„Wir sind seit Jahren dabei, die Streusalzmenge zu reduzieren, um Kosten zu sparen und möglichst umweltschonend unseren Streu- und Räumpflichten nachzukommen“, erklärt Bernd Graf, einer der Einsatzleiter des Winterdiensts, der im Baubetriebshof angesiedelt ist.

Momentan kommt in Crailsheim reines Streusalz, auch Trockensalz genannt, fast nur noch in den Stadtteilen zum Einsatz. Und auch hier werden die alten „Streuer“ nach und nach ersetzt, um auf Feuchtsalz, ein Gemisch aus Sole und Trockensalz, umzustellen, erklärt Graf. Denn der reine Streusalzeinsatz hat Nachteile. Trockensalz muss erst Feuchtigkeit aufnehmen, bevor es auf der Straße haftet und seine Wirkung zeigt. Auf viel befahrenen Straßen bleibt das Salz daher nicht lange auf der Fahrbahn liegen, sondern landet häufig durch den Fahrtwind der Fahrzeuge am Straßenrand oder im Abwasser. Auch die Bäume im Grünstreifen bekommen so mehr Salz ab.

Crailsheim

Bei großer Nässe und Kälte ist Feuchtsalz das Mittel der Wahl im Winterdienst

Wenn möglich, greift der Winterdienst auf die noch sparsamere reine Sole zurück, die aus 20 Prozent Trockensalz und 80 Prozent Wasser besteht. Sie haftet besonders gut auf der Fahrbahn und kann dadurch sogar vorbeugend – wenn Glatteis vorhergesagt wird – eingesetzt werden. Doch nicht immer ist die reine Sole das Mittel der Wahl, denn sie zeigt ihre Wirkung leider nur bei bis zu minus sechs Grad und der Schneefall darf nicht zu heftig sein. Wird es kälter oder nasser, muss daher auf Feuchtsalz, ein Gemisch aus 70 Prozent Trockensalz und 30 Prozent Sole, zurückgegriffen werden.

Um sicher zu gehen, dass die Mischungen im richtigen Verhältnis auf die Straßen kommen, werden die Streumaschinen routinemäßig vor dem Saisonstart überprüft und es wird nachgemessen, ob auf der Straße ankommt, was der Regler anzeigt. Die Aufsätze, mit denen im Winter Sole versprüht wird, baute der Baubetriebshof übrigens von Anfang an so um, dass sie im Sommer zum Gießen von Pflanzen verwendet werden konnten. Eine Idee, die der Fahrzeughersteller aufnahm und nun serienmäßig anbietet.

Seit 1. November ist der Winterdienst wieder im Einsatz. Erstmals kann in dieser Saison auf die neue, erweiterte Sole-Mischanlage mit ihren 45 Kubikmeter Fassungsvermögen zurückgegriffen werden – das reicht für vier Streurunden auf den Hauptverkehrsstraßen im Stadtgebiet. Im Bedarfsfall können nun jedoch bis zu vier Kubikmeter Sole pro Stunde nachproduziert werden. Ein ausreichender Puffer.

Sole-Anlage reinigt sich selbst

Ein weiterer Vorteil der neuen Anlage ist, dass sie sich selbst reinigt und nicht mehr manuell geschrubbt werden muss. Zum Mischen der Sole wird übrigens ausschließlich Regenwasser aus den zwei Zisternen des Baubetriebshofs verwendet.

Im letzten Jahr kam es durch einen plötzlichen Wintereinbruch im Allgäu zu deutschlandweiten Lieferengpässen bei Streusalz. Gut, dass der Baubetriebshof nun seine Lagerkapazitäten auf 600 Kubikmeter Streusalz ausbauen konnte. Durch die großen Lagerflächen kann fast alles Salz im Sommer eingekauft werden, was die Beschaffung wesentlich günstiger und die Nachlieferung in der Hochsaison unabhängiger macht.

Die vergleichsweise milden Winter der letzten Jahre bringen übrigens keine Entlastung für den Baubetriebshof. „Wir haben zwar weniger Schnee, aber mehr Glätte“, so Bernd Graf. Während es früher lange Kälteperioden gab, stellen nun häufige Wetterumschwünge mit einer Mischung aus Blitzeis, Regen und Schnee neue Herausforderungen dar.