Hobby „Im Dickicht des Behörden-Dschungels“

Auf der Börse, wie hier in Crailsheim, finden Modelleisenbahner das, was „zur Vollendung der perfekten eigenen kleinen Welt“ noch fehlt.
Auf der Börse, wie hier in Crailsheim, finden Modelleisenbahner das, was „zur Vollendung der perfekten eigenen kleinen Welt“ noch fehlt. © Foto: Verein
Crailsheim/Schnelldorf / Jens Sitarek 04.01.2018
Warum der Verein Miniaturdampfbahn Hohenlohe mit seiner beliebten Modelleisenbahnbörse schweren Herzens von Crailsheim nach Schnelldorf umziehen muss.

Die Zeit zwischen den Jahren ist für Modelleisenbahner eine wichtige Zeit, findet Reinhold Dolinsky, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Miniaturdampfbahn Hohenlohe (MDBH) mit Sitz in Crailsheim. Viele stünden „förmlich unter Strom“, sagt Dolinsky, „weil da nämlich an der Eisenbahnanlage längst fällige Reparaturen oder auch neu geplante Erweiterungen durchgeführt werden.“ Und was den Modelleisenbahnern „zur Vollendung der perfekten eigenen kleinen Welt“ noch fehlt, wie Dolinsky das formuliert, finden sie vielleicht bei der Modelleisenbahnbörse, die traditionell in der ersten Woche nach Weihnachten stattfindet.

Doch bei der 22. Auflage in diesem Jahr ist etwas anders als sonst, der Veranstaltungsort am Sonntag, 7. Januar, heißt erstmals nicht Crailsheim, sondern Schnelldorf. Warum der Umzug? Als Dolinsky vor zwei Monaten die sogenannte Marktfestsetzung abholen wollte, habe man ihm bei der Stadt Crailsheim Folgendes mitgeteilt: Wir würden ja gerne, aber das RP sagt, wir dürfen nicht. Die Börsen würden landesweit gerade kritisch beäugt.

Was sagt das Regierungspräsidium Stuttgart auf HT-Nachfrage? „Gewerbliche Marktveranstaltungen (insbesondere Spezialmärkte), Flohmärkte, Antiquitätenmärkte und Ähnliches sind auf Gewinnerzielung gerichtete Veranstaltungen, die nach ihrem äußeren Erscheinungsbild dem werktäglichen Gelderwerb zuzurechnen sind.“ Sie würden damit dem Verbot „von öffentlich bemerkbaren Arbeiten“ nach dem Feiertagsgesetz unterliegen. Reine Tauschveranstaltungen und Wohltätigkeitsbasare hingegen fielen nicht darunter.

Für Dolinsky ist diese Regelung neu, und sie betreffe ja „alle Mitglieder von Vereinen und Institutionen, die in irgendeiner Weise außerhalb der von der Stadt festgelegten verkaufsoffenen Sonntage oder Oster- und Weihnachtsmärkte ihre selbst gemachten Socken, Blumengestecke und Teddybären feilbieten wollen“, schlussfolgert er. Der Modelleisenbahnclub Crailsheim beispielsweise reagierte schon, dessen 22. Herbstbörse im vergangenen Jahr lief bereits an einem Samstag.

Dolinsky sieht sich „im Dickicht des Behörden-Dschungels“ verloren. Was hätten die MDBH-­Mitglieder „nach dem ersten Schock nicht alles versucht, doch noch eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen“. Dolinsky berichtet von etlichen Gesprächen, die im Hintergrund liefen, „letztlich war aber alles vergebens“.

Und so habe sich der Vereinsvorstand schließlich „schweren Herzens“ entschieden, die Modellbahnbörse nach Schnelldorf zu verlagern – weg von der Eisenbahnerstadt Crailsheim, das will Dolinsky immer noch nicht aus dem Kopf. In Bayern wurden sie jedenfalls mit offenen Armen empfangen.

„Abschließend wird angemerkt, dass die vorgenannten Regelungen für ganz Baden-Württemberg gelten“, heißt es beim RP noch. Es gibt allerdings einen Ermessensspielraum. Im Einzelfall sind Ausnahmen beziehungsweise Befreiungen möglich, wenn Veranstaltungen a) historisch gewachsen sind, b) regionale, gar internationale Bedeutung haben, c) auf örtlicher Ebene aus Anlass oder im Zusammenhang mit Ortsjubiläen oder Gemeindefesten mit örtlicher Bedeutung stattfinden oder d) gewerberechtlich festgesetzte Weihnachtsmärkte sind. Dabei reicht es, wenn a, b, c oder d zutrifft.

„Es liegt im Ermessen“

Auf die Presseanfrage zum Thema bittet die Stadt Crailsheim zu einem Gespräch. Die Börse könne stattfinden, heißt es, und zwar in Crailsheim. Wie? „Das RP hat Kriterien festgelegt, die von uns anzuwenden sind“, erklärt Markus Schilp vom Ordnungsamt. „Wir sind weisungsgebunden.“ Aber sie hätten noch mal beim RP nachgefragt und „dann sei die wundersame Antwort gekommen: Es liegt im Ermessen.“

Da war der Zug, um im Bild zu bleiben, schon abgefahren. „Wir kommen nicht mehr raus aus der Nummer“, so sagt es Reinhold Dolinsky. Die Plakate seien gedruckt, die Aussteller informiert, der Vertrag mit Schnelldorf unterschrieben. Am 7. Januar rechnet der Verein mit rund 1500 Besuchern.

Die Stadt hofft nun darauf, dass die Börse 2019 wieder in Crailsheim läuft. Dolinsky ist sich da nicht sicher. Er fragt sich: Was ist, wenn sie in Schnelldorf noch besser angenommen wird?

Am Sonntag steigt wieder die Moba – und „Lok Doc Paul“ ist auch da

Die Börse Modellbahn, kurz Moba, ist eine der größten ihrer Art in der Region. Angekündigt haben sich diesmal 27 Anbieter und Aussteller aus Süddeutschland. Die Moba geht am Sonntag, 7. Januar, bereits zum 22. Mal über die Bühne, allerdings zum ersten Mal in der Frankenhalle in Schnelldorf. Geöffnet ist von 10 bis 16 Uhr. Als Veranstalter fungiert der Verein Miniaturdampfbahn Hohenlohe aus Crailsheim. An einem Stand informieren dessen Mitglieder über den Bau und den Betrieb von vorwiegend dampfbetriebenen Modell- und Miniaturlokomotiven sowie deren Zubehör. Mit von der Partie ist auch wieder „Lok Doc Paul“ von den Modell- und Eisenbahnfreunden Dinkelsbühl, der kostenlose Diagnosen und kleinere Reparaturen an Lokomotiven und Zubehör anbietet. Im Foyer der Halle lässt sich eine Modelleisenbahnanlage in vollem Betrieb bestaunen. Und wer „das geschäftige Börsentreiben von oben beobachten“ möchte, wie es in der Pressemitteilung heißt, dem sei das Moba-Café auf der Bühne empfohlen. Kostenfreie Parkplätze stehen rund um die Halle, bei der Firma Kneer Südfenster und beim TSV Schnelldorf zur Verfügung. js

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