Drei zusätzliche Stellen für die Schulsozialarbeit in Crailsheim werden finanziert, außerdem zwei halbe Stellen für mobile Jugendarbeit – die es bislang noch gar nicht gab. Das ist ein Ergebnis der dem Gemeinderat vorgelegten Jugendkonzeption. Die entsprechenden Kosten sind im Haushaltsplan enthalten, waren aber bis zur Entscheidung in der jüngsten Sitzung mit einem Sperrvermerk versehen. Land und Landkreis fördern diese Stellen mit zum Teil erheblichen Summen.

„Mehr als nur Kummerkasten“

Vor allem Schulsozialarbeit war Thema für Katharina Kalteiß, seit 2015 im Team der Stadtverwaltung und Leiterin des Jugendbüros. In ihrem Vortrag zeigte die Fachfrau auf, in welchen Lebens- und Schulbereichen Schulsozialarbeit Unterstützung anbietet – und zwar durchaus nicht nur für benachteiligte und beeinträchtigte Kinder und Jugendliche: „Das ist viel mehr als nur Kummerkasten.“ Derzeit gibt es 3,85 Stellen für elf Schulen, das heißt, dass noch nicht einmal an jeder Schule Präsenzzeit gewährleistet ist, von Prävention ganz zu schweigen. Mit weiteren drei Stellen verbessert sich der Wert von 1044 Schülern pro Vollzeitstelle, mit dem Crailsheim am Ende der baden-württembergischen Skala rangiert, auf 585 Schüler.

Neben der offenen stellte Kalt­eiß auch die mobile Jugendarbeit vor, die mit individueller Beratung, Gruppenangeboten und gemeinwesenorientierter Arbeit von der Teilnahme am Stadtfest bis zum Miteinander mit Menschen mit Behinderung viel mehr sein kann als Streetwork – klassische Straßensozialarbeit. Aus ihrer Präsentation wurde deutlich, dass mit erstmals zwei halben Stellen für Crailsheim der Wert von 0,2 Vollzeitstellen pro tausend Jugendlichen und damit das Mittelfeld der Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg erreicht wird. Sie beantwortete außerdem eine ganze Reihe von Fragen. Auf die Möglichkeit von kombinierter Schulsozial- und mobiler Jugendarbeit angesprochen, meinte sie etwa, die meisten Jugendlichen seien froh, wenn nicht auch noch in der Freizeit Schulprobleme auftauchten.

„Haben Sie’s im Griff?“

„Entgleitet die Stadt oder haben Sie’s im Griff?“, wollte Michael Klunker (AWV) mit Verweis auf die „Brennpunkte“ wissen. Kalt­eiß stellte den Begriff „Brennpunkt“ in Frage; es gehe darum, in einer normalen Stadt Schwerpunkte zu setzen. Die Frage von Roland Klie (SPD) nach Jugendarmut ließ sich nicht so leicht beantworten, wohl aber die nach Alkohol- und Drogenkonsum. Erstes sei rückläufig, Letzteres vor allem bei Cannabis zunehmend – „aber nicht besorgniserregend“. Charlotte Rehbach (Grüne) wollte wissen, ob der Kreuzberg mit 348 betreuten Jugendlichen ein besonderes Problem darstelle, ob die „Mobile“ dort mehr Unterstützung benötige. Dazu meinte die Fachfrau, nicht auf dem Kreuzberg, sondern vor allem in der Innenstadt und in den Hirtenwiesen brodele es.

„Teure Reparatur“

Dennis Arendt (SPD) fand’s gut, dass dieser Sperrvermerk jetzt aufgehoben wird: „Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen, aber das ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Sebastian Klunker erinnerte daran, dass der Antrag auf zusätzliche Stellen von der AWV gekommen war und fragte im Detail nach den Rahmenbedingungen für gute Jugendarbeit. Charlotte Rehbach war froh, dass die „gute Arbeit“ fortgesetzt werden könne. Norbert Berger (CDU) sprach von vielen Baustellen in der Jugendarbeit und davon, dass jeder Euro gut investiert sei: „Wenn eine Entwicklung aus dem Ruder läuft, ist die Reparatur sehr viel teurer.“

„Krankes System?“

Während der Bau- und Sozialausschuss bei einer Enthaltung eine Beschlussempfehlung abgegeben hatte, vermutete Peter Gansky (BLC) im Rat, mit dem Geld werde ein krankes System stabilisiert. „Vielleicht tut es den Kindern ja nicht gut, den ganzen Tag in der Schule zu sein.“ Vor allem verglich er in seinem Lob des Ehrenamts die von ihm kritisch gesehenen städtischen Angebote mit der in Vereinen, Kirchen und bei der Feuerwehr geleisteten Jugendarbeit. Hier hielt Klaus Mümmler (CDU) entgegen, Vorsitzender des Stadtverbands Sport: Kalteiß leiste „tolle Arbeit“, ohne die es in Crailsheim viel mehr Probleme gäbe: „Jede Investition in Jugendarbeit ist Gold wert.“

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