Normalerweise drehen drei Fahrzeuge jeden Morgen von 7 Uhr an eine Runde und klappern 26 Geschäfte in und um Crailsheim ab, um gespendete Waren für den Tafelladen einzusammeln. Mit ihnen werden die Regale bestückt, aus denen Bedürftige zwischen 12 und 14 Uhr ihren täglichen Bedarf an Lebensmitteln und Kosmetikartikeln decken können. Zwischen 90 und 120 Kunden hat der Laden täglich, die auch im Kleiderladen oder in der Möbelhalle der Aufbaugilde einkaufen. Viele davon essen in der Suppenküche, die normalerweise täglich eine Mahlzeit bereithält.

Kaum Helfer, Angst vor Schließung

Doch Kleiderladen, Möbelhalle und Suppenküche sind geschlossen, die 25 Mitarbeiter, die vom Jobcenter kommen, wurden nach Hause geschickt. Und von den übrigen 16 Mitarbeitern sind inzwischen fünf krankgemeldet. Karin Coffey, die Leiterin des Tafelladens kann nur noch auf ein kleines Häuflein Helfer zurückgreifen. Sie wird nun jetzt auch in die Transporter steigen, um die Waren einzuholen. Coffey selbst ist Mädchen für alles, und sie weiß aus ihrem täglichen Kontakt mit den Kunden des Ladens, dass dort langsam die Angst vor der Schließung umgeht.

Es fehlt an fast allem

„Es fehlen die Grundnahrungsmittel, also Mehl, Nudeln, Reis und Backwaren. Und natürlich fehlen auch die frischen Sachen”, fasst sie kurz zusammen. Grund dafür sind die Schließung von Läden und die Hamsterkäufer, die Supermarktregale leerfegen, ohne an die Konsequenzen zu denken, die das für andere Menschen haben kann. „Die Hamsterkäufer sollten auch an die Bedürftigen denken und vielleicht von ihrem Gehamsterten ein oder zwei Packungen an den Tafelladen spenden. Oder einfach in vernünftigem Maße einkaufen, damit für alle genug bleibt”, appelliert Coffey.

Hamsterkäufe in Tafelladen nicht erlaubt

Vier Euro geben die Menschen im Durchschnitt für einen Einkauf im Tafelladen aus, eine Summe, mit der in normalen Einkaufsläden kein vernünftiger Einkauf zustande kommen kann. „Die Menschen hier spüren es ganz bedeutend, wenn sie in einem regulären Laden einkaufen müssen”, bestätigt Coffey und berichtet, dass vielen eine Vorratshaltung gar nicht möglich sei, weil sie nicht die finanziellen Mittel besitzen, um eine große Menge Waren auf einmal zu kaufen. Im Tafelladen wäre das auch gar nicht möglich. Hamsterkäufe sind dort nicht erlaubt.

Besonders freut es Karin Coffey, wenn Menschen von selbst erkennen, in welch einer prekären Lage sich der Laden und seine Kunden im Moment befinden. So berichtet sie von einer Dame, die in der vergangenen Woche 70 Briefumschläge in den Laden gebracht hat, die dort an die ganz besonders Bedürftigen verteilt werden sollten. Jeder davon war befüllt mit einem 20-Euro-Schein und einer Tafel Schokolade, auf den Umschlägen standen liebevolle aufmunternde Botschaften wie etwa „Bleib gesund“.

Coffey: Jetzt ist die Zeit zum Spenden

Natürlich kann sich nicht jeder solch eine großzügige Geste leisten, aber Coffey betont: „Jetzt wäre die Zeit für Geld- und Warenspenden, denn was im Moment passiert, betrifft jeden. Die Gesellschaft sollte zusammenhalten.” Deshalb ruft sie die Bevölkerung zum Spenden auf.

Lebensmittelpakete für Senioren

Wer Lebensmittel spenden möchte, sollte darauf achten, dass sie noch haltbar, originalverpackt und geschlossen sind. Auch Getränke sind willkommen, allerdings nimmt der Tafelladen keinen Alkohol an. Im Moment ist der Tafelladen außerdem dabei, für bedürftige Senioren die Möglichkeit einzurichten, Lebensmittelpakete nach Hause geliefert zu bekommen, damit sie ihre Wohnungen nicht verlassen müssen. Von Geldspenden soll das eingekauft werden, was besonders fehlt, weshalb auch sie hochwillkommen sind.

Informationen zu den Lieferungen für Senioren nach Hause oder für Spendenwillige gibt es bei Karin Coffey unter Telefon 0 79 51 / 2 95 -6 15, -6 14 oder -6 23 oder per E-Mail an info@crailsheimer-tafel.de.

Crailsheim/Fichtenau