Crailsheim „In Frankreich sind die Lehrer strenger“

Am Stundenplan des Albert-Schweitzer-Gymnasiums sucht sich Manon Douarche die Stunden aus, in denen sie hospitieren möchte. Die 18-Jährige wird Deutschlehrerin.
Am Stundenplan des Albert-Schweitzer-Gymnasiums sucht sich Manon Douarche die Stunden aus, in denen sie hospitieren möchte. Die 18-Jährige wird Deutschlehrerin. © Foto: Christine Hofmann
Crailsheim / Christine Hofmann 20.07.2018
Die Studentin Manon Douarche aus Crailsheims Partnerstadt Pamiers lernt gerade als Praktikantin am Albert-Schweitzer-Gymnasium das deutsche Schulsystem kennen.

Es ist noch nicht lange her, da war Manon Douarche selbst Schülerin – jetzt steht sie als Praktikantin vor Schülern und übernimmt kleine Lehreraufgaben im Unterricht. Die 18-Jährige stammt aus der Crailsheimer Partnerstadt Pamiers in Südfrankreich und lernte Deutsch bei Dominique Lafont, der Präsidentin des Partnerschaftsvereins Jumelages Amitiés in Pamiers. Nach ihrem Schulabschluss hat sich Manon Douarche als Studentin für den zweijährigen Vorbereitungskurs in Toulouse eingeschrieben, der sie für den anschließenden Besuch einer Elite-Universität fit macht. „Mein Berufswunsch ist Deutschlehrerin“, sagt Douarche.

Taugt der Berufswunsch?

Zurzeit testet die junge Französin am Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASG) in der Praxis, ob ihr Berufswunsch taugt. An dem Crailsheimer Gymnasium kennt sie sich schon ganz gut aus. „Ich habe zweimal am Schüleraustausch teilgenommen“, erzählt sie. Trotzdem seien die Aufenthalte als Schülerin nicht vergleichbar mit denen als Praktikantin. „Beim Austausch ist die Zeit viel kürzer, es gibt eine Menge Programm, und man ist mit seinen Freunden hier. Nun bin ich fünf Wochen allein in Crailsheim – und fast jeden Tag an der Schule.“ Die Unterbringung ist allerdings gleich: Manon Douarche wohnt wieder in einer Gastfamilie und bekommt dadurch zugleich mit, wie eine deutsche Familie lebt.

Bei ihrem fünfwöchigen Aufenthalt in Crailsheim möchte die Studentin ihre Deutschkenntnisse verbessern und mehr über das deutsche Schulsystem und die deutsche Lebensweise kennenlernen. Einige Unterschiede hat sie bei den Hospitationen in verschiedenen Deutsch- und Französischstunden schon festgestellt: „Der Unterricht ist in Deutschland lockerer. In Frankreich sind die Lehrer strenger. Die Schüler dürfen zum Beispiel während des Unterrichts nicht aufstehen.“

Häufig besucht die Französin auch die Vorbereitungsklasse (VKL) am ASG, in der Schüler mit geringen oder gar keinen Deutschkenntnissen zunächst sprachlich fit gemacht werden. „Ich habe in der VKL eine kleine Präsentation über meine Studienstadt Toulouse gemacht. Das hat den Schülern gefallen.“ Lehrerin Tanya Simon sieht in der Hospitation Vorteile für sämtliche Klassen, die Manon Douarche besucht. „Für die Schüler ist es toll, Kontakt zu einer Muttersprachlerin zu haben“, sagt sie.

In ihrem dritten Studienjahr hat Manon Douarche die Möglichkeit, an einer deutschen Universität zu studieren. Das fünfte und letzte Studienjahr ist ein praktisches Jahr an einer Schule, das sie auf ihre zukünftige Aufgaben als Lehrerin vorbereitet. „Das Praktikum am ASG hat mich in meinem Berufswunsch bestärkt. Ich werde Lehrerin“, sagt die 18-Jährige.

In ihrer Freizeit liest sie viel – „Ich habe viele Hausaufgaben von der Universität“ – außerdem schaut sie gern Filme an. Ein Kinobesuch in Crailsheim steht vielleicht auch noch auf dem Programm. Wenn die Sommerferien beginnen und es an der Schule für sie nichts mehr zu tun gibt, wird sie noch eine Woche im Bürgerbüro der Stadt Crailsheim hospitieren.

Manon Douarche genießt die Zeit in Crailsheim. Etwas schade findet sie es allerdings, dass sie während des WM-Endspiels nicht in Frankreich sein konnte. „Da war überall Party. In jeder Stadt wurde gefeiert“, hat sie aus der Ferne beobachtet. In Crailsheim hielt sich die WM-Stimmung in Grenzen.

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