Crailsheim „Aus alt mach’ neu“ – unter diesem Motto arbeitet der Tüftler Ulrich Baumann

Wie fast alles rund um sein Haus, hat Ulrich Baumann auch seine Feuerstelle aus Altmetall selbst gebaut.
Wie fast alles rund um sein Haus, hat Ulrich Baumann auch seine Feuerstelle aus Altmetall selbst gebaut. © Foto: Dominik Prüfer
Crailsheim / DOMINIK PRÜFER UND SOPHE-MARIE WALTER 20.09.2016
Für Viele ist Peter Lustig ein Kindheitsheld. Der Crailsheimer Ulrich Baumann steht dem Mann aus „Bärstadt“ in Sachen Tüftelein in nichts nach.

Im Garten von Ulrich Baumann fühlt man sich in die eigene Kindheit zurückversetzt – in die Zeiten von Löwenzahn und Peter Lustig. Egal ob Pavillon mit Dachbegrünung, Balkon oder Feuerstelle: Alles hat der 73-jährige Tüftler im Laufe der Jahre in Handarbeit gefertigt. Eigentlich fehlt nur noch die blaue Latzhose und Klaus-Dieter, die freche sprechende Ukulele an der Haustür.

„Ich brauche immer Beschäftigung“, erzählt der umtriebige Crailsheimer. Ideen dafür hat und hatte er stets genug. Er habe schon immer gern gebastelt, sagt Ulrich Baumann. Daher war es auch naheliegend, dass er eine Ausbildung zum Mechaniker absolvierte. Wie Peter Lustig auch, kann Ulrich Baumann sehr gut mit Kindern umgehen. „Früher habe ich als sogenannter Arbeitserzieher im Kinder- und Jugendheim Tempelhof gearbeitet“, erzählt er. Dort fand er sich mit der Herausforderung konfrontiert, die Jugendlichen zur handwerklichen Arbeit zu motivieren. „Die wollten lieber fernsehen“, schildert er schmunzelnd. Wieder war seine Kreativität gefordert.

Immer wieder fand er neue Ideen, was er mit seinen Schützlingen konstruieren könnte. „Wir haben zum Beispiel riesige Winddrachen gebaut“, sagt Ulrich Baumann. Diese waren durch ihre Größe bei starken Winden teils schwer zu halten. „Einmal ist uns einer entwischt und bis nach Marktlustenau geflogen“, erinnert er sich. Aber auch eine überdimensionierte Schaukel ist unter seiner Regie in Tempelhof entstanden. „15 Personen hat es benötigt, um die Gondel in Schwung zu bringen“, gibt er lachend preis.

Dazu hat er über zwei Jahrzehnte lang Uhren konstruiert. Sein Ideenreichtum hat Ulrich Baumann auch hierbei gute Dienste geleistet. „Meine Uhren habe ich teils aus sehr unüblichen Materialien konstruiert“, erzählt er, während er auf eines der Exemplare deutet: eine Uhr, die in eine mit Fossilien überzogene Schieferplatte eingelassen ist. „Meine Uhrwerke waren sehr einfach kon- struiert, dafür aber äußerst energiesparend“, erklärt er.

Vorhandenes nutzen, Altes wiederverwerten und das Einsparen von Energie prägten Ulrich Baumanns Arbeit seit den frühen 70er-Jahren. Als der gebürtige Laupheimer nach Hohenlohe kam, war die erste Ölpreiskrise in vollem Gange. „Also überlegte ich, was ich tun könnte, um effizienter zu heizen“, erzählt er. Sein Hauptaugenmerk richtete er dabei auf seinen Kaminofen. Über viele Jahre hinweg entwickelte der Tüftler einen Holzofen, der durch ein Vielfaches der Oberfläche herkömmlicher Öfen den Wirkungsgrad der meisten Konkurrenzprodukte übertrifft. Seine Konstruktion erregte auf der Hannovermesse 2007 sogar das Interesse des damaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger. „Er nahm sich in Hannover sehr viel Zeit für mich, um sich über meinen Ofen zu informieren“, schildert Ulrich Baumann das Treffen mit Oettinger.

Nicht nur Ulrich Baumanns Uhren und Öfen sind auf Effizienz getrimmt – auch Haus und Garten spiegelt seine Kreativität wider: Während manche davon träumen, die Gießkanne nicht mehr durch den Garten wuchten zu müssen, lässt Ulrich Baumann es per Knopfdruck in seinem Garten regnen. Dafür hat er sich eine Sprinkleranlage auf einen Mast im Garten gebaut. „Das wirkt einfach viel besser, als ein herkömmlicher Rasensprenger“, erzählt der 73-Jährige. Natürlich verwertet er dafür das Regenwasser wieder.

Neue Projekte hat Ulrich Baumann auch schon anvisiert. Aktuell tüftelt er, wie Elektrofahrräder effektiver und sparsamer werden könnten. Ideen habe er genug, merkt er an. Für seine private Zukunft hat er auch schon einen Plan: Falls er eines Tages ein Pflegefall sein sollte, baut er eine Hütte in seinem Garten – natürlich aus recyceltem Material. „Meine Pfleger dürften mietfrei im Haus wohnen, während ich hierbleibe“, schildert er die Idee dahinter. Bis dahin bastelt Crailsheims Peter Lustig hoffentlich noch lange weiter.