Teilhabe „Es ist mir ein Herzensanliegen, die Kollegen zu unterstützen“

Der Werkstattrat der Lebenswerkstatt Crailsheim setzt sich für die Interessen der Mitarbeiter ein. Von links: Nicole Gruber, Sandra Meyer, Lars Peters, Christian Baumann und Roger Utz.
Der Werkstattrat der Lebenswerkstatt Crailsheim setzt sich für die Interessen der Mitarbeiter ein. Von links: Nicole Gruber, Sandra Meyer, Lars Peters, Christian Baumann und Roger Utz. © Foto: Christine Hofmann
Crailsheim / Christine Hofmann 06.07.2018
In der Lebenswerkstatt Crailsheim hat der Werkstattrat als Interessenvertretung der Mitarbeiter mit Behinderung ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Im Besprechungsraum der Lebenswerkstatt für Menschen mit Behinderung in Crailsheim haben sich Christian Baumann (40), Roger Utz (58), Sandra Meyer (36), Nicole Gruber (25) und Lars Peters (36) eingefunden. Sie bilden den Werkstattrat, die Interessenvertretung der Mitarbeiter, die, genau wie sie selbst, hier in unterschiedlichen Bereichen arbeiten.

Heute geht es um die letzten Absprachen für den Tag der offenen Tür am Sonntag. „Da haben wir ein Spiel vorbereitet“, berichtet Sandra Meyer, Vorsitzende des Werkstattrats und Frauenbeauftragte. „Es gibt aber noch viel mehr Programm: Führungen, Kutschfahrten und eine coole Band.“ Wenn viele Besucher kommen, um zu sehen, wie Menschen mit Behinderung leben und arbeiten, will sich auch der Werkstatt­rat der Öffentlichkeit vorstellen.

Nach Lösungen suchen

Seine Aufgaben sind vielfältig: Er setzt sich für die Rechte der Mitarbeiter ein, hört sich deren Ideen und Beschwerden an und sucht gemeinsam mit der Werkstattleitung nach Lösungen. Er darf beispielsweise mitbestimmen bei Fragen der Werkstattordnung, der Beschäftigungszeit, Entlohnungsgrundsätzen und -methoden, beim Aufstellen des Urlaubsplans, Fragen der Fort- und Weiterbildung, der Verpflegung oder der Planung von sozialen Aktivitäten.

Erst kürzlich haben Angehörige von Mitarbeitern den Wunsch geäußert, dass Softdrinks aus den Getränkeautomaten verschwinden sollten. Die Werkstattleitung informierte den Werkstattrat darüber und dieser führte eine Mitarbeiter-Befragung durch. Das Ergebnis: Cola und Spezi dürfen weiterhin verkauft werden.

Ein anderes Beispiel: Auf Anregung des Werkstattrats werden die Erlebnistage, die bislang abteilungsweise an unterschiedlichen Terminen erfolgten, nun an einem Tag angeboten. „Es gibt drei Ausflugsziele, und jeder darf das Ziel frei wählen“, erklärt Werkstatträtin Nicole Gruber. So wurde aus abteilungsinternen Aktionen eine gruppenübergreifende Gemeinschaftsaktion. Gruber: „Es hat allen gefallen. Das wollen wir nächstes Jahr wieder so machen.“

Christian Baumann setzt sich vor allem für die Mitarbeiter ein, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. „Es ist mir ein Herzensanliegen, die Kollegen zu unterstützen“, sagt der 40-Jährige, der selbst im Rollstuhl sitzt. „Ich kann mich gut in die Rollstuhlfahrerkollegen hineinversetzen.“

Einmal in der Woche gibt es ein Gespräch zwischen Werkstattrat und Standortleiter, in dem alle wichtigen Themen besprochen werden. Daran nimmt auch eine Assistentin teil, die die Werkstatt­ratsmitglieder unterstützt. „Den Werkstattrat gibt es schon seit 25 Jahren in unserer Einrichtung“, erklärt Dieter Seng, Sozialpädagogischer Fachdienst. „Durch das Bundesteilhabegesetz wurde er deutlich gestärkt. Früher gab es lediglich Mitwirkungsrechte, jetzt gibt es außerdem Mitbestimmungsrechte.“ Das Ziel sei stets die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Dass dieses Ziel erreichbar ist, dafür sind Christian Baumann, Roger Utz, Sandra Meyer, Nicole Gruber und Lars Peters die besten Beispiele.

Info Die Lebenswerkstatt Crailsheim lädt morgen von elf bis 16 Uhr zum Tag der offenen Tür in die Roßfelder Straße 52/3 ein. Bereits um elf Uhr gibt es den ersten Informationsrundgang, weitere Werkstattführungen finden um 13 und 15 Uhr statt. Nach dem Mittagessen spielt die inklusive Band „Better Than“, es gibt Kuchen, Eis und Kutschfahrten. Um 14.15 Uhr findet eine Kunstversteigerung statt. Den ganzen Tag über gibt es ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Informationen und kreativen Angeboten.

1900 Mitarbeiter an acht Standorten

Die Lebenswerkstatt für Menschen mit Behinderung, vormals Beschützende Werkstätten, ist ein Sozialunternehmen für Erwachsene mit geistiger Behinderung in der Region Heilbronn-Franken. Sie wurde 1967 von der Heilbronner Bürgerschaft gegründet und ist Mitglied im Diakonischen Werk Württemberg. Insgesamt gibt es 1900 Mitarbeiter an acht Standorten von Heilbronn bis Crailsheim. Damit steht die Lebenswerkstatt auf Platz 15 der größten Arbeitgeber in der Region Heilbronn-Franken.  hof

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Mitarbeiter mit Behinderung gibt es in der Lebenswerkstatt Crailsheim: 157 Mitarbeiter im Arbeits-, 19 im Berufsbildungsbereich und 32 Betreute im Förder- und Betreuungsbereich.

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