Referat „Google träumt schon vom Sieg über den Tod“

Anschaulich und unterhaltsam trug Roman Huber Fakten und Trends zur digitalen Revolution vor.
Anschaulich und unterhaltsam trug Roman Huber Fakten und Trends zur digitalen Revolution vor. © Foto: Hartmut Volk
Crailsheim / Hartmut Volk 25.03.2017
„Mensch und Maschine“ lautete der Titel des Vortrags von Roman Huber an der Crailsheimer Waldorfschule zu Möglichkeiten und Gefahren der digitalen Revolution.

In kulturell-kreativen Kreisen ist der 48-Jährige kein Unbekannter mehr, und in der Bürgerrechtsbewegung hat er sich einen bundesweiten Namen gemacht – als Vorstand von „Mehr Demokratie“, als Autor des Buchs „Vollgeld“, als Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Dorfgemeinschaft Schloss Tempelhof sowie als viel gefragter Vortragsredner. Als Quer- und Vordenker ist Roman Huber nah am Puls der Zeit. Sein beruflicher Background als IT-Entwickler und langjähriger Moderator der Intel-Channel-­Konferenzen, in denen die neuesten Trends und Chips für die Halbleitertechnik vorgestellt werden, erlauben ihm verlässliche Prognosen, wie die digitale Revolution unser Leben noch viel gravierender verändern wird.

Zur Veranschaulichung der Rasanz, mit der die technische Entwicklung voranschreitet, verwies der Referent auf das sogenannte „Mooresche Gesetz“, nach dem sich alle zwei Jahre die Prozessorleistung verdoppelt. Wer sich mit Exponentialfunktionen auskenne, könne erkennen, dass wir erst am Anfang der Entwicklungsdynamik stehen, mit der die digitale Revolution das Wirtschaftsleben komplett umkrempeln werde, so Huber zur Untermauerung seiner These: „Wir denken, wir seien schon mittendrin, dabei sind wir noch gar nicht richtig im Informationszeitalter angekommen!“

New York ist nicht mehr cool

Die geistige Brutstätte für die Digitalisierung der Welt ist das Silicon Valley in Kalifornien. „Für junge Leute ist es heute nicht mehr cool, nach New York an die Wallstreet zu gehen“, beobachtet der IT-Experte. Wer richtig Karriere machen will, gehe heute an die Exzellenz-Universität nach Stanford, die schon viele Nobelpreisträger und namhafte Unternehmer der IT- und High-Tech-Industrie hervorgebracht hat. Diese „Mischung aus Geist und Geld“ im Silicon Valley sieht Huber als den „Takt und Pulsgeber“ einer Entwicklung, die von „disruptiven Innovationen“ geprägt sei – das heißt von Neuerungen, die eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung vollständig verdrängen und ganze Branchen zerstören.

Huber erläuterte es am Beispiel der Musikindustrie: Bisher war Musik immer an physische Tonträger gebunden. Deren Form hat sich zwar verändert, aber vom Tonband über Schallplatte, Kassette bis hin zu CD und DVD waren alles handelbare Produkte. Durch die Möglichkeit des Streamens und Downloadens aus dem Internet sei der Musikmarkt massiv eingebrochen. „In den nächsten drei Jahren werden 30 Prozent aller Geschäfte schließen“, prognostizierte der Referent. Gleichzeitig wird es Zentralisierungsprozesse in allen Branchen geben, so wie es schon bei Global Playern wie Amazon, Facebook, Google und Co. zu erleben war.

Noch gravierender werden die Folgen der sich rapide entfaltenden Roboter- und Nanotechnologie sein. Vertreter des Transhumanismus arbeiten fieberhaft an der Schnittstelle von Technik und Biologie und entwickeln Implantate und Chips, die eng an Organfunktionen gekoppelt sind.

Ray Kurzweil, der Chefentwickler von Google, träumt davon, in 15 Jahren alle Krankheiten komplett besiegt zu haben, in 30 Jahren das Problem Altern und in 70 bis 80 Jahren das Thema Tod gelöst zu haben. Tech-Optimismus werde zur Erlöserfantasie.

Für einen Schutz des „Ich“

Roman Huber teilt den Fortschrittsoptimismus der Transhumanisten nicht. Als Anthroposoph plädierte er für einen Schutz des menschlichen „Ich“, das die meisten Transhumanisten leugneten. Die Digitalisierung aller Lebensprozesse sei nicht aufzuhalten, schätzt er die Entwicklung realistisch ein. Es liege an uns, sie im menschengemäßen Sinne zu gestalten.

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