Crailsheim „Ich will einen Sinn erkennen“

Seit drei Jahren leitet Katharina Kalteiss das Crailsheimer Jugendbüro. Besonders gereizt hat sie die Kombination von offener Jugendarbeit und leitender Position.
Seit drei Jahren leitet Katharina Kalteiss das Crailsheimer Jugendbüro. Besonders gereizt hat sie die Kombination von offener Jugendarbeit und leitender Position. © Foto: privat
Crailsheim / Julia Vogelmann 24.07.2018
Seit drei Jahren ist Katharina Kalteiss (29) Leiterin des Crailsheimer Jugendbüros. Jugendbeteiligung ist ihr besonders wichtig.

Eigentlich kommt Katharina Kalteiss aus Utzmemmingen im Ostalbkreis. Dort hat sie Mittlere Reife gemacht, bevor sie in Aalen das Abitur draufgesattelt hat. Es folgte ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Deutschen Roten Kreuz, wo sie erste Erfahrungen in der offenen Jugendarbeit und der Jugendsozialarbeit sammelte. „Spätestens danach war klar, dass mein Beruf eine soziale Arbeit werden wird“, sagt sie rückblickend.

Das Interesse an sozialen Berufen war zwar vorher schon vorhanden, die soziale Ader hat sie von der Mutter, einer Altenpflegerin, geerbt. Doch in diesem Jahr festigte sich die Idee, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Als logische Konsequenz folgte ein Studium der Sozialpädagogik an der Dualen Hochschule in Heidenheim. „Das Studium war sehr praxisorientiert, das war mir wichtig“ erklärt sie ihre Entscheidung, gerade dorthin zu gehen.

„Ich bin ein bisschen Idealist“, sagt Katharina Kalteiss über sich selbst. Der Realitätscheck kam trotzdem rasch nach dem Ende des Studiums, bei ihrer ersten Arbeitsstelle in einer Einrichtung für traumatisierte Mädchen im Kinderdorf St. Josef. Gefallen hat ihr die Arbeit dort dennoch, auch wenn sie eine Herausforderung war. „Ich will einen Sinn erkennen in meiner Arbeit und ich wollte von Anfang an etwas tun, wo meine Hilfe sinnvoll eingesetzt werden kann“, erklärt sie diesen Schritt.

Drei Jahre blieb sie in der Einrichtung, bevor sie den Drang spürte, sich weiterzuentwickeln. „Man bewegt sich dort in sehr engen Strukturen, weil die Kinder den geregelten Alltag brauchen, was aber sehr wenig Möglichkeiten bietet, etwas Neues auszuprobieren“, versucht sie ihre Gedanken von damals auf den Punkt zu bringen. Der Wunsch, freier agieren zu können, führte schließlich zu ihrer Bewerbung in Crailsheim, wo eine neue Leitung für das Jugendbüro gesucht wurde. Die Kombination von offener Jugendarbeit und einer leitenden Position empfand sie als reizende Herausforderung, der sich die damals 26-jährige stellen wollte.

Tatsächlich war sie die Jüngste im Team, als sie die Stelle antrat. „Ich wurde schnell akzeptiert und als Leitung angenommen“, erinnert sie sich. „Dadurch, dass das Team sehr erfahren ist und eigenständig arbeitet, muss ich nur alles zusammenbringen, die Kommunikation steuern und eine Richtung vorgeben“, fasst sie zusammen.

Katharina Kalteiss will durch die Wahl ihres Berufs auch sozial und politisch etwas bewegen, sieht ihn als ihren Beitrag für die Gesellschaft. Deshalb ist es ihr auch so wichtig, einen deutlichen Schwerpunkt auf Jugendbeteiligung zu setzen. „Ich finde, das müsste sehr viel mehr werden. Die Politikverdrossenheit der Jugendlichen ist nicht vorhanden, wenn man ihnen eine Chance gibt, sich mit ihren Ideen einzubringen“, betont sie. Die Arbeit mit dem Jugendgemeinderat ist deshalb eines ihrer Steckenpferde. Ganz aktuell arbeitet sie mit den Jugendlichen daran, sich in die Planung des Volksfestplatzes einzubringen. „Ich will Jugendlichen helfen, ihre Ideen einzubringen, umzusetzen und weiterzutragen“, fasst sie zusammen. Sie selbst bezeichnet sich als politischen Menschen, gibt aber zu, dass das auch bei ihr nicht immer so gewesen ist.

Zum Ausgleich zur Arbeit ist Katharina Kalteiss gern in der Natur unterwegs, macht Sport und sucht eher Ruhe. Gerne verbringt sie ihre Freizeit mit ihren Freunden, die sie inzwischen auch in Crailsheim hat. „Heimisch werden ging schnell. Ich habe viele Kontakte zu Menschen, Vereinen und Einrichtungen, da geht das schnell. Nach einem Jahr hat sie sich in Crailsheim so richtig wohlgefühlt und plant auch nicht, von hier wegzugehen. „Der Beruf hält mich stark hier“, sagt sie und fügt kurz darauf an: „Ich habe momentan keinen Änderungswillen. Mir gefällt es hier.“

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