Immer mehr Unternehmen müssen den Betrieb einstellen. Die Veranstaltungsbranche ist eines jener Geschäftsfelder, in denen gar nichts mehr geht. Bei der Media Resource Group mit Sitz in Crailsheim steht jedes Rädchen still.

Nur noch Tigerenten-Club und Joko und Klaas

„Tatsächlich sind bei uns seit der Ankündigung, dass Veranstaltungen über 1000 Personen abgesagt werden müssen, quasi von heute auf morgen 100 Prozent der Aufträge weggebrochen“, berichtet der geschäftsführende Gesellschafter Michael Frank. Aktuell habe das Unternehmen noch „ein bisschen LED-Technik beim Tiger­enten-Club für die aktuellen Aufzeichnungen“ stehen und bis Samstag war noch ein Medienserver mit einem Kollegen bei den Aufzeichnungen zur TV-Show Joko & Klaas. Viel schwerer wiegt jedoch die ungewisse Lage: „Es kommen aktuell keine Anfragen mehr. Es ist brutal“, konstatiert Frank.

Tourneen und Events abgesagt

Unter normalen Umständen wäre das Unternehmen gerade vollauf mit anstehenden Veranstaltungen beschäftigt: Die Media Resource Group betreut mit „Rock meets Classic“ und „Gregorian“ zwei große Tournee-Produktionen, die nun auf Eis liegen. „Die Lkw für die Produktion Gregorian waren gerade in Ostrawa und hätten weiter nach Polen fahren sollen. Nun ist alles zurück ins Lager gekommen“, erklärt Frank. Auch weitere Tourneen und Firmenevents im April wurden bereits abgesagt.

Mitarbeiter werden über Liveticker informiert

Alternativen sieht er kaum: „Unternehmen könnten bei uns Streaming-Technik anfragen, damit sie ihre Botschaften noch an Mann und Frau bekommen.“ Frank geht offen mit dem Thema um. Besonders mit seinen knapp 50 Mitarbeitern: Es war „wichtig, von Anfang an ganz transparent zu informieren“. Über einen Liveticker gibt er täglich abgesagte Veranstaltungen, verschobene Aufträge oder auch die Maßnahmen bekannt, die er und Steffen Haug, ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter, nun treffen. „Jetzt schon sind viele Mitarbeiter dabei, Überstunden massiv abzubauen, und ja, wir sind gezwungen, ab März Kurzarbeit anzumelden, da führt kein Weg da­ran vorbei“, sagt Frank. Die Reaktion der Mitarbeiter sei aber „wirklich einzigartig, hier spürt man gelebten Zusammenhalt und den gemeinsamen Willen, da durchzukommen“, ist Frank dankbar.

Frank: Maßnahmen der Politik gehen nicht weit genug

Die Hilfen der Politik sieht er jedoch zwiespältig. Zwar funktioniert das Modell Kurzarbeit für sein Unternehmen zunächst und auch die Zusage von Krediten ist „ein gutes Signal und schafft Vertrauen“, allerdings geht dies Frank im Fall der Eventindustrie nicht weit genug. Die Einnahmen der Branche sind nun sozusagen per Gesetz fast vollständig beschränkt. Da helfe ein Kredit nur bedingt. „Es muss echte Zuschüsse und Beihilfen geben. Sämtlichen Fixkosten von mehreren Hunderttausend Euro stehen jeden Monat keine Einnahmen entgegen.“ So würde sich mit jedem Monat ein „immenses Kreditvolumen aufbauen, das in der Folge weitere Schwierigkeiten verursacht“, meint Frank.

Bleibt es künftig dunkel auf den Bühnen?

Die Branche wisse aus den Zahlen der Verbände, dass „die Renditen der letzten Jahre äußerst gering waren und keine Rücklagen ermöglicht haben – meist wurde in Mitarbeiter und Technik investiert“. Zudem gebe es eine große Gruppe an Solo-­Selbstständigen die ihr Spezialwissen als Planer oder Techniker vor Ort verkauft. „Da gibt es kein Arbeitslosengeld, die müssen sofort an die Reserven. Aus unserer Sicht müssen Soforthilfen bereitgestellt werden – wie es auch schon in der Vergangenheit für Banken möglich war.“ Ohne Zuschüsse des Staates bleibe es „zukünftig dunkel auf den Bühnen“. In der Branche sei eine mögliche Marktkonsolidierung bereits Thema. Trotzdem geht Frank davon aus, „dass wir diese He­rausforderung meistern“. Und vielleicht normalisiert sich die Lage in den kommenden Wochen auch ein wenig: „Eine fantastische Tour würde planmäßig ab Ende Mai starten, noch besteht Hoffnung.“