) sezierte in Saurach präzise die aus seiner Sicht bedenklichen Folgen der Energiewende, die ursprünglich allein auf eine Reduzierung des klimaschädlichen Kohlendioxids zielte. „Wo Windräder sinnvoll sind, können die Anlagen durchaus eine Technologie von Vielen sein, um dieses Ziel zu erreichen.“ Auf jeden Fall müssten Windräder „bürgerverträglich“ sein: „Die FDP fordert für Baden-Württemberg einen Mindestabstand von 1500 Metern zu Wohngebieten – noch besser wäre eine 10-H-Regel wie in Bayern, wo die Distanz zu den Anlagen mindestens das Zehnfache der Windrad-Höhe betragen muss.“ Denn „es versteht kein Mensch, dass zu einem Rotmilan-Horst ein größerer Abstand als zu einer menschlichen Behausung eingehalten werden muss“, sagte Andreas Glück.

In einem Land wie Baden-­Württemberg aber sei es ein Irrweg, wenn sich die Rotoren der Windmühlen sogar an Standorten mit einer geringen Windhöffigkeit drehen. Ohne die Vergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wäre der Süden der Republik völlig unattraktiv für Windrad-Investoren.

„Schattenkraftwerke nötig“

Und jetzt gebe es auch noch die „abstruse Situation“, dass die EEG-Umlage sogar für selbst produzierten und selbst verbrauchten Strom bezahlt werden müsse: „Diese Umlage könnte man dann auch für Karotten verlangen, weil sie die Kraft der Sonne nutzen.“ Schließlich müsse für den „Zappelstrom“ aus den Windmühlen zudem noch eine Reserve an „Schattenkraftwerken“ bereitgehalten werden, wenn der Wind nicht weht.

Andreas Glück plädierte für eine marktwirtschaftliche Steuerung der Energiewende und zwar „mindestens europaweit“, die es in Ansätzen schon jetzt über den Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten gebe.

Wälder als Industriezonen

Angesichts der Tatsache, dass rund 50 Prozent des Energiebedarfs auf die Produktion von Wärme und nur 20 Prozent auf die Stromherstellung entfallen, existiere auch im Land Baden-Württemberg noch viel Potenzial für eine bessere Energieeffizienz zum Beispiel von Wohnhäusern. Ein Beitrag für die Energiewende könne auch die ­Finanzierung von Windrädern „an den richtigen Standorten“ sein nebst einer Aufstockung der Fördergelder für die Energieforschung.

Die lebhafte Diskussion dreht sich unter anderem um die möglichen Gefahren des von Windrädern erzeugten Infraschalls und um Wälder, die von den Bürgern immer mehr als „Windindustriezonen eingestuft und deshalb gemieden werden – und das wird dann wohl auch beim Burgberg-Wald so sein“, wie Johann Pollanka aus Langenburg prophezeite.

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