Menschen „Habe viel gemacht, jetzt ist es gut“

Der Vorteil am Rektorin sein ist das eigene Büro. Zwar mag Johanna Ruckdäschel auch das Lehrer- und die Klassenzimmer. Doch einen Rückzugsort für sich zu haben, sei „schon nicht schlecht“.
Der Vorteil am Rektorin sein ist das eigene Büro. Zwar mag Johanna Ruckdäschel auch das Lehrer- und die Klassenzimmer. Doch einen Rückzugsort für sich zu haben, sei „schon nicht schlecht“. © Foto: Johannes Ihle
Crailsheim / Johannes Ihle 12.06.2018
Nach Jahrzehnten als Lehrerin und 14 Jahren als Rektorin geht Johanna Ruckdäschel in wenigen Wochen Schluss in den Ruhestand. In ihrer Berufskarriere ging sie nicht immer den einfachen Weg.

Nur noch wenige Wochen, dann lässt sie ihre Schulzeit hinter sich. Johanna Ruckdäschel, Rektorin der Reußenbergschule in Tiefenbach und Geschäftsführerin der Hector-Kinderakademie Crailsheim, geht in den wohlverdienten Ruhestand. Für sie ist es genau der richtige Zeitpunkt: „Sonst hätte ich mir noch etwas Neues suchen müssen.“

„Mein Leben hatte immer was Riskantes“, fasst die 64-Jährige ihr bisheriges Leben und ihre Karriere an der Schule zusammen. Geboren in der Deutschen Demokratischen Republik – in der Nähe von Zwickau – hatte sie eine schöne Schulzeit, wie sie selbst sagt. „Ich hatte zwei Frauen als Rektorinnen. Die haben einen tollen Job gemacht“, erinnert sich Ruckdäschel zurück an ihre Schülerzeit. Zwar seien die beiden nicht der Hauptgrund, warum sie Lehrerin geworden ist, doch beeinflusst hätten sie die junge Johanna allemal.

Ausbildung als Zootechnikerin

Aufgewachsen in der Landwirtschaft, schlug sie zunächst einen anderen Weg ein. Nach einer Ausbildung zur Zootechnikerin – heute vergleichbar mit dem Beruf des Rinderzüchters – zog es sie zunächst nach Berlin. Dort begann sie dann ein Lehramtsstudium an der Humbolt-Universität, ehe sie sich in einen jungen Mann verliebte, der aus dem Süden der Bundesrepublik Deutschland stammt – nämlich aus Crailsheim.

Ruckdäschel stellte einen Ausreiseantrag und folgte der Liebe in den Süden. „Das war eine spannende Zeit. Sechs Jahre lang durfte ich nicht zurückreisen.“ In Crailsheim angekommen, arbeitete sie zunächst ein halbes Jahr bei einem Kinderarzt, um Kontakte zu knüpfen und schnell auf eigenen Füßen zu stehen. Danach ging sie an die Pädagogische Hochschule in Schwäbisch Gmünd, um das Lehramtsstudium wieder aufzunehmen.

Ihre Karriere als Lehrerin begann Ruckdäschel im Februar 1979 an der Eichendorffschule in Crailsheim. Nach einer gewissen Zeit hatte sie alles gesehen – und wechselte an die Leonhard-Sachs-Schule, bis irgendwann die Frage aufkam: „Will ich überhaupt noch Lehrerin sein?“

Um sich diese Frage zu beantworten, nahm Ruckdäschel eine eineinhalbjährige Auszeit, kümmerte sich um die beiden Töchter und überlegte. Das Ergebnis: Sie kehrte in Rot am See in den Schuldienst zurück und übernahm eine siebte Klasse, die sie bis zur neunten behielt. Und das war wohl die richtige Entscheidung.

„Jahre später hat mal ein Mädchen aus der Klasse gesagt, ‚mein Vater ist immer noch der Meinung, dass Sie uns das Leben gerettet haben’. Und das ist schon ein tolles Kompliment.“ Dabei habe sie gar nichts Besonderes gemacht, „ich habe einfach meine Arbeit getan.“

Um näher an ihrem Wohnort Westgartshausen zu sein, wechselte sie zur Geschwister-Scholl-Schule in Ingersheim. Zum ersten Mal hatte sie dort auch mit Referendaren zu tun. „Die Arbeit mit den jungen Kollegen fand ich toll.“ Im Jahr 2004 folgte dann der nächste Schritt auf ihrer Schul-Tour und auf der Karriereleiter: Sie wurde Rektorin an der Reußenbergschule in Tiefenbach.

Viele Erfahrungen gesammelt

Und nun, 14 Jahre später, geht die schöne Zeit im beschaulichen Crailsheimer Stadtteil zu Ende. Und das ist für Ruckdäschel vollkommen in Ordnung. „Es reicht vom Berufsleben her. Ich habe viel gemacht. Jetzt ist es gut.“

Über all die Jahre als Lehrerin und Rektorin hat sie viele tolle Erfahrungen gesammelt und viele Menschen kennengelernt. „Es ist immer wieder schön, die Kinder auf dem Flur lachen zu hören.“ Sich selbst beschreibt sie als strenge, konsequente Lehrerin, die aber stets ein offenes Ohr für die Schüler und auch die Kollegen hat. „Hart aber herzlich“, sagt sie und lacht. Wichtig war ihr, alle ernst zu nehmen. „Für mich muss jemand nicht sein, wie ich ihn haben will, sondern muss seine eigene Persönlichkeit entfalten.“

Tipp für junge Lehrer

Für ihre nun kommende Zeit hat Ruckdäschel noch keine konkreten Pläne. Aber: „Mir war noch nie langweilig. Ich werde schon was finden.“ Schön findet sie, dass sie nun mehr Zeit für die Menschen hat, die während der Arbeitszeit zu kurz kommen – wie zum Beispiel ihre Enkelkinder. Vermissen wird sie die Kollegen, die Atmosphäre in der Schule, „einfach die Schulgemeinschaft“.

Ehe sie die Schule verlässt, hat sie noch einen Tipp für junge Menschen, die Lehramt studieren wollen oder sich im Referendariat befinden: „Alles ausprobieren und die Zeit nutzen. Wichtig ist auch, ehrlich zu sein und offen zu kommunizieren.“ Eben ein Stück weit wie sie zu sein, und sich Herausforderungen zu stellen.

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