Volksfestauftakt II „Der kann hier noch einiges lernen“

Andreas Harthan 15.09.2017
Volksfestauftakt: Rezzo Schlauch ermunterte Horst Seehofer, öfters ins Ländle zu kommen.

Wahlkampf auf Volksfesten und in Bierzelten? Für die Grünen kein Problem. Diese Botschaft setzten gestern die Crailsheimer Grünen mit ihrem ersten „alternativen Volksfestauftakt“ in die Welt. Zeitgleich zur Kundgebung des CDU-Stadtverbandes mit CSU-Boss Horst Seehofer im Engel-Zelt boten sie auf dem Jahnhallenplatz das Grünen-Urgestein Rezzo Schlauch auf.

Noch vor dem ehemaligen Spitzenpolitiker, der als Grünen-­Fraktionsvorsitzender im Bundestag zu den wichtigsten Männern der rot-grünen Koalition gehörte, nutzte die Grünen-Landesvorsitzende Sandra Detzer die Gelegenheit, um auf die Bierzelttauglichkeit der Grünen hinzuweisen. Sie komme aus Niederbayern, sie kenne die Tradition der Auftritte von Politikern in Zelten. Umso mehr freue sie sich, dass die Crailsheimer Grünen einen Kontrapunkt zum Auftritt des bayerischen Ministerpräsidenten setzen – noch unter Sonnenschirmen und nicht im Zelt, aber das könne ja noch werden.

Freude

Auch Rezzo Schlauch freute sich über den alternativen Auftakt in der Stadt, in der er einst Oberbürgermeister werden wollte. „Eine saumäßig gute Idee“, konstatierte er dem Grünen-Ortsvorsitzenden Christian Hellenschmidt. Und fügte gleich hinzu, dass er das schon immer gerne gemacht habe: Straßenwahlkampf, Bierzeltwahlkampf. Nur müsse die Bierseligkeit eben eine grüne sein. Schlauch erinnerte daran, dass er es war, der grüne Politiker als Redner auf der Gillamoos, einem der ältesten Jahrmärkte in Bayern, bierzeltfähig gemacht habe. Er hielt dort 1997 eine Rede. Besuch und Bierumsatz im Zelt seien so gut gewesen, erinnerte sich Schlauch, dass im Jahr darauf Joschka Fischer eingeladen worden ist.

Zustände wie auf dem Gillamoos, wo in mehreren Bierzelten Politiker gleichzeitig auftreten, auch in Crailsheim? Eine zweite Großkundgebung im zweiten großen Bierzelt? Warum nicht, sagt Rezzo Schlauch und verweist auf einen Wahlkampf, der diesen Namen nicht verdiene. Schon zuvor hatte der Grünen-Bundestagskandidat Harald Ebner den „Wischiwaschi-Wahlkampf“ in Deutschland kritisiert und gefordert, „dass die Grünen nicht nur in Stuttgart den Ton angeben“.

Aufforderung

Schlauch forderte CSU-Chef Seehofer auf, öfters nach Baden-Württemberg zu kommen, „denn hier, in einem Bundesland mit einem grünen Ministerpräsidenten, kann er noch einiges lernen“