Der Gemeinderat stimmt dem Erhalt der beiden Kastanienbäume nördlich der Spitalkapelle zu“: So hatte die Stadtverwaltung den Beschlussantrag formuliert. Der Gemeinderat stimmte dem mitnichten zu. 21 Stimmen gegen und 18 für die zwei Bäume wurden gezählt, so ist deren Ende endgültig beschlossene Sache.

Die Kastanien sind seit Beginn der Spitalstraßenplanung Thema. Vor einem Jahr hatte der Gemeinderat beschlossen, sie müssten weichen. Erneut auf die Tagesordnung kamen sie, nachdem Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer 440 Unterschriften vorgelegt wurden, mit denen sich Freunde dieser Bäume für ihren Erhalt aussprechen. Fachleute der Verwaltung wie der Baumsachverständige Michael Böckler und der Leiter des Ressorts Bauen und Verkehr Gerhard Schacht bestätigten, dass sie gesund seien, die Kapelle unbeschädigt, das Fällen unnötig.

Ersatzpflanzungen geplant

In der Sitzung zeigte sich Stadtrat Gerhard Neidlein (CDU) verwundert über diese Vorlage, nachdem ja ein eindeutiger Beschluss des Gemeinderats vorliege. Die Fraktion habe noch einmal darüber nachgedacht und befunden, 380 Stimmen seien ein zu geringer Anteil der Bevölkerung – „Unterschriften aus Satteldorf zählen nicht“. Auch seien eigene Experten nicht der Meinung, die von der Verwaltung vorgelegt wurde. „Wir werden mehrheitlich der Fällung nicht widersprechen“; es werde Ersatzpflanzungen geben.

Gernot Mitsch sah für die SPD-Fraktion „keine Notwendigkeit“, die Bäume zu fällen. Hermann Wagner (AWV) ging auf die schwierige Straßenführung am Spital ein, auf die Treppe, auf Radfahrer, die durch den Spitalbereich kurvten: „Man muss sich da auskennen.“ Ein Gehweg anstelle der Bäume sei sinnvoll und diene der Verkehrssicherheit. Zudem sei deutlich zu sehen, dass die Bäume die Begrenzungsmauer nach außen drückten.

Barrierefreiheit als Ziel

Lilly Venohr (SPD) hatte sich gefreut über die Aussicht, die Bäume doch erhalten zu können. „Alte Bäume sterben manchmal“, sagte hingegen Peter Gansky (BLC) und erinnerte an einen anderen Baum im Stadtgebiet, eine Esche, für die großer Aufwand betrieben wurde und die dann doch einging. Derzeit sei die Situation am Spital nicht behindertengerecht; sein Ziel sei Barrierefreiheit. Magnus Krause (SPD) vertraut, wie er sagt, der Expertise. Er danke den Initiatoren für eine Baumaktion, die Gelegenheit gebe, einen Fehler zu korrigieren. Barrierefreiheit gebe es im Übrigen durchaus, sie erfordere nur einen kleinen Umweg.

Crailsheim

Uwe Berger (CDU) fand vor allem die Aussage des städtischen Baumsachverständigen wichtig, diese 120 Jahre alten Bäume könnten ohne Weiteres 300 Jahre alt werden. Sie seien städtebaulich höchst attraktiv und an historisch gewachsener Stelle: „Wir haben in Crailsheim nicht allzu viele Postkartenmotive.“ Auch sei es zunehmend schwer, in bebautem Gebiet Bäume zu pflanzen, das habe der Crailsheimer Gemeinderat gelernt, „und hier wachsen und gedeihen sie“. Berger weiter: „Niemandem bricht ein Zacken aus der Krone, wenn eine Entscheidung revidiert wird.“ Ein Gehweg, der jahrzehntelang von niemandem vermisst wurde, könne, wenn an dieser engen Straßenstelle Fußgänger unterwegs seien, zusätzlich gefährden. Das Thema bewege viele Crailsheimer, so sein Plädoyer für die Bäume. Auf diese Ansprache Bergers hin zog Wolfgang Ansel (SPD) seinen Beitrag zurück: Das sei genau, was er sagen wollte. Daraufhin Helmut Walter Rüeck (CDU) ganz trocken: „Dass ich das noch erleben darf.“

Ungenannter Sachverständiger

Siegfried Bögelein (CDU) berief sich auf einen anderen Baumsachverständigen, der nicht genannt werden wolle und der die Baumfällung empfohlen habe; dieser Mann verstehe mehr als „selbst ernannte Baum- und Naturschützer“. Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer zeigte sich verwundert über „diese Art, mit Fraktionskollegen umzugehen“.

Auf eine Frage von Ortsvorsteher Horst Philipp zur Standsicherheit der Kastanien sagte Gerhard Schacht, die Begrenzungsmauer müsse in jedem Fall weichen, aber das habe keine Auswirkungen auf die Standsicherheit der Bäume; lediglich beim anstehenden Straßenbau müsse sorgfältig gearbeitet werden, um keine Hauptwurzel abzutrennen. Die Einschätzung der Verwaltung überzeugte die Mehrheit des Gremiums nicht. Die Bäume werden gefällt.

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